Die Spionin

von Corina Bomann
Rezension von Janett Cernohuby | 25. Januar 2009

Die Spionin

Schon seit Jahrhunderten bedienen sich Staatsoberhäupter und ihre Minister besonderer Bediensteter, deren Aufgabe darin besteht, geheimes und geschütztes Wissen zu sammeln. Dies war gerade in einer Zeit wichtig, in denen Könige ihr Land nur allzu schnell durch innere wie äußere Unruhen verlieren konnten. Königin Elisabeth I. von England war eine solche Herrscherin. Protestantin, Tochter der als Ehebrecherin hingerichteten Anne Boleyn und Frau - dies alles brachte ihr viele Feind und Widersacher, die alles daran taten, Elisabeth wieder vom Thron zu stürzen. Doch sie hatte auch Verbündete, die ihre Macht festigten und England zu neuer Blüte verhalfen. Einer von ihnen war zweifelsfrei Francis Walsingham, der durch den Ausbau seines Agentennetzes nicht nur den britischen Geheimdienst begründete, sondern auch Attentate auf die Königin vereitelte. Von einem solchen (möglichen) Spion erzählt Corina Bomanns Roman "Die Spionin".

früh verliert Alyson ihre Eltern und wird zusammen mit ihren jüngeren Geschwistern zur Waise. Von nun versucht sie durch Stehlen zu überleben. Als sie eines Tages bei ihrer Runde über den Markt einen Mord beobachtet, verändert sich ihr Leben schlagartig. Ihre Beobachtungen bleiben nicht unbemerkt und so muss sie vor den Mördern fliehen. Dabei gerät sie der Polizei Sir Francis Walsinghams in die Hände. Walsingham ist beeindruckt von der Auffassungsgabe des jungen Mädchens und bietet ihr an, in seinen Diensten ein neues Leben zu beginnen. Alyson überlegt nicht lange und nimmt das Angebot an. Auf seinem Landsitz wird sie in die Künste einer Spionin eingewiesen. Sie lernt nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch Kampfsport, gesellschaftliches Auftreten am Hofe und sehr vieles mehr. Der Unterricht bereitet dem jungen Mädchen große Freude und sie kann es kaum erwarten, endlich als Spionin eingesetzt zu werden. Dies soll dann sogar schneller als erwartet geschehen. Die schottische Königin Maria Stuart stellt noch immer eine große Gefahr für Elisabeth I. dar. Zwar wurde sie gefangen genommen, dennoch schmieden ihre Anhänger Komplotte gegen die englische Königin. Alyson wird unter neuem Namen als Edelfräulein an den Hof Elisabeths I. geschickt. Hier soll sie nicht nur die Ohren offenhalten und mögliche Verschwörungen aufdecken, gleichzeitig soll sie auch das Leben der Königin schützen. Während eines Ausflugs in den Park bietet sich auch schon bald die Gelegenheit dazu, als es einige Attentäter auf Elisabeth I. abgesehen haben. Doch Alyson kann noch mehr Erfolge verbuchen. Durch ihr wachsames Auge spielt sie Walsingham einen Brief in die Hände, mit dem er endlich Maria Stuart des Hochverrats überführen kann. Alyson hat ihre Aufgabe am Hof vorerst erledigt. Daher schickt Walsingham sie nun als Dienstmagd verkleidet auf eben jenes Landgut, auf dem auch Maria Stuart gefangen gehalten wird. Hier soll sie den Haushalt der schottischen Königin ausspionieren und nimmt auch gleichzeitig an Prozess und Hinrichtung selbiger teil.

"Die Spionin" ist ein fesselnder Debütroman der deutschen Autorin Corina Bomann. Ihr ist es gelungen, ein historisches Buch zu schreiben, welches sich auf den ersten Blick in die Reihe der historischen Frauenliteratur einreihen könnte. Tatsächlich hebt sich dieser aber deutlich von ihnen ab, da es hier nicht darum geht, wie furchtbar ungerecht das weibliche Geschlecht zur damaligen Zeit behandelt wurde. Vielmehr zeigt es, dass auch Frauen durchaus Macht haben konnten und sich einflussreiche Persönlichkeiten gerne ihrer bedienten. Walsingham lässt ein junges Mädchen zu einer gefährlichen Spionin ausbilden, die es hervorragend versteht, sich zu verstellen und dadurch anderen ihre Geheimnisse zu entlocken. Alyson begreift sehr schnell, dass dies ihre einzige Chance ist, ein Leben fernab von Hunger, Diebstahl und Prostitution zu führen. Daher ist sie auch stets bemüht, alle Lektionen rasch zu erlernen und ihr Können zu beweisen.
Durch die Entscheidung, den Roman aus der Ich-Perspektive zu schreiben, wird Alyson zur zentralen Figur für den Leser. Man erhält einen tiefen Einblick in ihr Leben und ihre Entwicklung, jedoch nur einen oberflächlichen in ihre Gefühle. Viele Ereignisse nimmt die junge Frau sehr selbstverständlich hin, wo man als Leser eigentlich erwartet, wenigstens eine kleine Gefühlsregung zu sehen. Oder ist sie etwa schon so emotionslos geworden, dass sie all die Ereignisse wirklich nicht mehr berühren?
Corina Bomann schlägt einen lockeren und vor allem modernen Sprachstil an. Dies ist in historischen Romanen leider zur Gewohnheit geworden, was einem als Anhänger dieses Genre aber nie so recht gefallen wird. Die Handlung büßt dadurch an Glaubhaftigkeit und Charisma ein. Die Ereignisse werden von der Protagonistin als ein Rückblick auf ihr Leben geschildert. So kann sich der Leser zwar einerseits sehr in die zentrale Person hineinversetzten, andererseits erlebt man die Geschehnisse auch nur sehr einseitig und teilweise distanziert. Gerade die Regierungszeit Elisabeth I. ist sehr spannend und interessant, was im Buch jedoch nur ansatzweise herüberkommt. Auch mögliche Intrigen zum Sturz der englischen Königin können nur stückweise eingeflochten werden. Schließlich erfährt Alyson nur wenig durch Walsingham und andere Agenten. Dadurch können keine miteinander verwobenen Handlungsstränge entstehen. Die Geschichte bleibt also sehr geradlinig.

Trotzdem ist "Die Spionin" ein fesselnder und spannender historischer Roman. Leser die bisher noch nicht mit Elisabeth I. und England in Berührung gekommen sind, finden hier eine Auswahl der damaligen einschneidenden Ereignisse. Eine beherzte Heldin und ein spannendes Abenteuer machen das Buch auf jeden Fall lesenswert. Corina Bomann hat ihr Talent bewiesen und man kann gespannt auf ihre weiteren Werke sein.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    04/2008
  • Umfang:
    659 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783426663141
  • Preis:
    16,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gewalt:
  • Gefühl:
    Keine Bewertung
  • Erotik:
    Keine Bewertung