Food Porn

von Raik Holst, Torsten Schmidt, Jan Kornstedt (Fotograf*in)
Rezension von Michael Seirer & Janett Cernohuby | 01. September 2017

Food Porn

Es gibt nur wenige Bereiche, die so stark Trends unterliegen, wie das Thema Essen. Vegetarisch, Vegan, Low Carb, Superfood und Smoothies sind nur wenige Begriffe, die uns in Sozialen Netzwerken und Foodblogs immer wieder begegnen. Ein weiterer Trend rund ums Thema Essen sind Fotos über die Speisen in sozialen Netzwerken. Unter den Hashtags #Foodporn oder #Food kann man sich regelrecht satt sehen. Im Hölker Verlag holte man dieses Thema aus der digitalen Welt, transponierte es in die analoge und veröffentlichte bereits 2016 das Buch "Food Porn".

Rezeptsammlung trifft Food Porn

Schon lange ist ein Kochbuch nicht mehr "nur" eine Sammlung von Rezepten mit unterstützenden Begleitfotos. Mittlerweile sind die Ansprüche der Leser gestiegen und Hobbyköche möchten mehr sehen. Foodstyling wird immer gefragter.
Die Frage bei diesem Buch ist jedoch, schaut man sich nun die Bilder an oder die Rezepte? Mit dieser Frage wird jeder Betrachter des Buchs sofort konfrontiert und vermutlich werden die meisten sich zunächst auf die Bilder einlassen. Diese sind - eher unüblich für Foodfotografie - oft sehr dunkel gehalten und spotartig beleuchtet. Der Fokus liegt klar auf den verarbeiteten Zutaten und so sind auf den Bildern nie Accessoires oder Gedeck zu finden.
Man könnte fast sagen, die Fotos werden begleitet von dazu passenden Rezepten. Gegliedert in drei große Themenbereiche bekommt man hier nicht Vorspeise, Hauptgericht und Dessert serviert, sondern Vorspiel, Höhepunkt und Danach - wobei das Vorspiel, wie es sich für ein gutes ebensolches gehört, fast so lange dauert wie der Höhepunkt.

Bunte Vielfalt auf den Tellern

Es finden sich ausgefallene und aufwändige Speisen, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Nicht nur allein aufgrund der Fotos, sondern auch aufgrund der Zutaten. Hier begegnet uns ein sehr breites Spektrum, das von Alltäglichem bis Extravagantem reicht. Von Möhren, Erdbeeren, Lachs über Zucchiniblüten, Couscous, Perlhuhn bis hin zu Krake, Krause Glucke und Drachenkopf ist alles vertreten. Dementsprechend unterschiedlich und vielseitig sind dann auch die Rezepte. Uns begegnen Königsberger Klopse neben Krake mit Pimentos de Padrón; fruchtiger Crumble neben Austern mit Grapefuitgranita.

Welche Zielgruppe spricht das Buch also an? Die typische Familienküche definitiv nicht, denn die wenigsten Rezepte sind alltagstauglich. Hobbyköche schon eher, zumal einige Zutaten nicht so leicht zu erhalten sind. Auch die Zubereitung selbst ist nicht immer einfach, sondern erfordert mitunter größeren Aufwand sowie längere Vorbereitungs- und Kochzeiten. Hier wäre es hilfreich gewesen, wenn zu Beginn der Rezepte ein Hinweis auf deren Zubereitungszeit erfolgte. Was auch in diesem Kochbuch wieder fehlt, sind nähere Angaben zu Garzeiten im Backofen. Selbstverständlich gibt es Angaben zu Temperatur und Zeit, aber nicht auf welcher Garstufe dies erfolgen soll. Ober-/Unterhitze, Umluft, Grill - hier muss der Koch seine eigenen Erfahrungen sammeln und einbringen. Fortgeschrittene und erfahrene Hobbyköche werden vermutlich darüber hinweglesen, da sie intuitiv kochen. Sie werden auch eher die Zielgruppe sein, die dieses Buch erreichen möchte. Ebenso natürlich alle Liebhaber der Foodporn-Szene.

Durch die makroartigen Aufnahmen wirken einige Fotos sehr abstrakt und erst beim zweiten Hinsehen werden Lebensmittel erkennbar. Auch die Anordnung ist interessant: Die Speisen werden nicht als Gesamtheit angerichtet sondern bewusst komponiert und es entsteht oft der Eindruck eines abstrakten Musters oder zum Beispiel von Unterwasserwelten. Servieren würde man die Speisen so wohl nicht - für Foodfotografie ist die Anordnung jedoch ein interessanter und gelungener Ansatz.

Wer also nach einem außergewöhnlichen, besonderen Kochbuch sucht, bei dem es nicht nur um die Zubereitung der Speisen geht, sondern auch deren Präsentation, der sollte einen Blick in “Foodporn” werfen. Hier werden anspruchsvolle Gerichte mit exotischen Fotos kombiniert und für Hobbyköche, Fotoliebhaber und Foodpornisten in einem Buch vereint. So lässt man sich gerne verführen.

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