Monochrom


Schwarzweiß sehen, fotografieren, bearbeiten, drucken
von Jürgen Gulbins, Andreas Zachmann
Rezension von Michael Seirer | 19. Juli 2017

Monochrom

Monochrome Aufnahmen - meist in Form von Schwarzweißfotos - liegen im Trend. Gängige Apps auf Smartphones haben alle verschiedene Filter für die direkte Umsetzung eines Motivs in Schwarzweiß direkt integriert. In der Flut der Farbaufnahmen mit übertrieben leuchtenden und gesättigten Farben stechen sie durch ihre Ruhe heraus. Wie kann man nun seine eigenen Fotos bestmöglich in Schwarzweiß umwandeln? Welche eignen sich überhaupt für eine Umsetzung? Und wie kann man das fertige Foto in bestmöglicher Qualität drucken? In ihrem knapp 400 Seiten starken Buch geben Jürgen Gulbins und Andreas Zachmann fachkundig Antworten auf diese Fragen.

Der erste Abschnitt beginnt mit einer Übersicht des von den Autoren empfohlenen Workflows in einer ansprechenden und leicht zu verstehenden Grafik. Dabei liegt der Fokus des Buches klar im Nachbearbeiten, zu neudeutsch im “post-processing” von Fotos. Insofern werden Themen wie “expose to the right” oder der Einsatz von optischen Filtern nur kurz besprochen. Das Thema Prävisualisierung, also die Fähigkeit sich das Motiv schon vor der Aufnahme in Schwarzweiß vorstellen zu können, wird jedoch genauer erläutert. Im zweiten Abschnitt geht es dann um die Umwandlung von Farbfotos in monochrome Bilder. Dabei werden über zehn Wege vorgestellt und deren feine Unterschiede in der Wirkweise mit Hilfe eines Farbkreisdiagrams anschaulich dargestellt. Danach folgen acht verschiedene Wege zur Tonung von monochromen Bildern.
Im größten Abschnitt “Spezielle Bearbeitungstechniken” geht es nach der erfolgten Basiskonvertierung an das Optimieren der Bilder. Hier finden sich Themen wie Dodge & Burn, der Einsatz von Filmkorn, Luminanzmasken, Doppelentwicklungen und wie man korrekt schärft und den Mikrokontrast anhebt. 
Ein kurzes Kapitel zum Thema Drucken zeigt sinnvolle Einstellungen um qualitativ hochwertige Fine-Art Prints zu erhalten.


Die Kapitel im Buch orientieren sich im Ablauf am zu Beginn vorgestellten Workflow. Um den roten Faden nicht zu verlieren (was bei über 300 Seiten Detailinformationen schon passieren kann) liefert das letzte Kapitel mit dem sperrigen Namen “Bearbeitungssitzungen” viele durchgehende Beispiele, in denen die besprochenen Techniken im Kontext einer kompletten Bearbeitung gezeigt werden.
Das Buch richtet sich an den fortgeschrittenen Fotoenthusiasten und geht von einem guten Grundlagenwissen in Photoshop und Lightroom aus. Zusätzlich werden spezialisierte Tools wie die Nik Collection beschrieben.

Der Umfang des Buches zeigt schon, dass man auf viele Arten mit monochromen Bildern arbeiten kann. Kaum jemand wird dabei alle vorgestellten Methoden gleichermaßen verwenden. Insofern schleicht sich vielleicht der Wunsch ein, ein paar Kapitel zu überspringen. Dabei sind oft im Text versteckte Tipps und Tricks, zum Beispiel zur Benutzung von Werkzeugen, die das ganze Buch lesenswert machen. 
Die vorgestellten Methoden gehen weit über eine globale Bildoptimierung hinaus. Die Helligkeits-, Schärfe- und Kontrastverteilung in Bildern wird analysiert und gegebenenfalls lokal optimiert. So wird bei der Dodge & Burn Methode etwa nicht nur beschrieben, wie man diese durchführt, sondern auch warum und wo im Bild man diese verwendet. Die dabei teilweise komplexen Dateien in Photoshop mit mehreren Layern werden durch Screenshots mit Annotierungen sehr gut erklärt und nachvollziehbar gemacht. Auf Grund der vielen unterschiedlichen Arbeitsweisen ist es ein Buch, das man sicher immer wieder zur Hand nimmt um konkrete Arbeitsabläufe nachzuschlagen.
Die abwechslungsreichen Beispielbilder kommen aus den Genres Architektur, Landschaft, Portrait und werden in ihrer Umwandlung und Optimierung immer subtil bearbeitet.

“Monochrom” hilft bei der hochwertigen Umwandlung von Farbfotos zu monochromen Bildern und bleibt auch den wichtigen Teil des Druckens nicht schuldig. Die Bearbeitungssitzungen zeigen anhand von einzelnen Beispielen aus unterschiedlichen Genres, wie man eine Bearbeitung von A bis Z durchführt. Dabei werden nicht nur einfache Presets sondern auch fortgeschrittene Photoshoptechniken verwendet und verständlich erklärt. Wer sein eigenes Fotoarchiv nach Kandidaten für eine monochrome Umwandlung durchsucht, wird sicher fündig. Mit dem besseren Verständnis von Grauwerten und der Umsetzung von Farbfotos in Schwarzweiß lassen sich damit neue und interessante Fine-Art Drucke erstellen.

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