Andreas Eschbach im Interview

von Stefan Cernohuby | 05. Oktober 2016

Der aus Schwaben stammende deutsche Schriftsteller Andreas Eschbach ist nicht nur Liebhabern von Science-Fiction ein Begriff. Seit Jahren stürmt er immer wieder mit verschiedensten Themen die Bestsellerlisten. Ob Miniaturisierung, Ölknappheit oder Selbstjustiz, seine Werke haben einen ganz eigenen Stil. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Perry Rhodan Stammtischs in Wien führte ihn sein Weg in die Metropole. Dabei fand Andreas Eschbach auch Zeit für ein Interview im Café Central. Zu Melange und heißer Schokolade erzählte er über seine Arbeit, Werke und Science Fiction.

Stefan Cernohuby:
Ihr aktueller Roman Teufelsgold dreht sich rund um das Thema Alchemie. Wie ist es dazu gekommen?

Andreas Eschbach:
Thema ist nicht gleich Thema. Es geht um Alchemie, aber das Thema ist eigentlich Gier. Es hat mit einer Frage meines Sohnes vor zwanzig Jahren angefangen. Er wollte wissen, ob es stimmt, dass man heutzutage Gold machen kann. Ich habe ihm damals gesagt, ja, man kann auf kernphysikalische Art ein Element in ein anderes verwandeln. Dann haben wir ein bisschen genauer recherchiert und festgestellt, dass das am besten geeignete Element Quecksilber ist. Das hat uns ein bisschen überrascht, weil das ja ganz anders aussieht. Wir haben ein wenig herumgesponnen, und dabei ist es zu der Idee mit der Rüstung aus künstlichem Gold gekommen, ebenso, dass ein Teil des Goldes zerfällt, weil es nach einer gewissen Zeit wieder zu Quecksilber wird. Das hat mich irgendwie nicht losgelassen über all die Jahre, und so ist nach und nach diese Geschichte daraus entstanden.

SC:
Der Protagonist versucht mit der Mentalität eines Alchimisten reich zu werden, indem er sagt, er veredelt sich selbst. Er gibt das überzeugend an seine eigenen Kunden weiter, schafft es aber nicht wirklich selbst umzusetzen.

AE:
Das ist das Dilemma, in dem er lebt, ja. Das was er lehrt, funktioniert bei anderen, nur bei ihm selbst nicht.

SC:
Jener Protagonist versucht seine Lehren, beziehungsweise seine Grundsätze, hauptsächlich aus alten Schriften zu gewinnen. Er liest dafür historische Aufzeichnungen über Alchemie und andere Überlieferungen. Ist das eine Parabel darauf, dass man wenn man richtig gesucht hätte, die Lehren daraus gezogen hätte, was man in der Vergangenheit schon falsch gemacht hat? Nicht Fehler, die man wiederholt.

AE:
Da muss man sich anschauen, wie Lernen tatsächlich funktioniert. Lernen aus Büchern bedeutet immer, dass man versucht, von den schlechten Erfahrungen anderer zu profitieren, und die Fehler, die schon gemacht wurden, zu vermeiden. Aber manchmal geht es auch darum, dass man selber Fehler macht. Der normale Lernprozess ist: Man versucht etwas, es klappt nicht. Man überlegt sich, warum nicht, was man beim nächsten Mal besser machen kann. Dann probiert man es nochmal, und wenn es dann klappt, kann es sein, dass man die richtigen Schlüsse gezogen hat. Der Versuch, das abzukürzen, ist, wenn man das Buch von jemandem liest, der behauptet, er weiß, wie es geht. Allerdings werden solche Bücher auch oft von Leuten geschrieben, die nicht wissen wie es geht.

SC:
Das kann man natürlich auch auf die Literatur umlegen. Es gibt viele Leute die sehr erfolgreiche Literatur darüber schreiben, wie man „verdammt gute Romane“ schreibt.

AE:
Aber selbst schreiben sie keine verdammt guten Romane, ja. So, wie es auch Leute gibt, die Bücher schreiben darüber, wie man sich das Rauchens abgewöhnt, aber selber weiter rauchen.

SC:
Unabhängig von Ihrem aktuellen Roman sind Sie generell dafür bekannt, dass Sie aktuelle Themen, Tendenzen und Entwicklungen wahrnehmen und konsequent weiterentwickeln. Das war bei „Ausgebrannt“ so, bei „Ein König für Deutschland“ mit Wahlbetrug und auch bei „Todesengel“. Sehen Sie Ihre Romane, so wie Sie sie verfassen, auch als Warnung vor weiteren Entwicklungen?

AE:
Diese Art von Romanen sind immer Warnungen. Man beschreibt das, von dem man sich wünscht, dass es nicht eintritt. Das trifft auch auf ganz viele Science-Fiction-Romane zu, dass sie technische Entwicklungen weiterdenken, in einer Weise, dass man sagt: „Das sollten wir besser nicht machen.“

SC:
Oder manchmal auch „Das hätten wir besser nicht machen sollen.“

AE:
Wenn der Roman dann ein bisschen älter ist, genau. Aber was heißt aktuell? Dass das Öl irgendwann ausgeht ist kein aktuelles Thema, das verfolgt mich schon seit meiner Kindheit.

SC:
Was mich persönlich an Ihren Romanen begeistert ist, dass sie nicht auf ein Genre festgelegt sind, beziehungsweise nur eine Zielgruppe haben. „Eine Billion Dollar“ basiert auf einer Zinseszinsrechnung über Jahrhunderte, „Der Nobelpreis“ ist ein Krimi, Sie haben mit „Todesengel“ einen Thriller verfasst und jede Menge Science-Fiction-Romane. Wollen Sie sich nicht einschränken lassen oder macht es Ihnen Spaß, verschiedene Genres auszuprobieren?

AE:
Die Genres und ich, wir verstehen uns nicht besonders. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich lauter grundsätzlich verschiedene Sachen schreibe. Ich denke schon, es gibt etwas, woran man einen Eschbach erkennt – und auch, dass etwas nicht von mir ist. Fragen Sie mal einen Buchhändler: „Ich habe jetzt alle Eschbachs gelesen, wer schreibt denn so etwas Ähnliches?“ Der wird Ihnen dann natürlich Romane empfehlen, aber Sie werden merken, dass die nicht von mir sind. Es wird keine Verwechslungsgefahr bestehen. Also gibt es doch etwas, das alle meine Romane verbindet. Und dass sich jetzt das mit den Genres nicht in Deckung bringen lässt, ist ja nicht mein Fehler – da ist einfach das Einteilungssystem falsch.

SC:
Ich hatte ein Gespräch mit Sebastian Fitzek, der sagte, er hätte schon Überlegungen angestellt, etwas anderes zu schreiben. Am Schluss komme er immer wieder zu dem zurück, was er am Besten kann.

AE:
Ich behaupte gar nicht, dass ich das mache, was ich am besten kann. Ich habe oft, wenn ich mich an einen Roman setze, das Gefühl, ich kann es eigentlich nicht. Und ich muss mich anstrengen, um dem Thema gerecht zu werden. Trotzdem ist da der Wunsch, dass es dieses Buch geben möge – und kein anderer schreibt’s. Also muss ich es selber machen – der Wunsch ist einfach stärker als diese Bedenken. Was soll man da machen? Also schreibt man es halt. Selbsthilfe.

SC:
Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, Jugendromane zu schreiben? Hat es da Interesse gegeben, seitens eines Verlags, oder ist das von Ihnen selbst entstanden und Sie haben gesagt, ich habe da ein Thema, ich würde das gerne für Jugendliche aufbereiten?

AE:
Es war tatsächlich so, dass der Verlag auf mich zugekommen ist. Das war zu einer Zeit, als klar wurde, dass eine neue Star-Wars-Trilogie ins Kino kommt. Da hat man sich überlegt, es wird eine neue Jugend geben, die mit Star Wars aufwächst; die muss man literarisch mit Science-Fiction begleiten. Man hat aber nichts gefunden und dann beschlossen, jemanden zu fragen, ob der etwas schreiben würde. Und so sind sie schließlich bei mir gelandet. Für mich war das kein Problem, weil das gewissermaßen ein Heimspiel war. Als ich angefangen habe zu schreiben, war ich selber noch ein Jugendlicher, mein Vorbild waren Jugendromane. Ich habe in der Art viel geschrieben, von daher war das eine Art Rückkehr zu den Wurzeln. Ich hätte nur nie gedacht, dass einmal ein Verlag auf mich zukommt. Bis dahin kannte ich es nur so, dass man als Autor auf Verlage zugeht und dort vor verschlossenen Türen steht. (lacht)

SC:
Im Laufe der Zeit, wenn man also von den ersten Romanen bis heute eine Tendenz erkennen will, haben Sie sich – abgesehen von den eben erwähnten Jugendreihen – eigentlich immer mehr aktuelleren Themen oder in naher Zukunft angesiedelten Themen angenähert. Hat sich das einfach so ergeben oder war das durchaus geplant?

AE:
Also ich habe keinen langfristigen Plan. Ich weiß noch nicht, welches Buch 2037 erscheinen wird (lacht). Im Gegenteil, wenn sich die Frage stellt „Welches Buch fange ich jetzt als nächstes zu schreiben an“, ist das immer ein wochen- oder monatelanger Entscheidungsprozess. Ich erwäge jeden Tag eine andere Idee, und das geht so, bis irgendwann klar ist, was ich mache. Ich kriege oft E-Mails, in denen mir jemand schreibt „Herr Eschbach, schreiben Sie doch mal wieder richtige Science-Fiction!“. Wenn ich dann zurückschreibe und frage: „Was ist denn richtige Science-Fiction“, dann bekomme ich Antworten wie „mit Raumschiffen, Strahlenkanonen, Aliens, Sie wissen schon!“. Das war richtige Science-Fiction vor 50 Jahren, aber inzwischen ist das echt ausgelutscht; da ist alles schon erzählt worden. Man repliziert eigentlich immer wieder einen Baukasten alter Themen. Da muss einem dann schon eine Geschichte einfallen, die dazu passt und die irgendetwas bringt, das neu ist. Man hat da relativ wenig Spielraum. Irgendetwas anders zu nennen oder noch eine Theorie zu basteln, wie man überlichtschnell reisen könnte oder so, sowas reißt es für mich echt nicht raus, dass ich ein Jahr meines Lebens daran verwenden möchte.

SC:
Dem entgegen steht dann eine Thematik wie in Quest, nehme ich an?

AE:
Ja, wie in Quest, wo man philosophische Fragen damit verbindet. So etwas mache ich vielleicht auch wieder. Oder um die Haarteppichknüpfer. Da gibt es noch ein paar Geschichten, an denen ich herumfeile, aber das wird noch eine Weile dauern.

SC:
Sie planen also keine Ausflüge in Richtung „Perry Rhodan“?

AE:
Perry Rhodan ist etwas anderes. Das mache ich zur Erholung, zwischendurch. Wenn ich da ab und zu einen Heftromane einschiebe, das läuft eher unter Hobby. Da gebe ja auch nicht ich die Geschichten vor, sondern man bekommt das vorgesetzt. Es muss ja in die Gesamtstory hineinpassen. Man bekommt ziemlich ausgefeilte Vorgaben und macht sich nur Gedanken, wie man es erzählt. Deshalb ist das Erholung, denn die Arbeit - die Figuren zu erfinden, die Welt zu erfinden, die große Linie zu erfinden - ist schon gemacht. Da kann ich mich einfach nur aufs Schreiben konzentrieren, das ist eine sehr angenehme Sache.

SC:
Ein ganz anderes Thema: Verfilmungen. Es gab ja eine Verfilmung von „Das Jesus Video“, die nicht unbedingt so viel Anklang gefunden hat…

AE:
Na, sagen wir mal so, es gab einen Film, der so hieß. Ob das jetzt wirklich eine Verfilmung war, das müsste man diskutieren.

SC (lacht):
Es gab ein paar Gemeinsamkeiten mit dem Roman.

AE (lacht auch):
Ja, so ungefähr 30 Sekunden.

SC:
Abgesehen von diesem, hat sich wieder mal jemand darum bemüht, die Verfilmung eines aktuelleren Romans in Angriff zu nehmen?

AE:
Es laufen praktisch ständig zu fast allen meinen Romanen irgendwelche Gespräche, Optionen, Interessensbekundungen und Anfragen. Das sind aber immer Sachen, über die darf man nicht sprechen. Das ist immer damit verbunden, dass man Stillschweigen bewahrt. Man kann nur darauf hoffen, dass etwas Gescheites draus wird. Oder überhaupt etwas draus wird. Bis jetzt ist das meiste im Sande verlaufen. Und ich muss sagen, so, wie ich die Arbeitsweise in der Filmbranche mitkriege, wundere ich mich, dass überhaupt Filme entstehen. Da wird schrecklich viel geredet und dann passiert nichts.

SC:
Sie haben in früheren Gesprächen oft betont, dass das Internet etwas Wichtiges ist, thematisch aber schon ziemlich erledigt. Aber gerade jetzt mit neuen Entwicklungen wie Smartphones, Social Media und einer immer breiter werdenden Anbindung von Leuten an das Medium – ist das nicht etwas, was langfristig doch wieder interessant werden könnte?

AE:
Man muss zwei Sachen unterscheiden. Auf der einen Seite, wenn eine neue Technologie auftaucht, dann ist die an sich interessant. Da gab es eine Zeit, in der man irgendwelche Krimis schreiben konnte, in denen das Internet eine Rolle spielt und „das Neue“ daran dargestellt wird. Das läuft sich natürlich im Laufe der Zeit tot, weil heute jeder weiß, wie er mit dem Internet umzugehen hat. Einige der aktivsten Internetuser, die ich kenne, sind zwischen 60 und 70 Jahre alt. Es ist also wirklich in der Bevölkerung angekommen. Die Frage, die man heute stellen muss, ist, was es mit uns macht! Es gibt keine Technologie, die nicht auf uns als Menschen zurückwirkt. Selbst so etwas Simples wie eine Heizung in der Wohnung bewirkt, dass unsere Körper an Widerstandskraft gegen Temperaturunterschiede verlieren. Und die ständige Erreichbarkeit heutzutage, die ständige Kommunikation, die macht natürlich auch etwas mit uns. Das hat langfristige Folgen, über die man noch nachdenken kann. Und da sind noch Themen für viele Romane, nicht nur von mir, sondern auch von anderen Autoren. Da sind wir dann nämlich wirklich im Bereich der Science-Fiction. Streng genommen heißt das eine Fiktion, die auf der Science basiert. Das heißt irgendein wissenschaftlich-technischer Zusammenhang, um den dann eine Geschichte aufgebaut wird, die den Gedanken weiterspinnt, die Konsequenzen aufzeigt.

SC:
Es gibt einige Science-Fiction-Autoren, die ihre Werke als Science-Fiction „verkaufen“, aber tatsächlich Themen behandeln, die es bereits gibt, aber die noch nicht jedermann bekannt sind. William Gibson ist ein typischer Autor, der noch heute über Sachen schreibt, die es gibt, aber noch nicht so ins Bewusstsein der Leute eingesickert.

AE:
Ja, aber er macht sie bewusster, indem er sie weiterspinnt, indem er die Geschichte drum herum spinnt. Wenn man sich seinen allerersten Roman „Neuromancer“ ansieht: die Technologie gab es zwar nicht so, wie er sie beschrieben hat, aber sie war in Ansätzen vorhanden. Er hat Begriffe geprägt wie Cyberspace. Dadurch, dass er eine Geschichte geschrieben hat, hat er es für uns begreifbarer gemacht, was sich da entwickelt. Und das ist, was daran doch Science-Fiction ist, auch wenn es technologisch bereits bekannt ist. Jules Verne hat das U-Boot auch nicht erfunden. Das gab es zu seiner Zeit schon. Es war nicht sehr bekannt, aber er hat das einfach weitergedacht. Wenn das U-Boot größer wäre, wenn es tiefer tauchen könnte, wenn es längere Zeit unter Wasser bleiben könnte – und so hat er, ohne es zu wissen, das Atom-U-Boot vorhergesehen. Aber die Technologie selbst, die war schon da. Er hat sehr eingehend recherchiert, sämtliche wissenschaftliche Zeitschriften und Zeitungen seiner Zeit ausgewertet, riesige Sammlungen angelegt und dieses Genre damit erst so richtig begründet. Er hat es nicht erfunden, aber zu einer literarischen Gattung ausgebaut. Da hat sich jetzt nicht viel geändert. Und wenn Bruce Sterling sagt, wenn man die Gegenwart richtig beschreibt, hat man bereits einen Science-Fiction-Roman, ist das richtig. Aber er beschreibt sie nicht einfach, er macht eine Geschichte daraus. Das ist es, worauf es ankommt.

SC:
Wo Sie gerade vom Recherchieren gesprochen haben. Um jetzt einen Roman wie „Teufelsgold“ zu verfassen, in dem es historische und wissenschaftliche Quellen gibt wie viel Recherche investieren Sie in so einen Roman?

AE:
Immer so viel wie nötig und so wenig wie möglich (lacht).
Man muss da eine gewisse Ökonomie walten lassen. Man muss imstande sein, Forschungsergebnisse wegzulassen, das ist nicht immer einfach. Hier waren natürlich viele alchimistische Werke aufzustöbern, nach Begriffen zu durchforsten, die man verwenden kann, Sätze, Texte. Dann die kernphysikalischen Grundlagen, die am Anfang eine Rolle spielen. Da habe ich einfach einen Wissenschaftler gefragt, der damals eine Website über Kernphysik betrieben hat – ganz konkret, wie das geht. Alles in allem war es bei diesem Buch nicht so schwierig mit der Recherche.

SC:
Aktuell sieht es so aus als würden gewisse technische Errungenschaften kaum mehr von staatlichen Entwicklungsgesellschaften weitergetrieben, sondern eher von Einzelpersonen. Wenn beispielsweise ein Elon Musk, der das Elektroauto mehr oder weniger revolutioniert hat, jetzt auch mit seinem Unternehmen Space X plant, eine Marskolonie zu errichten. Wie sehen Sie das als Autor, der das Thema schon einmal aufgegriffen hat.

AE:
Also, zum einen – so neu ist das nicht. Die ganzen Naturwissenschaften beruhen auf Einzelpersonen, die zu viel Zeit hatten. Englische Adelige, die sich die Zeit vertrieben haben, Mönche, die viel Zeit hatten. Dass staatliche Institutionen die Forschung wesentlich voranbringen ist eigentlich eher die Ausnahme. Das hat natürlich damit zu tun, wie staatliche Institutionen funktionieren: Budgets, Verwaltung, das ist allgemein keine so kreativitätsfördernde Atmosphäre. Unser Bild ist da geprägt von der Zeit der Mondmissionen, als die amerikanische Weltraumbehörde, in Zusammenarbeit mit vielen Firmen, die nötige Technologie entwickelt hat – im Rahmen der damaligen Möglichkeiten. Wenn man sich das heutzutage ansieht, diese Mondraumschiffe, das ist ja herzallerliebst! Jeder Taschenrechner hat heute mehr Computerpower als das, was die mit zum Mond genommen haben.
Es gab auch schon immer Mäzene, also Leute, die viel Geld hatten und irgendwas unternommen haben. Henry Ford hat den Autobau im Alleingang revolutioniert. Gottlieb Daimler hat den Motor auch quasi im Alleingang erfunden. Es werden viele Dinge von Einzelnen vorangetrieben und es hängt auch viel an Einzelpersonen – im Guten, wie im Schlechten.
Zu Elon Musk, was er vorhat: Das muss man sehen. Momentan sehe ich nicht, dass das Elektroauto das Benzinauto ablöst. Sei es, dass es nicht genügend Material gibt für die nötigen Batterien, um den Fuhrpark der ganzen Welt zu ersetzen, sei es die Reichweite.
Ob er zum Mars gehen wird. Ich würde es mir wünschen, dass er das in Angriff nimmt; da wär mal wieder was los. Ich glaube nur, man unternimmt nichts, was sich nicht auf einer gewissen Ebene wieder „auszahlt“. Warum haben wir keine Städte am Südpol? Oder im Himalaya auf den 6000ern? Oder in den Wüsten? Es gibt viele unwirtliche Plätze auf der Welt, die weitaus erreichbarer sind und eine weniger unfreundliche Umwelt wären als der Mars – wo wir aber trotzdem nicht wohnen wollen. Und das hat immer praktische Gründe. Da gibt es dann nichts zu holen, es ist zu teuer, zu schwierig. Es muss sich unter dem Strich etwas Nützliches daraus ergeben, sonst tut man‘s nicht.

SC:
Noch einmal zurück zu Teufelsgold. Der Roman ist ja auch teilweise in Wien angesiedelt. Hatten Sie schon vorher Kenntnisse über Wien, die Sie unbedingt einbauen wollten? Oder hat sich das eher aus den Nachforschungen ergeben?

AE:
Hier war das reine Schicksal am Walten. Als ich den Roman angefangen habe, wusste ich bloß, der Deutsche Orden spielt eine Rolle. Dass es den noch gibt und dass der in Wien sitzt, das wusste ich damals noch nicht. Für mich war er nur eine historische Erscheinung. Die größte Militärmacht vor 500 Jahren, da erwartet man nicht, dass die heute ein Gebäude in der Nähe des Stephansdoms haben und da ganz friedlich vor sich hinleben. Als ich das entdeckt habe, habe ich mir gedacht: Faszinierend! Und dann musste ich natürlich auch Wien in den Roman einbauen. Dabei hatte ich aber noch keine Ahnung, dass ich kurz nach dem Erscheinen des Romans dann in Wien sein würde. Ich bin ja jetzt nicht nach Wien gekommen, um das erste Mal aus Teufelsgold zu lesen und es zu präsentieren. Das hat sich ergeben, weil ich zu einem Perry Rhodan Event eingeladen wurde. Schicksalhaft.

SC:
Können oder dürfen Sie schon verraten, was das nächste Buch werden wird?

AE:
Also – normalerweise verrate ich nichts, aber in diesem Fall muss ich es, weil ich alle drei Tage eine Zuschrift bekomme von jemandem, der meinen Jugendroman „Aquamarin“ gelesen hat und mich fragt, ob es da eine Fortsetzung geben wird. Deswegen verrate ich es heute: Ja, es wird eine Fortsetzung geben, an der schreibe ich gerade. Die kommt nächstes Jahr, voraussichtlich im Sommer, auf den Markt.

SC:
Dann danke ich Ihnen für das Interview.

AE:
Gern geschehen.



Fotos von Michael Seirer Photography
Andreas Eschbach im Interview