Frau Komachi empfiehlt ein Buch

von Michiko Aoyama
Rezension von Emilia Engel | 26. September 2023

Frau Komachi empfiehlt ein Buch

Manchmal läuft das Leben nicht so, wie man es sich wünschen würde. Der Job passt nicht, man weiß nicht, was man mit der Rente anfangen soll oder das erwünschte Kind stellt das Leben auf den Kopf. Da kann es nicht schaden, wenn das Schicksal einem helfend unter die Arme greift. In diesem Fall müssen die Betroffenen nicht mal auf das Schicksal warten, denn Frau Komachi versteht es aufs vortrefflichste, dem Leben anderer auf die Sprünge zu helfen.

Im Gemeindezentrum gibt es eine kleine Bücherei, in der sich jeder aus der Gemeinde Bücher ausleihen darf. In dieser Bücherei gibt es eine ganz besondere Bibliothekarin. Sie ist eine große, resolute Frau. Ihre anfangs ruppige Art macht sie mit ihrer freundlichen Stimme und ihrem unfehlbaren Gespür für die richtigen Bücher wieder wett. Ihr Name ist Komachi und sie ist das Herz dieser Bücherei, gemeinsam mit ihrer Bibliothekarsgehilfin Nozomi. Menschen verschiedenster Lebenslagen finden in dieses Gemeindezentrum, das sehr viele Kurse und Aktivitäten anbietet. Da gibt es Tomoka, eine junge Frau, die unzufrieden mit ihrer Arbeit ist, sich weiterbilden möchte und mithilfe eines Kinderbuches den richtigen Weg im Leben findet. Der 35-jährige Ryo braucht auch etwas Hilfe von Frau Komachi, um einen langjährigen Traum zu erfüllen. Natsumi wünscht sich. nach der Geburt ihres Kindes genauso mit der Arbeit weitermachen zu können, wie bisher. Doch da macht ihr das Leben einen Strich durch die Rechnung. Ein arbeitsloser junger Mann findet endlich die Möglichkeit, sein Talent aufleben zu lassen und wieder etwas zu tun. Und Masao, ein frisch gebackener Rentner, weiß nicht so recht, was er mit seiner Zeit anfangen soll und wer er eigentlich ist, ganz ohne Arbeit und ohne seine Kollegen.
All diesen Menschen hilft Frau Komachi recht subtil mit einem Buchtipp weiter, der nichts mit deren ursprünglichen Buchwünschen zu tun hat. Ebenfalls immer dabei ist ein kleines Präsent. Frau Komachi taucht nur kurz in deren Leben auf, aber dafür mit großem Einfluss.

Michiko Aoyama hat es mit ihrem Buch “Frau Komachi empfiehlt ein Buch” auf die Bestsellerlisten in Japan geschafft. Auch die deutsche Übersetzung erfreut sich schon einiger Beliebtheit.
Die Autorin stellt uns hier fünf komplett verschiedene Menschen und ihre Schicksale vor. Was sich durch all diese Geschichten zieht, ist die Unzufriedenheit mit dem Leben oder der derzeitigen Situation.  So verschieden diese fünf Menschen auch so sind, haben sie doch eine Gemeinsamkeit. Sie alle finden in das Gemeindezentrum und die dazugehörige Gemeindebücherei, geleitet von Frau Komachi. Obwohl die Protagonisten in den einzelnen Erzählungen nach konkreten Themen fragen, bietet Frau Komachi in ihrer Bücherliste auch immer einen ungefragten Titel an. Dieser Titel tanzt komplett aus der Reihe und ist nicht das, was die betreffenden Personen selbst gewählt hätten. Doch genau dieses Buch ist es stets, das den Anstoß gibt, etwas im Leben zu verändern.
Der Leser und die Leserin folgen in fünf Kapiteln den jeweiligen Protagonisten. Es sind fünf Erzählungen, die sich in ihren Geschichten kaum berühren. Man könnte sie genauso gut auch komplett durcheinander lesen. Nur ganz am Rande wird in einer Geschichte mal jemand aus einer anderen erwähnt. Gerade diese kleinen Berührungspunkte machen dieses Buch noch einmal ein Stück interessanter. Es ist ein verbindendes Glied, das womöglich zeigen soll, dass wir alle zu einer Gemeinschaft gehören.
Auch Frau Komachi hat in diesem Buch nur kleine Auftritte, dennoch hat sie sich den Titel dieses Buches verdient. Denn mit ihren Buchempfehlungen bringt sie die Menschen zum Nachdenken, sie bringt einen Stein ins Rollen, der das Leben jener Personen  nachhaltig verändern wird. Im wahren Leben ist es doch manchmal genauso: oftmals ist es nur eine kleine, scheinbar unbedeutende Begegnung, die eine große Wirkung haben kann.

“Frau Komachi empfiehlt ein Buch” ist ein empfehlenswertes Buch, das sich sehr angenehm lesen lässt. Es ist ein Buch, das durchaus motivieren könnte, selbst etwas in seinem Leben zu verändern. Als Leser und Leserin kann man sich bei der Bandbreite an menschlichen Emotionen und Leben nicht in jeden hineinversetzen oder findet jeden der Protagonisten gleich interessant, doch alles im allem ist dieses Buch eine wunderbare, runde Ansammlung von Geschichten, die einem neben guter Unterhaltung auch etwas zum Nachdenken gibt.

Details

  • Autor*in:
  • Originaltitel:
    Osagashimono wa toshoshitsu made
  • Übersetzer*in:
    Sabine Mangold
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    07/2023
  • Umfang:
    285 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783463000404
  • Preis (D):
    22 €

Bewertung

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