Die sizilianische Heilerin

von Kari Köster-Lösche
Rezension von Janett Cernohuby | 08. Dezember 2010

Die sizilianische Heilerin

Der Strom historischer Frauenromane nimmt kein Ende. Die Leserschaft scheint dem Genre auch noch lange nicht überdrüssig, wie sonst wäre dies auf anderem Weg zu erklären? So ist es nicht überraschend, dass die erfolgreiche Autorin Kari Köster-Lösche ein weiteres Werk mit einer weiblichen Heldin verfasst hat. Dieses ist unter dem Titel "Die sizilianische Heilerin" im Hause Knaur erschienen.

Constanze ist eine selbstbewusste und eigensinnige junge Frau, die so gar nicht in ihre Zeit passt. Ihr Interesse gilt der Medizin und sie unterstützt ihren Vater, den Wundarzt Santino Cataliotti, tatkräftig. An Patienten mangelt es ihnen nicht, denn Sizilien wurde von König Karl von Anjou besetzt, wogegen sich die Bevölkerung wehrt. Zwar wird Constanze wegen ihrer Andersartigkeit von der Mutter verflucht, dem Vater und Geschwistern nach Möglichkeit gemieden; das Geld, das sie einbringt, wird jedoch gerne angenommen. Ihr Ruf eilt Constanze voraus und schon bald wollen auch Verletzte des feindlichen Lagers von ihr behandelt werden. Doch ein Schatten schwebt bereits über Constanze. Anonym wird Anzeige gegen sie erstattet, dass sie ohne Ausbildung in Salerno tätig ist. Wer steckt hinter dieser Anzeige? Und was hat es mit dem wohl gehüteten Familiengeheimnis auf sich? Constanze sieht als einzigen Ausweg nur die Flucht ins feindliche Lager. Doch auch hier verfolgen bald seltsame Ereignisse die junge Frau...

Mit "Die sizilianische Heilerin" hält man einen durchschnittlichen historischen Frauenroman in den Händen. Wer noch immer Gefallen an dieser Art Bücher findet und wem die Pfade noch nicht ausgetreten genug sind, der wird an diesem Buch Gefallen finden. Denn die Autorin versteht ihr Handwerk und weiß den Leser in das Jahr 1282 nach Sizilien zu entführen. Das Land leidet unter der Besatzung durch die Franzosen; Tiere und Korn werden von den Soldaten geplündert und den Menschen wird nichts zurück gelassen. Schon bald formt sich Widerstand gegen die Feinde, in welchem ein Wundarzt - oder besser noch eine Heilerin - dringend gebraucht werden. Und hier tritt die Protagonistin auf den Plan. Gehasst und von ihrer Familie argwöhnisch beobachtet, darf sie dennoch bei der Arbeit helfen und Geld nach Hause bringen. Doch Constanze zerbricht nicht an ihrem Schicksal. Im Gegenteil; sie ist eine mutige und eigensinnige junge Frau. Manchmal vielleicht auch ein wenig zu emanzipiert für jene Zeit - aber wie so oft bei historischen Frauenromanen muss man ja eben genau jenes sehr deutlich betonen.
Neben der fiktiven Romanheldin ist die Handlung auch mit Zahlen und Fakten gespickt. So erfährt der Leser mehr über Sizilien im 13. Jahrhundert. Im Vordergrund steht dabei natürlich die Auseinandersetzung zwischen Franzosen und Sizilianern. Aber auch die alltäglichen Lebensumstände und natürlich das medizinische Wissen jener Epoche werden von der Autorin nicht vergessen. Gerade in der Medizin war jene Zeit nicht nur unwissend, sondern auch sehr brutal. Daher könnten die Beschreibungen hierzu zart besaiteten Lesern etwas zu detailliert sein. In Bezug auf Recherche kann man Kari Köster-Lösche also keine mangelhafte Arbeit vorwerfen. Die Handlung selbst weiß zu überzeugen und wird zumindest Freunden dieses Genres auf mitzureißen vermögen. Denn der Plot ist gut durchdacht und auch der Schreibstil weiß zu überzeugen.

"Die sizilianische Heilerin" ist also zusammengefasst ein solider historischer Frauenroman, der Freunden dieser Form der Literatur auf jeden Fall zusagen wird. Neben dem Einblick in das Sizilien des 13. Jahrhunderts, führt die junge und couragierte Constanze die Leser durch die Ereignisse. All diejenigen, die dem Genre überdrüssig sind, sollten lieber die Finger von diesem Buch lassen. Denn manchmal wirkt die Heldin doch ein wenig zu "modern".

Details

  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    11/2010
  • Umfang:
    544 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783426503898
  • Preis:
    9,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
    Keine Bewertung

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