Frankenstein Underground

von Mike Mignola, Ben Stenbeck (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 14. April 2016

Frankenstein Underground

Manchen Personen spielt das Leben übel mit. Einige von ihnen sind nur fiktive Gestalten und waren nicht einmal als Person erdacht. Insofern ist es doppelt nachvollziehbar, dass ihnen keiner Rechte zugestehen möchte, die sie niemals erhalten hätten sollen. „Frankenstein Underground“ ist ein Comic, das als „Hellboy“-Auskoppelung entstanden ist, aber dennoch mit Recht seine Existenz verteidigt – so wie auch der titelgebende Protagonist, der ebenfalls von Mike Mignola ins Abenteuer geschickt wird.

Schwer verwundet schleppt sich Frankensteins Monster – hier immer als Frankenstein bezeichnet – in einen alten Tempel in Mexico, nur um dort von einer Art Hexe geheilt zu werden, die ihn als Mensch wahrnimmt und nicht als Monster. Er rekapituliert seine Erlebnisse und kommt zu dem Schluss, dass ihn etwas an jenen Ort geführt haben muss. Als er daraufhin weiter gejagt wird und die alte Frau stirbt, zerbricht etwas in ihm. Er zerstört das uralte Heiligtum und landet in einem unterirdischen Reich voller gefährlicher Kreaturen und seltsamer Menschen. William, ein dort lebender Amerikaner scheint sich zum Herrscher über die Einheimischen aufgeschwungen zu haben. Doch Frankenstein stellt fest, dass der Preis dafür zu hoch für alle Beteiligten war – denn die Grenzen zwischen Leben und Tod haben sich verschoben. Und er muss sich einem weit älteren Übel stellen, als nur korrumpierten Menschen – einem Übel von jenseits der Sterne.

Frankensteins Monster wird oft als dummes Wesen dargestellt. Geschaffen durch einen brillanten aber verrückten Wissenschaftler, wird es sehr oft von verschiedenen Menschen als Kämpfer oder Zirkusattraktion missbraucht, ohne jemals zu hinterfragen, ob vielleicht mehr hinter dem grotesken Äußeren steckt als nur ein missglücktes Experiment. Dabei ist er durchaus intelligenter als viele seiner Widersacher und hat auch Mächte auf seiner Seite, die ihn unterstützen und ein Schicksal zugestehen wollen, das sein aktuelles durch etwas Positives ersetzen wollen. Der Weg ist jedoch sehr weit.
Mike Mignola hat eine Geschichte aus einer Begegnung mit seinem üblichen Protagonisten Hellboy abgeleitet und gesteht einem ungeliebten Nebencharakter nun die Möglichkeit zu, sich zu entwickeln und zu entfalten. Die Illustrationen von Ben Stenbeck, die diesen Prozess begleiten, sind eckig und teilweise unförmig. Doch sie fangen ein, was von Bedeutung ist. Nämlich den Weg einer Kreatur, bei der nicht zählt wie sie aussieht, sondern wie sie handelt. Und bezogen darauf ist Frankenstein weit edler und menschlicher als viele der Charaktere, die sich selbst Menschen nennen. Auch wenn das Buch optisch kein wirklicher Leckerbissen ist, kann man das Werk dank seiner Geschichte und dem etwas cthuloid anmutenden Hintergrund dennoch empfehlen.

„Frankenstein Underground“ ist ein in Hellboys Welt angesiedeltes Werk von Mike Mignola, der durch den Illustrator Ben Stenbeck unterstützt wird. Frankensteins Monster, hier meist selbst als Frankenstein bezeichnet, bekommt erstmals die Gelegenheit sich selbst zu entwickeln und mit jenen Dämonen auseinanderzusetzen, die in ihm wohnen – mit anderen bekommt er es ohnehin regelmäßig zu tun. Ein Werk, das man trotz eher mittelmäßiger Illustrationen jedem Fan etwas düsterer Comics ans Herz legen kann.

Details

Bewertung

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