Die Druidin

von Birgit Jaeckel
Rezension von Janett Cernohuby | 09. August 2009

Die Druidin

Manchmal wünscht man sich, in den Herzen anderer Menschen lesen zu können. Zu wissen, was sie fühlen, ob sie wirklich das sind, was sie vorgeben zu sein, wäre so manches Mal eine wichtige Entscheidungshilfe. Die Protagonistin von Birgit Jaeckels historischem Roman kann so etwas, oder etwas Ähnliches. Denn sie kann die Seelen anderer Menschen sehen. Doch ob das wirklich ein Geschenk ist, wird man erst nach der Lektüre von "Die Druidin" erfahren.

Talias Geburt im keltischen Mitteleuropa des Jahres 120 vor Christi steht unter keinem guten Stern. Ihre Mutter stirbt bei ihrer Geburt und ihr Vater will sie der Flussgöttin opfern lassen. Durch ein Täuschungsmanöver wird das Mädchen gerettet und wächst im Schutze einer Druidenschule auf. Doch das Schicksal holt Talia ein, als die mittlerweile junge Frau eines Tages ihre seltene Gabe entdeckt: Sie vermag in den Seelen anderer Menschen zu lesen. Die Druiden sehen dies als Fluch an, der anderen nur Schaden bringen kann und versuchen die Entwicklung und Verwendung der Kräfte der jungen Frau zu verhindern. Diese flieht und ihr Weg führt sie nirgends anders hin, als zu dem Hof ihres Vaters Caran. Dort arbeitet sie als Dienstmagd, auch wenn sie immer noch abgrundtiefen Hass auf ihn verspürt. Während ihr Vater sie anscheinend nicht erkennt, verhält es sich mit seinen Gegner anders. Es dauert nicht lange und sie nutzen den Hass der Tochter für ihre eigenen Zwecke. Als bei einem Überfall Caran jedoch lebensgefährlich verletzt wird, rettet Talia ihm das Leben. Sie erkennt ihre Liebe zu ihrem Vater und schämt sich gleichzeitig für den Verrat an ihm. In ihrer Schmach sieht sie keinen anderen Ausweg, als erneut zu fliehen. Zehn Jahre lebt sie fernab ihrer Heimat, trifft auf Menschen, die eine ähnliche Gabe besitzen wie sie und die sie im Gebrauch dieser unterrichten. Doch die Druiden haben Talia nicht vergessen und so holt sie das Schicksal eines Tages ein...

120 Jahre vor Christi sieht das Bild Mitteleuropas noch deutlich anders aus. Damit ist nicht nur die Geographie gemeint, sondern auch die Menschen, die in jener Zeit leben. Diese sind noch sehr verbunden mit der Natur, glauben an Geister, Dämonen und Vorzeichen. Wichtige Entscheidungen fällen nicht etwa die Großen einer Stadt oder Könige, sondern die Druiden. Ihr Einfluss, ihr Wissen um die Götter und deren Absichten flößt den Menschen jener Zeit großen Respekt ein und so sind es diese alten Männer, welche die Geschicke eines Volkes lenken und zum Glück oder Untergang führen. In jene Zeit entführt Birgit Jaeckel ihre Leser, lässt sie eintauchen in eine längst vergangene Epoche und erweckt das keltische Mitteleuropa zu neuem Leben. Orte, Personen und das tägliche Leben werden von ihr eindrucksvoll dargestellt und der Leser hat das Gefühl, wirklich in jener Epoche zu verweilen. Das tägliche Stadtleben, die Bedeutung der Druiden ebenso wie die ständige Angst vor fremden Völkern, die nur auf Eroberungen aus sind, werden hautnah geschildert. Und mittendrin finden sich unsere Protagonistin und weitere wichtige Handlungsfiguren wieder. Doch gerade die Protagonistin kann nicht wirklich überzeugen. Positiv zu werten ist durchaus, dass Talia keine Überheldin ist oder sich zu einer solchen entwickelt. Stattdessen bleibt sie das naive Mädchen, welches scheinbar nur Feinde hat und von jedem ausgenutzt wird. Das ändert sich nicht, egal wie weit der Roman und die Handlung voranschreiten. Bis zum Schluss wirkt die Protagonistin unbeholfen und einfältig.
Das färbt sich auch ein wenig auf die Handlung ab. Diese beginnt durchaus viel versprechend und fesselnd. Doch spätestens ab der zweiten Hälfte, als Talia nach vielen Jahren zu ihrem Vater zurückkehrt, ist irgendwie die "Luft heraus". Eigentlich weiß man als Leser, dass sich nun die Ereignisse erneut wiederholen werden. Der böse Druide versucht wieder, Talias Macht für sich zu nutzen, Talia trifft erneut auf den Mann, den sie liebt und mit dem sie scheinbar nicht zusammenkommen kann. Und zu guter Letzt ist da noch die Sache mit ihrem Vater. Letzteres klärt sich recht schnell auf leichte Art und Weise - wirkt aber ein wenig aufgesetzt. Interessant wird zwar noch einmal der Konflikt zwischen den Völkern und der drohende Krieg, doch in Bezug auf die Protagonistin und ihr Schicksal vermag der Roman zum Ende hin nicht mehr viel zu bewegen.

Somit bietet "Die Druidin" von Birgit Jaeckel eher mittelmäßiges Lesevergnügen. Es handelt sich um einen durchaus guten historischen Roman, der jedoch nicht bis zum Schluss mit einer fesselnden Handlung überzeugen kann. Dennoch können Freunde historischer Romane, die gerne eine weibliche Hauptrolle sehen, hier zugreifen. Besonders dann, wenn sie der etwas vorhersehbare zweite Teil nicht stört.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    08/2009
  • Umfang:
    529 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783426637128
  • Preis:
    9,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
    Keine Bewertung