Die Blausteinkriege

Der verborgene Turm

von Tom Orgel, Stephan Orgel
Rezension von Stefan Cernohuby | 30. November 2017

Der verborgene Turm

Menschen und Götter stehen schon immer in einer seltsamen Beziehung zueinander. Weder weiß man genau, ob die Götter den Menschen erschaffen haben oder umgekehrt, noch können sich die erdgebundenen Sterblichen jemals endgültig mit ihrer vorgegebenen Rolle zufriedengeben. Auch in phantastischen Welten begehren die Protagonisten von Geschichten gegen das Schicksal und höhere Mächte auf. So auch im letzten Band der Reihe „Die Blausteinkriege“ von T. S. Orgel, welcher den Titel „Der verborgene Turm“ trägt.

Nach einer gelungenen Einführung, in der noch einmal zusammengenfasst wird was bisher geschah, findet man sich mitten im Geschehen wieder. Mehrere verschiedene Handlungsstränge ringen um Aufmerksamkeit, jeder scheint selbst zum wichtigsten Zweig werden zu wollen. Da sind Cunrat und Xari, die verschiedene Geheimnisse aufdecken und dabei immer mehr in Gefahr geraten. Da ist Danil, der nie ein besonderer Sympathieträger war, sich aber doch langsam zum Besseren wendet. Und natürlich gibt es noch Meister Messer, der hagere, vogelartige Mörder, der nur für Geld tötet und aktuell einige pflichtbewusste Untertanen des Kaisers begleitet. Obwohl alle sehr unterschiedlich sind und verschiedene Ziele verfolgen, haben sie die gleichen Feinde. Die Kolnorer mit ihren geheimnisvollen Verbündeten, den Huacoun. Denn diese haben einen Plan, der nicht nur Berun vernichten, sondern die ganze Welt in Gefahr bringen würde. Sie wollen die alten Götter wieder zum Leben erwecken…

Die Inhaltsangabe für den dritten Band der Blausteinkriege fällt aus mehreren Gründen sehr schwer. Einerseits aufgrund der verschiedenen, sich teilweise überlappenden Erzählstränge. Andererseits aufgrund der unglaublichen Dichte und Geschwindigkeit der Handlung. Alles geht so schnell, so viel passiert, dass man zum Teil nur Ausschnitte des Geschehens visualisieren kann. Vor allem als die Stadt mit Blausteinfeuer beschossen wird und die Vielzahl der Charaktere in zahlreichen Auseinandersetzungen stark dezimiert wird. Da bleibt einem keine Zeit mehr, die bereits im vorangegangenen Roman verstorbenen Protagonisten zu vermissen, denn hier geht es ans Eingemachte. Es bleibt spannend und komplex. Es gibt sogar Gefühle, den Charakteren fehlt nur die Zeit um sie auszuleben. Und es passieren Ereignisse im Verborgenen, mit anderen Charakteren, die den Protagonisten nie bekannt werden, aber dennoch entscheidend für den Ausgang des Romans sind. Andere Charaktere entwickeln Seiten, die man nicht erwartet hätte. So ist es zum Beispiel interessant, wie weit man mit drei Kupferstücken kommen kann, wenn man es darauf anlegt. Man erlebt wahren Boromir-Heldenmut und Verrat – bis zu einem ungewissen Ende. Allen, denen die ersten beiden Romanen der Blausteinkriege gefallen haben, können sich hier auf einen würdigen Abschluss freuen. Die Brüder Tom und Stephan Orgel wissen wie man eine Trilogie abschließt – obwohl es sich empfiehlt bis nach den Credits sitzenzubleiben und das Buch wirklich bis zum Schluss zu lesen.

„Der verborgene Turm“ ist der dritte und letzte Band der Reihe „Die Blausteinkriege“ von T. S. Orgel. Zu behaupten, dass hier alle Handlungsfäden zusammengeführt würden, wäre eine maßlose Untertreibung. Tatsächlich hätte Alexander der Große hier wohl mehr Probleme als mit einem simplen Gordischen Knoten. Da diese Verwicklungen und Verwindungen jedoch mit großem Geschick vorgenommen wurden und die Handlung darüber hinaus noch spannend, unterhaltsam und stellenweise sogar witzig ist, kann man das Werk allen Kennern nur empfehlen.

Details

Bewertung

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