Die Kinder des Prometheus

Die Kinder des Prometheus: Das Familientreffen

von Henscher, Emmanuel Herzet, Rafa Sandoval (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 14. Juni 2016

Die Kinder des Prometheus: Das Familientreffen

Ein Thema, das in der Literatur immer wieder behandelt wurde, ist die Frage, wie Götter mit ihrer eigenen Ausbootung umgehen würden. Denn es gibt unzählige ehemals mächtige mythologische Gestalten, an die heute niemand mehr glaubt. Eine neue Reihe namens „Die Kinder des Prometheus“ hat genau dieses Thema. Ihren ersten Band „Familientreffen“ habe wir uns näher angesehen.

Einst lebten die Götter, angebetet von allen Menschen, in den ihnen angestammten Refugien. Unantastbar, unbesiegbar, unsterblich – doch das ist lang vorbei. Sie leben mittlerweile unter Menschen und sind trotz ihrer relativen Unsterblichkeit und ihren Fähigkeiten menschlichen Einschränkungen unterworfen. Als Poseidon den Fehler begeht, sich in seinem geliebten Meer zu zeigen, wird er von Tauchern aufgestöbert und letztlich zu einem Feind getrieben. Thymos – laut griechischer Philosophie die Verkörperung der Lebenskraft –, der ihn schon lange gesucht hat, nutzt die Chance und tötet ihn.
Dies führt zu einer Zusammenkunft der meisten Götter des griechischen Pantheons. Hermes sucht Dionysos auf und überzeugt ihn davon, an einem Treffen teilzunehmen, zu dem Zeus geladen hat. Man vereinbart zu einem Gegenschlag auszuholen und sich dabei alter Helden zu bedienen. Allerdings in Abwesenheit von Hades und Hephaistos, denn diese haben andere Pläne. Der eine hat in den Ruinen von Tschernobyl immer noch die Rolle des Totengottes inne, der andere tut das, was er am besten kann: Waffen bauen.
Doch für wen er das tut ist eine ganz andere Frage.

Der Ansatz der Autoren von „Die Kinders des Prometheus“ bietet genügend Ansätze für weiterführende Fragen. Warum nur die Olympier? Wer ist dieser Thymos, der eigentlich nur als Konzept bekannt ist und worum kann er die anderen mit Leichtigkeit töten? Das sind Fragen, die im ersten Band nicht beantwortet werden. Dennoch zieht die Geschichte von Henscher und Emmanuel Herzet in den Bann. Man fragt sich unwillkürlich, wer wohl das nächste Opfer im Krieg der Götter sein wird und warum Thymos und die anderen derartig verfeindet sind. Illustriert wurde die Graphic Novel von Rafa Sandoval, der seinen Pinsel gekonnt schwingt. Zwar sind seine Illustrationen nicht ganz so detailliert, wie man es von anderen Comics aus dem frankobelgischen Raum kennt, jedoch stimmungsvoll genug, um trotzdem zu überzeugen. Man darf also gespannt auf die Fortsetzung sein, die bestimmt weiteren Einblick in die Familienprobleme und Kämpfe von olympischen Göttern bieten wird, die nun an die Einschränkungen Sterblicher gebunden sind.

„Die Kinder des Prometheus“ ist eine neue Reihe von Henscher und Emmanuel Herzet, illustriert von Rafa Sandoval. Die frankobelgische Graphic Novel beginnt mit düsterer Stimmung und dem Untergang geweihten Göttern, die gegeneinander kämpfen. Man darf sich mit Recht fragen, ob der Folgeband in diesem Sinne fortgeführt wird oder ob vielleicht einer der Beteiligten doch versucht wieder Licht ins Dunkel zu bringen – möglicherweise sogar der Namensgeber der Reihe.

Details

Bewertung

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