Das Buch

von Heike Hohlbein, Wolfgang Hohlbein
Rezension von Stefan Cernohuby | 25. Juni 2009

Das Buch

Die Titel mancher literarischen Werke muten ein wenig wie ein Scherz an. So gut wie jedem, der häufiger liest, ist auf die Frage, was man da gerade lese, schon einmal die schnippische Antwort "Ein Buch" entschlüpft. Auf die Gegenfrage welches, konnte man problemlos "Das Buch" entgegnen. Wolfgang Hohlbein hat dieses Wortspiel tatsächlich salonfähig gemacht und sein Roman "Das Buch" ist nun als Taschenbuch im Heyne Verlag erschienen.

Die junge Leonida - oder kurz Leonie, hat mit dem Familiengeschäft nicht wirklich viel am Hut. Kein Wunder, ist das Mädchen doch eher an Musik, Freunden und Filmen interessiert, als an der uralten Buchhandlung die Großmutter und Eltern gemeinsam betreiben. Als ihre Großmutter sie für ein Praktikum in der Zentralbibliothek begeistern möchte, ahnt Leonie nicht, dass sich ihr Leben in Kürze schlagartig verändern wird. Denn ihre Großmutter ist eine Person mit besonderen Fähigkeiten. Fähigkeiten, die auch Leonie geerbt hat. Nach ihrem plötzlichen Tod muss sich Leonie mit einer anderen Welt, seltsamen Bücherwesen und einem magischen Buch auseinandersetzen, das ihr Vater in Verwahrung hat. Doch warum wollte ihre Großmutter unbedingt, dass das Familienerbe auf sie übertragen wird und nicht auf ihre Mutter?
Und wieso scheint sich die Wirklichkeit immer öfter zu verwandeln, Personen hören auf zu existieren und alles wirkt immer falscher und irrealer?
Leonie weiß nicht, wem sie noch vertrauen kann und wer nun wirklich der Bösewicht ist. Ihr Vater, der Gaukler Meister Bernhard oder gar ein geheimnisvolles Wesen, das nur "Der Archivar" genannt wird. Kann sie "Das Buch" in einer sich selbst ständig umgestaltenden Erzählung zu einem guten Ende führen?

Wenn man Wolfgang und Heike Hohlbein eines nicht absprechen kann, dann ist es Routine. Obwohl einige ihrer früheren Werke relativ ähnlich gestaltet waren, gelang es den beiden immer wieder, die Handlungen ihrer Romane so spannend zu erzählen, dass man trotzdem in ihren Bann gezogen wurde. Das ist auch im Fall von "Das Buch" so. Obwohl der Leser in den Wiederholungsschleifen zum Teil den Überblick verliert und das Buch (unbeabsichtigter Wortwitz) auch einige logische Fehler hat, ist man dennoch auf das Ende gespannt. Und obwohl einige offene Fragen tatsächlich nicht geklärt werden und sich anscheinend wichtige Zusammenhänge im Nichts verlieren, entschädigt das Finale doch für einige konzeptuelle Probleme. Die Charaktere im Buch gewinnt man schnell lieb, obwohl nicht ganz klar ist, warum einige zwischenzeitlich als wichtige Nebendarsteller aufgebaut werden, um dann gegen Ende beinahe wieder völlig unterzutauchen. Doch das mindert die Spannung nur unmerklich. Nicht nur Fans von Wolfgang Hohlbein, sondern auch Liebhaber von Fantasy - obwohl das in den meisten Fällen die gleichen Leute sein werden - können sich von diesem Roman zahlreiche unterhaltsame Stunden erwarten, schließlich ist er auch über 800 Seiten lang. Auch wenn "Das Buch" keine hohe Literatur darstellt, kann man bei einem Preis von gerade einmal 9,95 trotzdem ohne zu zögern zugreifen.

Wolfgang und Heike Hohlbeins Roman "Das Buch" präsentiert sich dem Leser in Taschenbuchform. Trotz einiger inhaltlicher Schwächen und kleinerer Logikprobleme ist das Werk definitiv als spannend einzustufen. Auch wenn man beim Lesen das eine oder andere Mal den Überblick verliert, stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Nicht nur Fans des Autorenpaares, auch Leser, die nur gelegentlich zu Fantasyromanen greifen, können hier bedenkenlos zugreifen.

Details

  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    06/2009
  • Umfang:
    860 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3453532767
  • ISBN 13:
    9783453532762
  • Preis:
    9,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
    Keine Bewertung

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