Thor

Thor: Ragnaröck

von Michael Avon Oeming
Rezension von Stefan Cernohuby | 13. November 2017

Thor: Ragnaröck

An der nordischen Mythologie ist im Vergleich mit anderen Götterfamilien eine Besonderheit erwähnenswert. Denn die Asen und Vanen haben wie die Welten, in denen sie sich bewegen, ein Ablaufdatum. Obwohl im Christentum mit der Apokalypse ein ähnlich unerfreulicher Abgang bevorsteht, gibt es mit „Ragnarök“ einen doch weit gewalttätigeren Abgesang. Auch im Marvel-Universum hat man sich diesem Thema angenommen. Und da gerade ein Kinofilm mit dem gleichen Namen erschienen ist, ist es nur naheliegend dass die gleichnamige Geschichte aus dem Jahr 1998 wieder veröffentlicht wird.

Schon seit Ewigkeiten hat Thor Meinungsverschiedenheiten mit seinem adoptierten Bruder Loki. Doch nun ist diesem ein genialer Schachzug gelungen. Er hat einen gewaltigen Brocken des Materials in seinen Besitz gebracht, aus dem Thors Uru-Hammer Mjölnir geschmiedet wurde. Der Feuerdämon Sutur fertigt daraus Waffen des Bösen, die Loki an seine Schergen ausgibt. Somit steht Thor Gegnern gegenüber, die genauso gut bewaffnet sind wie er. Und während der Konfrontation passiert das Unfassbare. Sein mächtiger Hammer wird zerstört. Nur seine Freunde der Avengers und sein Bruder im Geiste Beta Ray Bill aus den Tiefen des Alls können ihm zur Seite stehen. Doch die Situation ist schlimmer als erwartet, denn Loki hat die Grenzen dessen überschritten, was in der Vorsehung geweissagt wurde. Und so muss Thor viel Opfern, um die Weisheit zu erhalten und um zu wissen was zu tun ist. Mehr als sein Vater Odin einst dafür geopfert hat.

Das Ende aller Tage wird irgendwann kommen. Nicht nur für die Götter der nordischen Mythologie, auch für die Erde und ihre Bewohner. Doch nur in der überlieferten Literatur geht alles seinen gewohnten Gang. So ist es nicht verwunderlich, dass selbst in einer Comic-Variante der Götterdämmerung nicht alles seinen gewohnten Weg gehen will. Jeder möchte – zumindest Anfangs – ein anderes Ende für sich selbst und seine Lieben erreichen. Auch Loki findet es nicht erstrebenswert, selbst Untergehen zu müssen.
Die Geschichte von Michael Avon Oeming ist bis zum Mittelteil der Handlung sehr gelungen, danach wird alles ein wenig seltsam. Dazu tragen auch die Illustrationen der Zeichner bei, bei denen Thor gegen Ende der Handlung eher wie He-Man wirkt, als der Gott des Donners. Trotzdem ist die Geschichte nach beinahe 20 Jahren schon fast ein Klassiker, den man sich auch zu Gemüte führen kann, wenn man die Veränderungen sehen will, welche Comicgeschichten in diesem Zeitraum durchgemacht haben.

„Thor: Ragnarök“ ist eine fast 20 Jahre alte Geschichte von Michel Avon Oeming, die im typischen Stil der späten 1990er Jahre geschrieben und gezeichnet ist. Das ist ein ziemlicher Gegenpol zur beinahe gleichnamigen Kinofilm, der schon mehr dem Stil aktueller Comics entspricht. Trotzdem ist die Geschichte spannend und die alternative Herangehensweise ans Thema Ragnarök lesenswert.

Details

Bewertung

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