Deadpool MAX

Staatsfeind Nummer 1

von David Lapham
Rezension von Stefan Cernohuby | 28. Dezember 2017

Staatsfeind Nummer 1

Gut bleibt Gut, Böse bleibt Böse und ein unbedeutendes Würstchen entwickelt sich nicht zum Anführer einer großen Unterweltgang. Sollte man meinen. Aber bei Deadpool ist immer alles anders. Und so ist es im dritten Band der Reihe „Deadpool MAX“ soweit. (Hydra-)Bob ist jetzt nicht nur ein Ex-Gangsterboss, er ist tatsächlich „Staatsfeind Nummer 1“ – und so lautet auch der Titel des Bandes.

Hydra-Bob war eigentlich immer ein Verlierer. Bis zu Deadpool. Dann kam sein Aufstieg zum Anführer von Hydra. Leider folgt auf einen derartigen hohen Aufstieg auch sehr oft ein tiefer Fall. Nun wurde ihm wurde ihm die Ermordung von 200.000 Menschen in die Schuhe geschoben und er selbst gewissermaßen zum Antichrist hochstilisiert – sogar von der Kirche, die nun Geld sammelt, um einen Profikiller auf ihn loszulassen. Deadpool hilft Bob natürlich auf seine Weise, die nicht immer sehr produktiv ist. Aber auch andere Charaktere spielen eine wichtige Rolle. Da ist Cable, der nun mit der Ex-Freundin von Bob zusammen ist. Da ist Cowboy, die eigentlich mit Deadpool verheiratet ist und Blind Al, welche die CIA leitet und alle Figuren wie auf einem Schachbrett hin- und herschiebt. Und da ist Weasel, der sich als Zuhälter eine mächtige Organisation aufgebaut hat. Wo entwickelt sich diese Handlung hin?
Und es gibt eine kleine Zusatzgeschichte, die eine seltsame Weihnachtserzählung enthält – auf Deadpool-Art eben.

Man kann Deadpool auf verschiedene Arten interpretieren. Die meisten davon sind haarsträubend, aber trotzdem witzig. In diesem Fall wurde versucht, eine nicht jugendfreie, erotisierte Variante eines immer noch brutalen Deadpool in einer etwas alternativen Welt zu interpretieren. Dazu mit Illustrationen, die absichtlich anachronistisch und krude sind, um die verworrene, relativ kranke und nicht wirklich erotische Geschichte abzurunden. Das gelingt zumindest insofern, dass man das Werk diesmal tatsächlich erst ab 18 Jahren empfohlen wird. Allerdings kann man hier nicht wirklich von einer Empfehlung sprechen und das von Seiten eines großen Deadpool-Fans. Denn das Konstrukt funktioniert nicht. Die Witze laufen nicht wie sie sollten und die ernsten Situationen sind unfreiwillig komisch. Hier sollten wirklich nur Leser zugreifen, die alle Bände des Söldners mit der großen Schnauze sammeln – denn nicht nur dass er zu einer Randfigur degradiert wird, die Geschichte ist nicht toll und man beweist hier, dass man schlechten Geschmack in Noir-Form wirklich zum Exzess treiben kann.

„Staatsfeind Nummer 1“ ist der dritte und letzte Band der Reihe „Deadpool MAX“. Und dieser wartet nicht nur mit der üblichen Gewalt und den schlechten Sprüchen auf, sondern darüber hinaus mit expliziten sexuellen Anspielungen und Darstellungen, absichtlich kruden Illustrationen und keinem wirklich guten Geschmack. Aus diesen Gründen kann man diesen Band auch als großer Deadpool-Fan nicht wirklich empfehlen.

Details

Bewertung

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  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
  • Illustration: