Himmelrot

von Heiner Meemken
Rezension von Janett Cernohuby | 07. Februar 2015

Himmelrot

Manchmal sind es kleine Ereignisse, die uns plötzlich innehalten und unser bisheriges Handeln von Grund auf überdenken lassen. Der Blick auf Vergangenes kann dabei sehr unterschiedlich sein. Glücklich und zufrieden mit sich selbst und dem, was man erreicht hat oder aber auch enttäuscht über die Dinge, sie sich anders entwickelt haben, als man es sich erträumte. In "Himmelrot" von Heiner Meemken ist es ein gestandener Lehrer, der auf sein Leben zurückblickt.

Der Lehrer Klaus Wiesenbach weiß, dass sein Leben so nicht mehr weitergehen kann. Er muss etwas ändern, aber er weiß nicht was. Eigentlich weiß er auch gar nicht, was er will, welchen Weg er beschreiten soll. Unterrichten muss er zurzeit nicht. Das liegt aber weder daran, dass er arbeitslos ist, noch dass Ferien sind. Vielmehr ist er seit dem Eingeständnis Alkoholiker zu sein, krankgeschrieben. Mittlerweile ist er trocken und könnte vielleicht auch bald wieder seiner Arbeit nachgehen. Doch will er das? Will er weitermachen wie bisher? Oder neu anfangen? In dieser Zeit des eigenen Umbruchs erreicht ihn eine E-Mail eines alten Freundes und Studienkollegen. Rüdiger, wie er Anfang 50, nimmt nach vielen Jahrzehnten wieder Kontakt zu ihm auf und eröffnet ihm zudem, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Er leidet an Krebs und lebt mittlerweile in einem Hospiz. Nach einigen hin- und hergegangenen Mails bittet Rüdiger ihn darum, die alten Freunde ausfindig zu machen und zu einer Art Abschiedsfeier zusammen zu bringen. Klaus geht dieser Bitte nach und beginnt eine Reise quer durch Deutschland.

Eine Reise, die aber auch zu einem Selbstfindungstrip wird. Denn bei dieser Reise trifft Klaus nicht nur alte Studienkollegen wieder, sondern blickt auch zurück. Zurück auf seine Studienzeit, zurück auf sein Berufsleben, zurück auf sein gescheitertes Eheleben. Da die einstigen Studienkollegen überall in Deutschland verstreut sind, reist Klaus ebenso kreuz und quer durch das Land. Dabei lernt er die junge Annemarie kennen. Eine Schauspielstudentin, die sich selbst als erfolglos beschreibt. Durch sie lernt er die heutige Jugend kennen, wie sie ebenfalls aufbegehrt und rebelliert, wie er es damals mit seinen Freunden tat. Wenngleich die Art dieser jungen Generation anders ist. Eine Art, die er nicht versteht, mit der er nicht zurechtkommt.
Auf seinen Reisen findet Klaus nicht nur alte Freunde wieder, lernt neue kennen, sondern er blickt auch auf sein eigenes Leben zurück. In diesen Rückblenden lernen auch wir Leser den Protagonisten mit all seinen Gedanken, Beweggründen und Träumen kennen. Bereut er die eine oder andere seiner Entscheidungen? Vermisst er etwas? Würde er, wenn er könnte, etwas anders machen? Nicht auf alle dieser Fragen kann Klaus antworten.
Das Ende ist freilich offen, wenngleich es für einen Roman dieser Art auch nicht anders sein kann. So hat man die Möglichkeit, sich selbst noch Gedanken zu machen oder manche Dinge zu hinterfragen. Sie vielleicht auch auf sich selbst umzulegen? Wer weiß.
Auf jeden Fall ist das Buch eine Reise durch das Leben, das von Klaus, das eigene. Der Protagonist blickt zurück, fasst zusammen, zieht seine Schlüsse. Als Leser kann man dies ebenfalls tun und sich fragen, was wäre wenn. So erzählt Heiner Meemken eine sensible Geschichte über einen Lehrer, der an seinem Tiefpunkt angekommen ist und der sich nun entscheiden muss zwischen so weitermachen oder neu beginnen. Ein Roman der bewegt, zum Nachdenken anregt, aber nicht schnulzig oder wehleidig ist.

"Himmelrot" aus der Feder Heiner Meemken ist ein Roman von Ende und Neuanfang, von einer Reise durch Deutschland und zu sich selbst. Es ist ein Buch, das fesselt und bei dem man auch nach dem Lesen des letzten Satzes noch so manchem Gedanken nachhängt. Und es ist ein Buch, das sich zu lesen lohnt.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    01/2015
  • Umfang:
    331 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783426514375
  • Preis:
    9,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gewalt:
    Keine Bewertung
  • Gefühl:
  • Erotik:
    Keine Bewertung