Michael Wagenthaler im Gespräch

"Für mich ist es wichtig, dass alle Schulkinder Zugang zu diesem Projekt haben."

von Janett Cernohuby | 23. Oktober 2017

Lernen soll Spaß machen. Dafür lassen sich Lehrkräfte und Schulen viele Ideen einfallen, wie man dies erreichen kann. Für Wiener Volksschulen gibt es seit einigen Jahren ein besonderes Schulprojekt, die Monsterfreunde. Sieben kleine, musikalische und liebenswerte Monster laden Schüler ein, gemeinsam zu lernen und sich spielend Wissen anzueignen. Von Jahr zu Jahr nehmen mehr Schulen an diesem Projekt teil. Wir trafen uns mit Gründer und Organisator Michael Wagenthaler zu einem kurzen Gespräch.


Michael Wagenthaler Wie bist du auf die Idee gekommen, das Projekt "Monsterfreunde" ins Leben zu rufen und was ist die Motivation dahinter?

Bevor ich Chorleiter geworden bin, war ich Kindergärtner. Damals wollte ich schon eine musikalische Welt für meine Kindergartenkinder schaffen. Schon da habe ich mit Tönen gearbeitet und sie zum Leben erwachen lassen. Es hat aber nie geklappt, weil niemand meine Idee zu Papier bringen konnte.
Dann habe ich als Chorleiter an der Volksschule Haebergasse begonnen. Das lief super, nur die coolen Burschen wollten lieber Fußballspielen als singen. Da habe ich mir gedacht, jetzt ist der richtige Moment, dass ich die Idee der Monsterfreunde noch einmal probiere. Zu dieser Zeit habe ich Marco Heimel kennengelernt, der Kinderbuchhändler ist. Ich habe ihm meine Idee vorgestellt, wie ich die Noten personifiziere. Mir schwebte immer vor, dass die Figuren ein Auge in Form eines Notenkopfes haben. Fügt man einen Strich dran, hätte man eine Note. So sind es Monster geworden. Marco Heimel setzte sich hin und zeichnete mir innerhalb von 20 Minuten die Monsterfreunde aufs Papier.
Übrigens erinnert nicht nur das eine Auge an die Musik, auch die Farben sind bewusst gewählt. Jede repräsentiert in Kinderlehrwerken eine Note und somit lernen Kinder leichter ein Instrument spielen. Wenn sie Rot sehen, wissen sie, welcher Griff das ist.
Mit diesen Monstern bin ich dann in die VS Haebergasse gegangen und habe sie für die Musik eingesetzt. Die Kinder liebten die sieben Monster von Anfang an.

Die sieben Monsterchen sind nach der Solmisation benannt. Trotzdem beschäftigen sie sich nicht nur mit Musik, sondern auch mit Rechnen, Lesen, Schreiben, Englisch, Sport, Wissen und Kreativität. Was hat dich zu dieser Vielseitigkeit veranlasst?

Eigentlich kamen die Schulkinder der VS Haebergasse auf die Idee. Sie haben die Monster überall mit hingenommen. Es wurde in Mathematik mit Monstern gerechnet, Deutschaufsätze waren überhaupt mehr nur mit Monstern möglich - sie haben die Figuren überall wo es ging in ihren Schulunterricht integriert. Allerdings brauchte es noch eine Lehrerin, die mir sagte, jetzt hätte ich schon so eine tolle Welt für die Musik geschaffen, sie hätte gerne noch etwas für den Unterricht. Da hat es bei mir Klick gemacht und die Idee entstand, dass die Monsterfreunde gemeinsam die Musik verkörpern, jedes Monster darüber hinaus ein Schulfach repräsentiert.

Erinnerst du dich an die Anfänge? Was war die größte Schwierigkeit beim Start?

Die Geschwindigkeit. Wenn man etwas liebevoll illustrieren will, und Illustrationen für eine Szene schon einmal zehn bis fünfzig Stunden brauchen, ist das ein langer Entstehungsprozess. Hinzu kommt, dass unser Illustrator Marco Heimel zwar die Monsterfreunde entworfen hat, aber ursprünglich nicht dauerhaft als Illustrator für das Projekt arbeiten wollte. Immerhin ist er Buchhändler und das Projekt betreut er in seiner Freizeit. Dann hat er aber gesehen, wie das bei den Kindern ankommt. Wie es sie motiviert, ebenfalls zu zeichnen und zu basteln. Das ist seine Motivation, warum er noch immer beim Projekt mitarbeitet.

Auch die Abenteuer unterliegen einem längeren Entwicklungsprozess und es dauert schon bis zu einem halben Jahr, eh so eine Geschichte steht. Momentan sind die Themen sehr durcheinander, was bedeutet, dass ein Schulkind der 2. Klasse das Thema Weltall behandelt, was aber nicht auf dem Lehrplan steht. Momentan entwickeln wir noch ein Abenteuer nach dem nächsten, weswegen jetzt alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam die gleichen haben. Später wird das dann der einzelnen Klassenstufe zugeordnet. Das Ziel ist, sobald wir alle 16 Abenteuer haben, in der 1. Klasse mit den Geschichten zu arbeitet, die genau in den Unterricht hineinpassen. Gleiches in der 2., 3. und 4. Klasse. Das gilt auch für die Lieder. Ein Lied der 1. Klasse ist viel einfacher, als ein Lied für die 4. Klasse.
Diese Umstellung passiert aber erst dann, wenn wirklich alle Abenteuer entwickelt sind.

Wie hat sich das Projekt seither entwickelt?

Gestartet habe ich in der VS Haebergasse, im 12. Bezirk, anschließend kam der 6. Bezirk dazu, 2016 gab es das erste Konzert in der Wiener Stadthalle mit 750 Kindern. Im Schuljahr 2016/2017 haben wir die Erweiterung um den 22. Bezirk gemacht, ein überhaupt sehr musikinteressierter Bezirk. So ging es weiter.
Im Schuljahr 2016/2017 nahmen 3200 Kinder am Monsterfreundeprojekt teil, im aktuellen Schuljahr sind es sogar schon 5000 Kinder.

Die Entscheidung, welcher Bezirk mitmacht, hängt mit der engen Partnerschaft mit dem Stadtschulrat und den Pflichtschulinspektoren (PSI), die in den Bezirken tätig sind, zusammen. Martin Kirchmeyer für die Bezirke 6 und 12 war unser erster PSI. Anschließend kamen Rudolf Reiner mit dem 22. Bezirk und nun Elisabeth Fuchs mit dem 16. und 17. Bezirk hinzu. Somit haben wir Experten an der Seite, die uns auch in eine gute Richtung leiten.

Du betreibst dieses Projekt aber nicht allein?

Nein. Wie schon gesagt, zeichnet Marco Heimel die Illustrationen für die Abenteuer und Mappen. Als ich mit dem Projekt seinerzeit in der VS Haebergasse startete, lernte ich Alfred Fogarassy kennen, der dort ein mehrjähriges Unterstützungsprogramm organisierte und leitete. Ihm habe ich die Monsterfreunde vorgestellt und er war sofort bereit, es bei seiner weiteren Entwicklung zu unterstützen.
Wir haben eine Kooperation mit der Musikschule Wien, die uns das Orchester stellt.

Das Projekt Monsterfreunde wird von sehr vielen Menschen unterstützt, die sich einbringen. Ansonsten könnte man es auf diese Art nicht umsetzen. Man kann es schon umsetzen, aber dann haben wir eine Auswahl an Kindern, die damit arbeiten können und eine Auswahl an Kindern, die damit nie in Berührung kommen würden Und das will ich nicht.

Wie setzt sich so ein Monsterfreunde-Programm für ein Schuljahr zusammen?

Das Programm besteht aus Abenteuergeschichten, Liederbüchern und vertiefenden Wissensinhalten. Mehrmals im Jahr besuchen professionelle ChorleiterInnen die Monsterfreunde-Klassen in der Schule und begleiten die Kinder beim Lernen der Lieder. Am Schuljahresende gibt es eine Abschlussveranstaltung, die in den vergangenen Jahren in Form von Konzerten in der Wiener Stadthalle stattfanden.

Der Unterricht wird aber nicht nur durch die Monsterfreunde-Mappe begleitet, sondern auch von professionellen Chorleitern. Wie sieht das aus?

Michael WagenthalerDie Lieder sind, im Vergleich zu normalen Kinderliedern, teilweise im Text, teilweise im Tonumfang bewusst schwerer gemacht. Ein Problem für die VolksschullehrerInnen ist oftmals auch die Tonhöhe. Kinder tun sich da nicht so schwer. Kinderstimmen sind, wenn man sie mal öffnet, glockenhell. Wir Erwachsenen sind somit die Limitierung. Für die Lehrkräfte ist ein hoher Ton eine Riesenherausforderung. Hier helfen die ChorleiterInnen. Sie kennen Tricks, wissen wie man mit bestimmten Bildern arbeitet, damit Kinder die Töne richtig treffen. Singen funktioniert hauptsächlich über Bilder im Kopf. Diese Tricks kennen die Lehrkräfte aber nicht, das ist nicht Teil ihrer Ausbildung. Hier helfen die ChorleiterInnen, unterstützen.

Singen und im Chor singen sind für mich zwei Paar verschiedene Schuhe. Singen bedeutet für mich, ich sitze da und singe irgendwie. Hauptsache die Freude steht im Vordergrund. Der Anspruch eines Chorleiters ist höher. Der Anspruch eines Chorleiters ist Fokus halten, eine richtige Körperhaltung haben. Ein Chorleiter bringt ganz andere Nuancen ein, als es ein Volksschullehrer in der Ausbildung lernt.
Durch das Singen im Chor lernen Kinder auch verschiedene Kompetenzen. Sie lernen aufeinander zu hören, sich zu fokussieren und auch, dass der Chorleiter in diesem Moment der Chef ist. Punkt. Auch das ist manchmal wichtig. Aushalten zu lernen, dass man nicht immer Individualist sein kann. Im Chor muss man auch mal fokussiert sein und vielen Kindern fällt das heute schon schwer.

Die ChorleiterInnen verfeinern, was schon da ist. Für die Kinder ist es obendrein natürlich besonders aufregend, wenn die ChorleiterInnen in den Unterricht kommen. Daher auch ganz bewusst der Ein-Monats-Rhythmus. Damit bleibt das Projekt präsent. Was natürlich auch hinzukommt: ChorleiterInnen sind die ersten Personen die mitbekommen wenn etwas nicht passt oder funktioniert und das dann an mich weitergeben.

Welche Botschaft geben die Monsterfreunde an Schulkinder weiter?

Das Gemeinsame kann man auf den gesamten Unterricht und darüber hinaus ausweiten. Aufeinander hören, respektvoll miteinander umgehen, aufeinander fokussieren, ein klares Ziel verfolgen. Das ist in Wirklichkeit die beste Voraussetzung für alles weitere, das man im Leben macht. Die Monsterfreunde gehen wertschätzend miteinander um. Sie stehen für Werte, die eine Gesellschaft braucht, damit sie überhaupt lebensfähig ist. Sich einsetzen, meinem Nachbarn, der sich den Fuß gebrochen hat, die Suppe bringen, achtsam sein - das wird beispielsweise im Blaulicht-Abenteuer vermittelt, das jetzt ab November in den Klassen behandelt wird.
Ich glaube das ist etwas, das man nicht oft genug leben kann. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger erklären, sondern einfach zeigen. Das vereint die Monsterfreunde. Jedes Monster ist ein eigenes Tier, jedes Monster hat eine andere Farbe, eine andere Form. Umgemünzt auf unsere Gesellschaft, sind nicht alle gleich. Sie sind bunt, sie sind farbenfroh, sie strahlen Vielfalt aus - auch das brauchen wir. Es mag jetzt sehr pathetisch klingen, aber uns alle verbindet das Menschsein. Darüber hinaus ist es schön, wenn wir uns mit unseren unterschiedlichen kulturellen Wurzeln auseinandersetzen und austauschen.

Welche Rolle und Bedeutung haben die Volksschullehrer innerhalb dieses Projekts?

Alle unsere Autoren und Autorinnen sind Lehrkräfte. Es bewerben sich viele AutorInnen bei uns, die Teil des Projekts sein wollen. Wenn sie aber keine pädagogische Ausbildung im Grundschulbereich haben, kann ich sie nicht einsetzen. Die Schwierigkeit bei den Monsterfreunden ist, dass man nicht einfach nur eine spannende Geschichte schreiben braucht, sondern diese auch mit Wissen verflechten muss. Den Kindern muss vorgelebt werden, alles was sie lernen - von den Malsätzchen angefangen bis hin zum Zeichnen eines Trapez. Das braucht man für sein Leben. Das ist die Idee dahinter. Dafür will ich nur kompetentes Fachpersonal aus dem Volksschulbereich.

Die Lehrkräfte kommen zu den Fortbildungen. Wir komponieren alle Lieder selber, die natürlich auf die Themen des Lehrplans zugeschnitten sind. Ebenso die Geschichten.
Wir machen unsere Fortbildungen gemeinsam. Eine fand erst kürzlich im Kuppelsaal der TU statt. Wir singen dort die Lieder gemeinsam, die Chorleiter erklären das Vorgehen. Diese Fortbildungen sind ein gemeinsames Fokussieren auf "Wir machen es gemeinsam". Die Monsterfreunde-Pädagoginnen und Pädagogen in den Schulklassen sind unsere wichtigsten UnterstzützerInnen - und wir sind sehr stolz, mit so vielen kompetenten und engagierten Menschen zusammen arbeiten zu dürfen!

Den Abschluss eines Schuljahres stellte in den letzten Jahren ein Monsterfreunde-Konzert in der Wiener Stadthalle dar. Wie wurde dieses Konzert von Kindern aufgenommen?

Wenn du ein Jahr lang an den Liedern arbeitest, willst du man Ende deinen Eltern stolz zeigen, was man gelernt hat. Im Juni war es dann soweit und die Kinder strahlten um die Wette! Vor allem war ich jedoch von der gesanglichen Qualität überwältigt. Die Kinder haben nicht nur mich, sondern alle Eltern, Freunde und Lehrkräfte aufs tiefste berührt. Die Kinder reden noch heute vom Konzert. Es scheint also, als hätte es auch bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir haben alle erkannt, dass das Konzert ein wichtiger Bestandteil ist.

Gibt es auch für dieses Schuljahr schon Pläne?

Wir sind wieder in Gesprächen mit der Wiener Stadthalle, die ja ein Partner des Projekts ist. Aktuell kann ich aber noch nicht sagen, wie eine Abschlussveranstaltung aussehen könnte, da noch zu viele Punkte offen sind.

Jetzt haben wir Eltern ja immer große Erwartungen und Ansprüche an Schulprojekte. Drehen wir die Sache einmal um: Gibt es etwas, dass du dir von Eltern wünschen würdest?

Dass sie die Monsterfreunde so einbauen, dass für die Kinder ein Mehrwert herauskommt. Viele Eltern machen das ja bereits, basteln mit und für ihre Kinder, singen gemeinsam die Monsterfreunde-Lieder und hören aufmerksam zu, wenn die Kinder von ihren Abenteuern mit ihren Monsterfreunden erzählen.

Michael Wagenthaler Aber auch mehr Wertschätzung. Eltern wissen oft nicht, welche Arbeit und welches Engagement wirklich hinter dem Projekt stecken. Beispielsweise die Videos, die während des Konzerts gezeigt wurden. Die wurden nicht von einem Filmstudio geschnitten, sondern die habe ich vorher wochenlang selbst zusammengestellt. Dafür musste ich aber erst lernen, wie man mit Photoshop und Videoschnittprogrammen arbeitet. Für die künstlerische Gestaltung des Konzerts hatte ich bisher kein Team, das mich unterstützt hätte. Insgesamt sind wir aber auch ein sehr kleines, engagiertes Team und kein großer Verlag. Das wissen viele Eltern nicht. Das macht aber einen großen Unterschied.
Es ist mein Herzensprojekt, daher nehme ich mir jegliche Kritik sehr zu Herzen, schließlich habe ich mein komplettes Leben darauf ausgerichtet.

Wertschätzung für die Lehrkräfte. Sie werden gerne in eine Ecke gedrängt: Du hast ja 12 Wochen Urlaub im Jahr und ähnliche Vorurteile. LehrerInnen stehen in einem gewissen gesellschaftlichen Eck.
Aber: Die Monsterfreunde funktionieren nicht, weil ich tolle Lieder komponiere, Geschichten schreibe und Figuren erfunden habe. Monsterfreunde funktionieren, weil Lehrkräfte das zu ihrem Thema machen, sich ganz dafür einsetzen, Gas geben und etwas bewegen. Das muss gesehen werden, dass die Lehrkräfte die TrägerInnen des ganzen sind. Würden sie nicht so eine tolle Arbeit leisten, würde das ganze Projekt nicht funktionieren.
Wenn man jemandem wertschätzend gegenübertritt, wird der alles machen, dass er diese Wertschätzung auch weitergibt.

Ziehen wir einmal Zwischenbilanz: Was waren die schönsten Momente, die dir während der bisherigen Arbeit an diesem Projekt wiederfahren sind?

Die Freude und Begeisterung der Kinder. Ich habe immer das Wohl und die Freude der Kinder im Auge. Das steht bei mir im Vordergrund.

Gab es auch Enttäuschungen und Rückschläge?

Die größte Schwierigkeit im Schuljahr 2016/2017 war das Konzert. Ich dachte, die Verhandlungen mit der Stadthalle kämen schneller voran und wir könnten die Aufführung in der großen Halle D machen. Das kommunizierte auch so auch an die Lehrkräfte. Aber ich war natürlich sofort in Zugzwang, denn für die Halle D gelten andere Regeln, andere Gesetze. Irgendwann ging sich die Halle D nicht mehr aus und wir mussten auf die kleinere Halle F wechseln.
Mir war es wichtig, dass jedes Kind das Erlebnis eines Konzerts haben kann. Für die ersten und zweiten Klassen sollte das Konzert ohne Eltern stattfinden. Nur für die vierten Klassen war es geplant. Diese Schulkinder wechseln auf eine neue Schule, haben zum letzten Mal mit den Monsterfreunden gearbeitet. Daher sollten sie auf besondere Art Abschied nehmen können.
Natürlich wollen aber alle Eltern ihre Kinder sehen, besonders dann, wenn sie sagen, sie treten am Ende des Schuljahres in der Stadthalle auf. Hierin lag mein wirklich großer Denkfehler. Ich habe auch alle Kritiken von Eltern verstanden.

Die Halle ist unglaublich teuer. Sie rentiert sich für Shows die um die 100 Euro kosten. Letztes Jahr haben wir 18 Euro für die Konzertkarte verlangt. Ich habe in einer Konferenz mit den Lehrkräften diesen Preis besprochen, habe gefragt was machbar, was vertretbar ist. Für mich ist es wichtig, dass ALLE Schulkinder Zugang haben. Nicht nur zum Konzert, sondern auch zum Projekt. Die Schere zwischen arm und reich klafft weit auseinander. Es gibt Eltern, die schmunzeln, weil sie so wenig zahlen müssen. Wir haben aber auch Eltern, für die es nicht so leicht ist, das Geld zur Verfügung zu stellen. Hier gibt es ein starkes Gefälle und ich will auf gar keinen Fall, dass Schulen - oder im schlimmsten Fall einzelne Kinder - ausgeschlossen sind! Wenn man ein Projekt mit einer sozialen Verantwortung macht, dann muss man schauen, wie man das finanziell für alle Beteiligten lösen kann. Damit es sich irgendwie ausgeht. Denn grundsätzlich ist mir am wichtigsten, dass Kinder im Schulunterricht mit Freude lesen und lernen. Es ist eine Riesenherausforderung, Kinder dafür zu motivieren. Deren Wissbegierde rauskitzelt, das ist mein absoluter Fokusbereich.

In diesem Jahr wird es anders laufen. Wie, dazu kann ich im Moment aber noch nichts Konkretes sagen.

Bisher gibt es dieses Projekt nur in Wien. Könntest du dir vorstellen, das auch auf andere Bundesländer auszuweiten? Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Der nächste Schritt wird sein, dass wir das Projekt schrittweise auf ganz Wien ausweiten. Das Ziel auf lange Sicht wäre 20 % der Wiener Volksschulkinder zu erreichen.
Es hat sich herausgestellt, dass dieses Projekt eine unglaubliche Eigendynamik hat. Kommen wir an eine Schule, sind zwischen drei bis zwölf Lehrkräfte interessiert, am Projekt teilzunehmen. Die anderen wollen sich das Projekt erst einmal ansehen. Mit ihrer Energie und Freude stecken die Monsterklassen aber sehr schnell weitere Klassen an. Das übertrifft meine Hoffnungen komplett.

Lieber Michael, wir bedanken uns, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Wir wünschen dir viel Erfolg für das Projekt und viel Spaß mit den aktuellen Abenteuern in diesem Schuljahr.

Michael Wagenthaler im Gespräch