Tough Shi*t

von Kevin Smith
Rezension von Stefan Cernohuby | 05. April 2013

Tough Shi*t

Helden gibt es heute zwar viele in unterschiedlichen Unterhaltungsmedien, aber immer weniger in der Realität. Dabei wäre eine Identifikationsfigur sicherlich wünschenswert. Ob jedoch Kevin Smith, unter anderem Regisseur von "Clerks" und "Dogma", eine solche Person sein kann, kann zumindest im Vorfeld bezweifelt werden. So steht der Mann nicht nur für uferlosen Nonsens und Fäkalhumor, sondern stellt sich selbst auch (zumindest in seinem Filmen) als "Stoner" dar, der sich gerne Joints widmet. Doch vielleicht lassen wir uns auch vom Gegenteil überzeugen.

Vermutlich um einige unentschlossene Leser abzuschrecken, die nicht wissen, ob sie sich das Buch wirklich zumuten sollen, beginnt Kevin Smith gleich mit einigen Themen, die deutlich unter der Gürtellinie angesiedelt sind. Der "speziellen" Widmung des Buchs folgt eine Episode, in der er sich gewissermaßen für den Beitrag seines Vaters an seiner Existenz bedankt, wobei er vielleicht etwas zu sehr ins Detail geht. Dann allerdings beruhigt sich der Stil, zumindest in thematischer Ausrichtung. Seine ersten Berührungspunkte mit dem Film, der feste Vorsatz Filme zu machen und der völlig überraschende Erfolg von "Clerks" wird in den ersten Kapiteln behandelt. Die goldenen Miramax-Jahre in der gleichnamigen Produktionsschmiede halfen Smith, seine eigenen Pläne für Filme zu verwirklichen und dabei seinem Alter Ego "Silent Bob" auf die Filmleinwand zu helfen. Im krassen Gegensatz zum "Dampfplauderer" Smith sagt dieser allerdings kaum ein Wort. Was allerdings neben dem Entstehen der diversen Filme beschrieben wird ist auch der ideologische Krieg, der zwischen den unterschiedlichen Filmstudios stattfand und auch noch immer stattfindet. Miramax verstand sich als Indie-Label, das aus "Abfall" der großen Studios Gold produzierte. Diese Meinung wurde auch öffentlich kundgetan, selbst dann noch, als das Studio längst zu Disney (!) gehörte. Diese Doppelmoral und die Abkehr von den ursprünglichen Werten brachten Smith dazu, seinem einstigen Idol Harvey Weinstein den Rücken zu kehren. Neben dem Produzieren und Regieführen von anderen Filmen erzählt er auch, wie er mit seinen Freunden Jason Mewes ("Jay") und vielen anderen ein gewaltiges Podcast-Imperium aufgebaut hat, das auch "offline" sehr erfolgreich ist. Nebenbei plaudert er einige intime Details zwischen sich und seiner Frau aus, erzählt von Kampf gegen eine Fluglinie und redet/schreibt eine Menge Scheiß.

Jeder hat seine eigene Meinung und Ideologie, Kevin Smith ist da keine Ausnahme. Das was er in seinem Buch "Tough Sh*t" jedoch verbreitet, ist glücklicherweise nicht dazu gedacht, andere von seinem Weg zu überzeugen. Das Buch soll einerseits sein Leben und seine Karriere dokumentieren, zum anderen Leute davon überzeugen, das zu machen, was sie immer machen wollten. Denn sein Motto lautet: "Wenn ein fetter, fauler Kerl wie ich Filme machen und eine tolle Frau abschleppen kann, dann kannst du das auch!" Darüber hinaus gibt es interessante Einblicke in die Arbeitsprozesse von Filmstudios, Regisseuren, Produzenten. Freundschaften mit anderen Regisseuren und Schauspielern, sowie sich völlig verändernde Beziehungen, wenn man in andere Rollen schlüpft, sind ebenfalls interessant zu lesen. Auch der eher brachiale als unterschwellige Humor und die Fähigkeit von Smith, Standpunkte (selbst wenn es gar nicht die seinen sind) mit größter Vehemenz und Eloquenz zu verteidigen sowie einfach eine Menge Unsinn zu reden und zu schreiben wenn es darauf ankommt, sind erfrischend zu lesen. Als Fan ist das Buch sicherlich Gold wert, da man ohne Kevin Smith in all seinen PodCasts und Präsentationen zu folgen kaum so nahe kommen kann. Aber auch für Leute, die sich für ihn interessieren, kann das Werk interessant sein - wenn sie bereit sind, über Seiten von Formulierungen und Schlussfolgerungen hinwegzusehen, die vielleicht etwas zu explizit geraten sind, um als guter Geschmack bezeichnet zu werden.

"Tough Shi*t" ist gleichermaßen eine Ansammlung aus Anekdoten, wie auch die Geschichte von Kevin Smiths Leben. Bis jetzt eben, denn seine Maxime ist, das Hier und Jetzt zu leben und das zu machen, was einem gefällt. Das spiegelt auch das Buch in all seiner farbigen Sprache und seinen teilweise etwas zu farbigen Metaphern wider. Dennoch kann man das Buch allen Fans wärmstens ans Herz legen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    01/2013
  • Umfang:
    336 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3453268547
  • ISBN 13:
    9783453268548
  • Preis:
    16,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
    Keine Bewertung
  • Gefühl:
    Keine Bewertung
  • Erotik:

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