Berlin - Rostiges Herz

von Sarah Stoffers
Rezension von Stefan Cernohuby | 17. Mai 2020

Berlin - Rostiges Herz

Zukunftsvisionen waren nie ungetrübt und gänzlich voller Optimismus. Schon Jules Verne hatte beispielsweise in 20.000 Meilen unter dem Meer die Menschheit gleichermaßen gerügt wie vorgewarnt. Die Entwicklung der letzten Jahre geben immer weniger Grund für Zuversicht. So ist es kein Wunder, dass die Zahl dystopischer Romane zunimmt. Ist „Berlin – Rostiges Herz“ von Sarah Stoffers auch in diese Kategorie einzuordnen?

Berlin ist eine gespaltene Stadt. Auf der einen Seite gibt es die Zauberer, die für sich beanspruchen, die Menschen aus dem dunklen Zeitalter geführt zu haben. Auf der anderen die Erfinder, die man Jahrhunderte nach dem großen Zusammenbruch immer noch für alles Übel verantwortlich macht und wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Dazwischen gibt es normale, nicht magiebegabte oder erfinderisch tätige Menschen. Auch wenn es im Untergrund immer noch schwelt und es immer wieder zu Unruhen kommt, gibt es eine Art Gleichgewicht, welche der Stadt das Funktionieren erlaubt. Alles ändert sich jedoch, als die Tochter des Erzmagiers auf einer Party mit einem seltenen Gift ermordet wird und eine der prominentesten Erfinderinnen der Stadt dafür verantwortlich gemacht wird. Mathilda Sturm ist daraufhin auf der Flucht, in dem Wissen, unschuldig für Mord an jener Frau gejagt zu werden, die sie mehr als alle anderen geliebt hat. Aber auch Fidelio, der Illusionsmagier, der gerade um Rosas Hand anhalten wollte, fällt zuerst in ein tiefes Loch und beginnt dann nachzuforschen. In Lebensgefahr, auf der Flucht und voller Gram machen sich zwei Personen daran, ein Puzzle zusammenzusetzen, dessen Teile seit langem verborgen sind...

Forscher, Physiker und Erfinder sind oft Wegbereiter von Technologien, über deren Nutzung sie später alles andere als erfreut sind. Als prominente Beispiele sind hier sowohl Albert Einstein als auch Robert Oppenheimer anzuführen. Besonders letzterer ist für sein Zitat „Jetzt bin ich zum Tod geworden, zum Zerstörer von Welten“ berühmt, nachdem er die Wirkung der Atombombe, an der er maßgeblich beteiligt war, zum ersten Mal mit eigenen Augen verfolgen konnte. Die Tatsache, dass ein vorkommender Nebencharakter den Namen Oppenheimer trägt, suggeriert beim Lesen ein wenig, dass irgendwann im Buch auch eine sehr große Bombe vorkommen könnte. Eine Annahme, die sich als zutreffend erweist. Davon einmal abgesehen spielen eine große, unerfüllte Liebe von sowohl Protagonistin als auch Protagonist zu der zu Beginn ermordeten Rose eine zentrale Rolle. Nichts davon wirkt aufgesetzt oder nicht zu Zeit und Setting passend – so wie es in einer modernen Erzählung sein soll. Man merkt darüber hinaus auch, dass die Szenerie sehr überlegt vorbereitet wurde, auch hinsichtlich geschichtlicher Hintergründe. So, dass man problemlos auch weitere Romane in der Welt ansiedeln könnte. Kein Wunder also, dass eine Fortsetzung bereits in Arbeit ist. Man darf darauf gespannt sein – Geschichten gäbe es bestimmt noch viel zu erzählen, im rostigen Herz von Berlin.

„Berlin – Rostiges Herz“ ist der erste Roman von Sarah Stoffers in einer von ihr entworfenen, dystopischen Steampunk-Zukunft. Erfindungen, Magie, Liebe und die Vergangenheit spielen allesamt wichtige Rollen. Auf der Suche nach Mördern und Verschwörern kommt aber auch der Krimi-Anteil nicht zu kurz. Besonders Fans der Subgenres Steampunk und Steamfantasy kann man das Werk bedenkenlos ans Herz legen. Aber auch anderen Lesern wird das Flair dieser Welt gefallen. Man kann sich darüber hinaus bereits auf eine Fortsetzung freuen.

Details

Bewertung

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