Helligkeit fällt vom Himmel

von James Tiptree Jr.
Rezension von Stefan Cernohuby | 11. April 2018

Helligkeit fällt vom Himmel

Es gibt Autoren, deren kreativer Output ganze Räume füllen kann. Mit Romanen, alle mehrere hundert Seiten dick. Andere schreiben in der Regel kürze Werke und unternehmen nur einige Ausflüge, um der Literaturgattung des Romans einen Besuch abzustatten. Alice B. Sheldon, besser bekannt als James Tiptree jr., hat in etwas mehr als 20 Jahren unzählige Kurzgeschichten verfasst, aber nur zwei Romane. Der später erschienene mit dem Titel „Helligkeit fällt vom Himmel“ ist nun als letzter Band der kompletten Werkausgabe im Septime Verlag auf Deutsch erschienen.

Ein einzigartiges interstellares Phänomen steht bevor. Die letzte Novafront eines sterbenden Sterns zieht auf einen Planeten vor. Verschiedene Menschen bereiten sich darauf vor, dass die Front in der Atmosphäre des Planeten unbekannte Effekte verursachen könnte, sowohl optischer Natur, als auch Verwerfungen der Raumzeit. Eine direkte Gefahr soll allerdings nicht bestehen. Nicht nur die planetare Verwaltung ist vor Ort, auch ein Raumschiff hat den entlegenen Planeten aufgesucht. Darunter finden sich ein Geschwisterpaar, bei dem auf eine Wunderheilung gehofft wird, ein Filmteam, das gleichzeitig eine Dokumentation und einen Porno drehen soll, ein Arzt und einige unbeabsichtigte Gäste. Doch nicht jeder ist der, der er zu sein scheint. Und auch die Ausgangssituation ist eine Besondere. Denn der Planet Damien beherbergt eine Rasse einzigartiger Wesen, die einst Opfer eines unfassbaren, durch Menschen verübten Verbrechens wurden. Auch der Tod des Sterns hat im Grunde die Menschheit zu verantworten. Als die Novafront den Planeten erreicht, beginnen die Masken zu fallen und die Natur und die Intention der Anwesenden offenbart sich. Ein Strudel aus Ereignissen beginnt sich zu drehen, und reißt alle mit, inklusive Gewalt und Wahnsinn...

Schon allein das Ausgangsszenario der Handlung ist beeindruckend. Das letzte Aufbäumen eines sterbenden Sterns, inklusive der Schaulustigen, die das Ereignis miterleben wollen, ist eine geniale Kulisse für einen Science-Fiction-Thriller. Denn es gibt nicht nur einen Bösewicht, der gewalttätige Absichten verfolgt, sondern gleich mehrere, mit völlig unterschiedlichen Zielen. Man glaubt zu Beginn, die Motivation und die Integrität verschiedener Charaktere erahnen zu können, liegt dabei aber nicht zwangsläufig richtig. Denn jeder hat eine Vergangenheit, auch wenn einige sich selbige sogar nur einbilden. Ab einem gewissen Zeitpunkt verfolgt der Roman nicht mehr ganz so klare Linien, wird phantastischer, gleitet ins Surreale ab. Aber auch das wird durch das Eintreffen des interstellaren Phänomens größtenteils nachvollziehbar erklärt. Aber schon allein, wie die etwas verworrene Handlung in die Kulisse integriert wird, rechtfertigt den Kauf des Werks. Überlegt man, dass die teils doch hedonistisch angelegte Handlung Mitte der 1980er von einer damals knapp 70jährigen Autorin verfasst wurde, ist das umso bemerkenswerter. Und für uns ist das ein zusätzlicher Anreiz, den Roman als wahrer Science-Fiction-Fan zu besitzen.

„Helligkeit fällt vom Himmel“ ist der zweite und letzte Roman von James Tiptree jr.. Das Werk ist in einem äußerst stimmungsvollen Szenario angesiedelt und hat von Action über Liebe, Leid, Verzweiflung und interstellare Verbrechen alles, was ein Science-Fiction-Thriller braucht. Zum Teil wird das Werk etwas surreal, was aber durchaus ins Gesamtkonzept passt. Kenner und Sammler können hier bei der erstmaligen Übersetzung eines Science-Fiction-Klassikers ohne Bedenken zugreifen.

Details

  • Originaltitel:
    Brightness Falls from the Air
  • Verlag:
  • Erschienen:
    02/2018
  • Umfang:
    511 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783902711472
  • Preis:
    24,90 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik: