Mohnschnecke

von Anna Koschka
Rezension von Janett Cernohuby | 07. Januar 2014

Mohnschnecke

Naschmarkt und Mohnschnecke. Wer jetzt als erstes denkt, man bekommt auf dem Wiener Naschmarkt die besten Mohnschnecken, der hat in die falsche Richtung gedacht. Gut, wir wollen jetzt nicht bestreiten, dass dem so sein könnte. Aber darum geht es nicht. Vielmehr ist "Mohnschnecke" die Fortsetzung von Anna Koschkas buntem Roman "Naschmarkt". Wer wissen möchte, wie es mit Dotti und dem Mauerblümchenclub weitergeht, der sollte weiterlesen.

Aus und vorbei. Ohne Vorwarnung macht der erfolgreiche Schriftsteller Florian Glahnz mit der nicht minder erfolgreichen Literaturezensentin Dotti Wilcek Schluss. Oder besser gesagt, er entfreundet sie über Facebook. Dotti ist niedergeschlagen, am Boden zerstört. Doch es kommt noch schlimmer: sie kann sich nicht einmal in ihre Bücher flüchten. Denn seit sie mit Florian zusammen ist, beziehungsweise war, hat sie eine Leseblockade. Für eine angesehene Rezensentin wie sie ist das natürlich der Super-Gau.
Dottis Freundinnen können und wollen dieses Trauerspiel keine Sekunde länger mitansehen. Daher beschließen sie, Dotti einer Mauerblümchentherapie zu unterziehen. Überraschend bekommen sie dabei sogar von unbekannter Seite Unterstützung, als zwischen den Buchregalen des Pies&Pages ein seltsames Notizbuch gefunden wird. Dieses ist gefüllt mit "Rezepten für die Liebe und andere Herzensangelegenheiten". Sein Besitzer scheint es verloren zu haben - oder gar mit Absicht hier hinterlegt? Aus Dottis anfänglichem Bestreben, das Buch seinem Besitzer zurückzubringen, wird schon bald eine aufregende Schnitzeljagd. Denn als sie einer ersten Spur folgt, befindet sich an deren Ende eine kurze Nachricht, gerichtet an Dotti. Drei Hinweisen soll sie folgen, um das wiederzufinden, was sie verloren hat. Diese Hinweise führen sie über Prag zurück nach Wien. Doch wer ist diese geheimnisvolle @mohnschnecke55, die Dotti bei ihrer Suche anleitet?

"Mohnschnecke" ist eine bitter-süße Fortsetzung für alle Fans und Anhänger des Mauerblümchenclubs. Geht das überhaupt? Ist Dotti überhaupt noch ein Mauerblümchen, nun da sie mit Florian Glahnz zusammen war? Nun, zumindest ein wenig, macht Florian zu Beginn des zweiten Bandes mit Dotti Schluss. Doch nun muss diese erst einmal lernen, wieder ein Mauerblümchen zu sein. Dabei helfen ihr nicht nur ihre Freundinnen, sondern auch ein geheimnisvolles Buch, das sie im Pies&Pages findet. Eine neue Schnitzeljagd beginnt für Dotti und die Leser.
Ja, richtig gelesen. Auch im zweiten Band begibt sich Dotti mit ihren Lesern wieder auf die Verfolgung gelegter Hinweise und Spuren. Zwar verlässt sie dieses Mal die Stadt und überschreitet sogar Landesgrenzen, dennoch kommt dem Leser dies alles leicht vertraut vor. Hier mangelt es ein wenig an Ideenreichtum. So ist es fast schon kein Wunder, dass nicht nur Dotti vermutet und hofft, Florian Glahnz würde hinter allem stecken (wie bereits in "Naschmarkt"). Es gibt zahlreiche Hinweise dafür - aber auch dagegen.
Wenngleich die neue Schnitzeljagd ein wenig altbacken erscheint, liest man den Roman dennoch mit Begeisterung. Einerseits weil man die Antwort auf alle Andeutungen wissen möchte, andererseits weil einen die Handlung doch in ihren Bann zieht. Hier tritt vor allem Sun, eine junge Frau, für die so ziemlich alles "zwanzigstes Jahrhundert" ist, in den Vordergrund. Sie bringt den frischen Wind mit, der einem sonst fehlt.
Perfekt gelungen ist übrigens das Ende. Für dieses sollte man sich auf jeden Fall Taschentücher bereithalten. Es geht unter die Haut, lässt Tränen über eine Verkettung unglücklicher Umstände rollen und führt für manchen Beteiligten doch noch zu einem Happy End. Es ist ein Ende wie man, oder besser gesagt Frau, es sich wünscht.
Übrigens muss man nicht zwangsläufig "Naschmarkt" gelesen haben, um die Zusammenhänge von "Mohnschnecke" zu verstehen. Jedoch macht es vieles einfacher und verständlicher.

Zusammengefasst ist "Mohnschnecke" ein solider Fortsetzungsroman von Anna Koschkas "Naschmarkt". Zwar setzt die Autorin auf altbewährtes, was dazu führt, dass sich doch eine leichte Enttäuschung einstellt. Jedoch hat auch dieses Buch seinen Charme und man würde ein Nichtlesen bereuen. Da es obendrein noch gespickt ist mit Rezepten und Links (die nicht ins Leere führen), sollte man als eingefleischter Mauerblümchenfan nicht an ihm vorbeigehen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    12/2013
  • Umfang:
    448 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783426511381
  • Preis:
    8,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
    Keine Bewertung
  • Gefühl:
  • Erotik:
    Keine Bewertung

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