Gefrorene Seelen

von Giles Blunt
Rezension von Janett Cernohuby | 13. September 2009

Gefrorene Seelen

Das Verschwinden von Kindern und Jugendlichen ist immer eine schlimme Sache. Wenn Ermittler dann auch noch feststellen müssen, dass mehr als ein Serienmörder dahinter stecken, wird es für sie nicht nur zu einem Wettlauf mit der Zeit. Denn von wem bekommt ein Serienmörder Hilfe? Genau einer solchen Frage muss sich Detective John Cardinal in Giles Blunt Roman "Gefrorene Seelen" stellen.

Es ist ein bitterkalter Winter in Kanada, als auf dem Polizeirevier die Meldung über den Fund eines ermordeten Mädchens eingeht. Detective John Cardinal wird mit seiner neuen Partnerin Lise Delorme zum Fundort gerufen. Dort müssen sie mit Entsetzen feststellen, dass die Leiche des Mädchens nicht nur grausig zugerichtet wurde, sondern obendrein auch noch in einem Eisblock eingefroren ist. Während die beiden Spuren suchen und den wenigen Hinweisen nachgehen, wird eine weitere Leiche gefunden. Dieses Mal handelt es sich um einen Teenager und Ausreißer. In seinem Besitz finden sie ein Tonband, welches ihnen den grausigen Tod des Jungen wiedergibt. Cardinal und Delorme erhalten erste, wenn auch wenige Hinweise auf den Täter. Dennoch tappen sie lange Zeit im Dunkel und müssen sich eingestehen, in ihren Ermittlungen nicht weiterkommen. Diese geraten zusätzlich unter Zeitdruck, als eine neue Vermisstenanzeige hinzukommt. Denn nun heißt es nicht nur den Täter der ersten beiden Opfer zu finden, sondern das dritte Opfer zu retten. Schließlich finden sie den entscheidenden Hinweis, der sie zum Täter führt.
Während dieser Ermittlungsarbeit müssen beide Detectives jedoch auch eigene Probleme lösen. Sie muss sich Cardinal nicht nur mit um seine schwer-depressive Frau sorgen, sondern auch mit einem Schatten aus der Vergangenheit fertig werden, während Delorme heimlich gegen ihren Partner ermittelt...

Giles Blunt versucht seinen Lesern einen spannenden Krimi vorzulegen, schafft dies jedoch nicht. Über weite Teile der ersten Hälfte wirkt das Buch langatmig, aufgesetzt und es fehlt ihm an jeglicher Spannung. Es werden zahlreiche Charaktere eingeführt, ohne dass der Leser diese näher kennen lernen kann. Gleiches gilt für nicht minder viele Handlungsstränge. Man wird von einem Ereignis zum nächsten geworfen, versucht einen Zusammenhang zu erkennen und kämpft sich weiter in der Handlung durch. Dies ändert sich zwar in der zweiten Hälfte des Romans, jedoch reicht dies nicht aus, um den Leser völlig mitzureißen.
Besonders die Ermittlungen in den Mordfällen ziehen sich schier in die Länge, ohne dass man als Leser irgendwelche Fortschritte oder Ergebnisse bei den beiden Detectives erkennen kann. Sicherlich gab es schon oft Romane, in denen ähnliche Situationen geschildert wurden, dennoch sticht der vorliegende doch durch seine Langatmigkeit hervor. Da nützten auch die Nebenhandlungen um die beiden Detectives nichts. Während Cardinal mit seinem Gewissen kämpft, sich um seine Frau im Krankenhaus sorgt und obendrein überlegt, wie er seiner Familie seinen Fehler eingestehen soll, ermittelt Delorme gegen ihren neuen Partner. Eine sicherlich unschöne Geste, aber dennoch verliert sie deswegen keine Sympathiepunkte beim Leser. Was wohl auch daran liegt, dass keiner von beiden überhaupt welche sammeln kann. Cardinal nicht, weil man spürt, dass er Dreck am Stecken hat und Delorme nicht, weil sie eine "Kameradensau" ist. Und in ihren Ermittlertätigkeiten bekleckern sich beide nicht mit Ruhm und der alles entscheidende Hinweis wirkt letztendlich wie ein Geistesblitz, den gute Ermittler schon viel früher hätten haben können.

Somit ist "Gefrorene Seelen" eher ein mittelmäßiger Thriller, der wohl nur eingefleischte Fans von Giles Blunt überzeugen wird. Da der Autor jedoch auch weitere, durchaus gelungene Werke geschrieben hat, sollte man lieber zu einem anderen Buch von ihm greifen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    11/2004
  • Umfang:
    428 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783426627914
  • Preis:
    8,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
    Keine Bewertung

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