ExtraOrdinär

von V. E. Schwab
Rezension von Eleanor Bardilac | 19. November 2022

ExtraOrdinär

Bereits in ihrer Villains-Romanreihe zeigte V.E. Schwab fantastischen Weltenbau rund um moralisch (dunkel)graue Figuren, der das Superheld*innenthema aus einer ganz anderen Richtung als sonst aufgriff. Nun wird diese spannende Welt durch die vierteilige Comicserie „ExtraOrdinär“ ergänzt, in der die junge Charlotte Tills nicht nur vor ihrer furchtbaren Superkraft davonläuft – sondern auch vor Eli Ever, der ihr Untergang sein wird, wenn sie nicht schneller ist als er.

In der Welt der Villains-Dilogie ist der Tod für einige nicht das Ende, sondern erst der Beginn. Menschen mit Nahtoderfahrungen entwickeln spezielle Fähigkeiten, die meist etwas mit der Art ihres vorübergehenden Todes zu tun haben. So ist es auch für Charlotte, denn in ihren letzten Momenten vor einem Busunglück sieht sie das Leben an sich vorbeiziehen und entwickelt nach ihrer Reanimierung dadurch die Fähigkeit, zu erkennen, wie Leute ums Leben kommen werden – inklusive sie selbst. Fest entschlossen, Eli Ever zu töten, bevor dieser sie töten kann, begibt Charlotte sich auf ein waghalsiges Abenteuer, bei dem sie ungeahnte Unterstützung erhält.

Die Geschichte baut sich in einem schönen Handlungsbogen über die vier Bände hinweg auf. Sowohl Positives wie auch Negatives lässt sich wohl über die Unterbrechung der Hauptstory sagen, in der aus Elis Sicht gezeigt wird, wie er und sein alter Freund Victor Vale zu Extraordinären wurden und Eli sein Glaubenssystem fand, nach dem er andere Extraordinäre auszulöschen hat. Für Fans der Serie ist dieser Abschnitt schon hinreichend aus dem ersten Roman der Reihe bekannt und bietet daher inhaltlich wenig Neues. Allerdings tröstet die grafische Umsetzung, die den bekannten Stoff gekonnt in Szene setzt und damit Neueinsteigenden diesen ersten Blick in das Villains-Universum leichter macht. Etwas gehetzt wirkt der (Achtung, Spoiler!) im Gefängnis für Extraordinäre spielende Teil der Handlung: Hier hätte etwas mehr Luft dem Ganzen gut getan und es wäre dadurch kein Tempo verloren gegangen. Überzeugen können dafür Charlotte und die beiden Extraordinären, die sie auf ihrem Weg kennenlernen. Das Trio sorgt für einige gute verbale Schlagabtausche, hier wäre etwas mehr Zeit bei den Figuren aber ebenfalls schön gewesen. Trotzdem lässt sich hier eine Wahlfamilie mit Potenzial erahnen, die zusammen mit dem Twist am Ende Lust auf mehr macht.

Die Graphic Novel ist in einem Zeichenstil gehalten, der Fans von Superheld*innencomics vertraut sein wird. Die Panel-Struktur ist recht klassisch, genau wie die Kolorierung. Es wird grafisch nicht viel Kreatives ausprobiert und die Körpertypen der Figuren sind sich überwiegend alle recht ähnlich, dafür ist die Qualität die Graphic Novel über gleichbleibend solide und der Stil passt zu der Geschichte, die erzählt wird. Lobend erwähnt sei auch das Cover mit der zwischen Grabsteinen sitzenden Charlotte und den markanten Kopfhörern, die auch in der Geschichte selbst immer wieder aufgegriffen werden – dieses ist ein definitiver Blickfang. Ebenfalls ein schönes Extra ist die Kurzgeschichte Wärme, die auch im Villains-Universum spielt und für die Graphic Novel auf Deutsch übersetzt wurde: Sie ist im Anhang des Bands zu finden und für Fans oder solche, die es gern werden wollen, ein besonderes Highlight.

Wer sich nicht daran stört, dass ein Drittel der Handlung ein Rückblick auf bereits aus dem ersten Band bekannte Ereignisse ist, wird mit „ExtraOrdinär“ Spaß haben. Die von V. E. Schwab verfasste und von Enid Balam illustrierte Adaption als Graphic Novel bietet flottes Tempo, tolles Setting und spannende Ideen zusammen mit einem soliden Zeichenstil. Dies lässt über Schwächen leicht hinwegsehen.

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    V. E. Schwab ExtraOrdinary
  • Verlag:
  • Erschienen:
    06/2022
  • Umfang:
    112 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783741628085
  • Preis:
    15,00 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Illustration: