Das Königreich der Lüfte

von Stephen Hunt
Rezension von Katarzyna Retzer | 17. August 2011

Das Königreich der Lüfte

Der Roman "Das Königreich der Lüfte" von Stephen Hunt ist das erste Buch einer neuen Trilogie, mit starkem Bezug zum Steampunk-Genre und einer Welt voller neuartiger Lebewesen sowie ungewöhnlicher Gegenstände. Kein Wunder, dass wir uns diesem Werk widmen wollten.

Der Roman handelt vom Waisenmädchen Molly Templar. Dieses hat schon immer von Höherem geträumt, möchte sich nicht ausbeuten lassen, sondern liebäugelt insgeheim mit revolutionärem Gedankengut. Doch leider lebt sie in einem Land, genannt" das Königreich von Jackal", vollkommen unter der Herrschaft einer spionierenden psi-begabten Elite. Es gibt zwar eine Monarchie, doch der König wird als Marionette und Feindbild der unzufriedenen Bevölkerung eingesetzt. Seit einem Putsch vor vielen Jahrhunderten werden dem regierenden König die Arme abgeschnitten, um dem Volk zu demonstrieren, dass sich die Monarchie nie wieder gegen sie erheben kann. Scheinbar friedlich und im Einklang lebt das Volk. Doch es gibt Randgruppen, die das System in keinster Weise gutheißen und sich im Untergrund verstecken. Dort leben sogenannte Dampfmänner, dampfbetriebene Wesen mit einer Seele und ausgeprägtem Hang zur Religiosität. Auch ein weiteres Waisenkind spielt eine essentielle Rolle. Sein Name ist Oliver und seine Eltern sind bei einem tragischen Zeppelinunfall gestorben. Die Aerostaten, wie die Zeppeline genannt werden, spielen eine wichtige Rolle im Transportwesen. Oliver ist der einzige Überlebende des Unglücks und wurde erst Jahre später gefunden, als er den sogenannten Irrsinnnebel verlassen konnte. Wer diesem Nebel ausgesetzt ist, mutiert zu einem unkontrollierbaren, stark psi-begabten Wesen. Deswegen werden die Opfer von der herrschenden Elite weggesperrt und für ihre eigenen Zwecken missbraucht. Jedoch zeigt Oliver keinerlei sichtbare Veränderungen, war jedoch seitdem unter strenger Bewachung. Um das Volk ungehindert beobachten zu können, wurde über den Wolken eine eigens dafür zuständige Stadt erbaut, die alle Bewohner mit wachsamem Blick beobachtet. Doch keiner ahnt, dass Oliver innerlich schon längst kein Mensch mehr ist, am wenigsten er selbst. Nacht für Nacht wird er von einer geheimnisvollen Stimme heimgesucht. Die Schicksale beider Jugendlicher kommen einander näher, als beide nur knapp einem Mordanschlag entkommen. Unabhängig voneinander flüchten sie aus dem überwachten Kerngebiet. Auf ihrer Reise treffen die beiden auf die unterschiedlichsten phantastischen Wesen, darunter die bereits erwähnten Dampfmänner, Magier und scheinbar gottähnliche Geschöpfe.

Der Roman ist von Anfang an in einem schnellen und packenden Tempo geschrieben und der Autor hält sich nicht mit langwierigen Beschreibungen der Personen oder der Umgebung auf. In diesem Fall gereicht das jedoch für den Leser zum Nachteil. Obwohl der Plot spannend ist, wird man durch die unzähligen Wörter, die Wesen, Orte, Religionen und Gegenstände verwirrt, die vom Autor erfunden wurden und nicht erklärt werden. Erst im Laufe der Geschichte wird die Bedeutung mancher Begriffe klarer, jedoch bleibt einiges zum Schluss gänzlich unbekannt. Und dies erschwert es, sich die Welt genauer vorzustellen. Nur der Umstand, dass die vielen Personen ausgeprägt charakterisiert werden, ermöglicht es dem Leser bis zum Ende am Ball zu bleiben und phantastische Geheimnisse aufzudecken. Der Autor konzentriert sich stark auf das Gefühlsleben der beiden Waisenkinder und lässt intensiv mit ihnen fühlen. Zuerst leben sie in einer Welt, der sie schonungslos ausgeliefert sind, doch im Zuge der Geschichte ändert sich dies radikal und die Welt ist auf sie angewiesen. Sehr gut ist ihre innere Entwicklung zu verfolgen und der Spannungsbogen bleibt bis zum Ende konstant. Eingebettet ist die Erzählung in eine rasche Abfolge von immer skurriler anmutenden Abenteuern, die nicht immer sofort für den Leser verständlich sind und erst im Laufe der Geschichte und im Kontext der Gesamtheit einen Sinn ergeben. Die Geschichte enthält zwar einerseits innovative Elemente, doch einzelne Erzählstränge kommen einem aus anderen Romanen und Filmen bekannt vor. Wer sich gerne mit neuen Welten auseinandersetzt und sich für Steampunk interessiert, wird große Freude dabei haben, sich mit dem Buch auseinanderzusetzen und auch längerfristig von diesem in den Bann gezogen. Wer jedoch kurzweilige Ablenkung sucht, könnte sehr schnell das Interesse an dem Roman verlieren, da nicht immer sofort klar ist, in welcher Umgebung die Geschichte gerade abläuft oder mit wem die Protagonisten es gerade zu tun haben. Zudem bremsen die vielen neuen Vokabeln den Lesefluss.

"Das Königreich der Lüfte" von Stephen Hunt liefert jedem, der gerne eine neue Welt kennenlernen würde, einen anspruchsvollen Roman. Eine Welt die in zwei angekündigten Nachfolgebänden gewiss noch viele Überraschungen bereithält. Besonders Fans des Steampunk-Genres kommen auf ihre Kosten, mit Flugstädten und dampfbetriebenen Robotern. Jedoch ist die eigenwillige Sprache, die der Autor benutzt, nach einiger Zeit ermüdend.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    05/2011
  • Umfang:
    784 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3453533763
  • ISBN 13:
    9783453533769
  • Preis:
    9,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
    Keine Bewertung

Könnte Ihnen auch gefallen: