Todes-Zyklus

Todesreigen

von Andreas Gruber
Rezension von Stefan Cernohuby | 24. September 2017

Todesreigen

Vögel gibt es in allen Größen und Farben. Wenn man viele bunt gemischt an einen Platz sieht, spricht man auch gerne von einem bunten Vogelreigen. Wenn Andreas Gruber jedoch ein Buch schreibt, ist dieses in der Regel jedoch etwas düsterer. So muss man sich nicht wundern, wenn es nicht von Vögeln handelt, sondern den Titel „Todesreigen“ trägt. Der vierte Fall rund um den mehr als streitbaren Ermittler Maarten S. Sneijder verspricht jedoch weniger Farben, dafür mehr Tote.

Als drei engagierte LKW-Lenker die Amokfahrt eines Geisterfahrers stoppen, nimmt ein Drama, das vor vielen Jahren seinen Anfang genommen hat, erneut Fahrt auf. Denn es ist der erste Fall einer Reihe von Selbstmorden, die allesamt von Angehörigen von BKA-Beamten verübt werden. Tina Martinelli und Sabine Nemetz nehmen die Nachforschungen auf. Schnell stellen sie fest, dass auch Maarten S. Sneijder, der immer noch vom Dienst suspendiert ist und sich zwischenzeitlich mit Unterricht über Wasser hält, irgendwie in den Fall verwickelt ist. Zumindest weiß er mehr, als er zugibt und offenbart nichts von seinem Wissen. Etwas, das den beiden Ermittlerinnen gefährlich wird, denn anscheinend haben die Geschehnisse mit Thomas „Hardy“ Hardkovsky zu tun. Einem ehemaligen BKA-Beamten, der den Akten zufolge einen eigenen Drogenring aufgezogen hat und dann schließlich sein Haus mitsamt Frau und Kindern niederbrannte. Genau dieser ist nur Tage zuvor nach über zwanzig Jahren aus der Haftanstalt entlassen worden. Wer ist der Verantwortliche an den Morden? Wer lügt? Und wer war jene seltsame „Gruppe 6“, die ihre Hände mit im Spiel hat?

Der Autor spannt den Leser mit seinem neuen Roman ziemlich auf die Folter. Zwar ist es natürlich spannend, wenn die beiden Ermittlerinnen in der Vergangenheit zu graben beginnen und dort auf ein großes Komplott stoßen. Aber wenn man ein Werk aus dem „Todes“-Zyklus von Andreas Gruber liest, wartet man natürlich sehnsüchtig darauf, dass Maarten Sneijder – ich korrigiere: Maarten S. Sneijder – endlich in Aktion tritt und seine Spezialfähigkeit, andere Menschen so stark wie möglich auf die Palme zu bringen, zum Einsatz bringt. Darauf wartet man, soviel darf vorweggenommen werden, eine ganze Weile, doch dann kann man sich auf Szenen freuen, die man ohne weiteres mit „Sherlock“, „Mission Impossible“ und „Stirb langsam“ vergleichen kann, wenn man will. Und wenn man das nicht möchte, kann man auch einfach nur Sneijder genießen.
Im Vergleich zu den Vorgängerromanen kann das Werk trotzdem nicht ganz mithalten. Das liegt vermutlich an der Ausgangssituation, aus welcher Andreas Gruber seine Protagonisten erst langsam herausführen musste. So ist es natürlich gut zu wissen, dass der Roman gewissermaßen als „erster Band einer zweiten Trilogie“ angekündigt wurde. Insofern kann man sicher sein, dass bereits das Folgewerk seinen (un)heimlichen Star wieder von Beginn an einsetzen wird. Und das ist gut so – wie diese Rezension in mehr als drei kurzen und präzisen Sätzen erklärt.

„Todesreigen“ ist der vierte Roman rund um die Ermittler Maarten S. Sneijder, Sabine Nemetz und Tina Maritinelli. Gleichzeitig wird er auch der erste Band einer zweiten Trilogie. Das Werk ist spannend, unterhaltsam und sogar überraschend Actionreich. Im Vergleich mit den Vorgängern fällt es minimal schwächer aus, was aber auch auf die späte Einbindung des „Stars“ der Reihe zurückgeführt werden kann. Kenner, Fans und Thrillerliebhaber sollten trotzdem zugreifen, denn das Werk gehört dennoch zu den besten aktuellen Neuerscheinungen aus dem Genre. Und wer will sich schon mit Maarten S. Sneijder anlegen?

Details

Bewertung

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