Drive-In

von Joe R. Lansdale
Rezension von Stefan Cernohuby | 18. September 2015

Drive-In

Es gibt Autoren, die man auf ein bestimmtes Genre festlegen kann und andere, die in allen möglichen und unmöglichen Stilrichtungen wildern. Einer von jenen aus der zweiten Gruppe ist der amerikanische Schriftsteller Joe R. Lansdale. Ob historische Romane oder dunkle Phantastik, überall hat er schon seine literarischen Fußabdrücke hinterlassen. Von ihm liegt uns nun sein erstes größeres Werk vor, das als Dreiteiler erschienen ist. „Drive-In“.

Das Buch beginnt in einer schwer vorstellbaren Szenerie. Einem Drive-In, also einem Autokino, für mehr als 4.000 Autos. Schwer vorstellbar in einer Zeit von Viedo-Streaming und 3D-Kino mit Dolby Digital Sound. Und doch beginnt die Handlung in einem solchen Autokino, in dem nur Horrorfilme gezeigt werden, auf fünf unterschiedlichen Leinwänden. Die Freunde Bob, Jack und Randy kommen gemeinsam mit Willard an, der ihnen am Vortag den Hintern gerettet hat, um Kinofilme zu genießen. Doch just bevor es losgeht, nähert sich ein fliegendes Objekt, stürzt sich auf die Umgebung und nichts als undurchdringliche Schwärze zurückzulassen. Schwärze, die Menschen auflöst, woraufhin alle gefangen sind und mit einer Popcorn- und Coladiät überleben müssen. Es tauchen seltsame Kreaturen auf, so auch der unheimliche Popcorn-King, und Menschen zeigen ihre schlimmsten Eigenschaften...
Das zweite enthaltene Buch setzte die Handlung nach dem Ende der Gefangenschaft fort. Doch draußen befindet sich nicht die Realität, sondern ein wilder Dschungel, bewohnt von Dinosauriern, und ein einzelner Highway, der sich schnurstracks durch die Welt streckt. Jack, Randy und Cryer, der sie im Orbit-Drive-In gerettet hat, versuchen irgendwie über die Runden zu kommen, bis sie wieder im Drive-In landen, wo sich ein seltsames Wesen mit Fernseherkopf zum neuen König ausgerufen hat.
Im letzten Teil des Abenteuers versuchen die Schicksalsgefährten – mittlerweile sind zwei Damen dabei –, die Welt über den Wasserweg zu verlassen. Doch sie begegnen nicht nur Illusionen von der Vergangenheit und müssen eine Art „Golden Gate Bridge“ hochklettern, zwischendurch wandeln sie auf Jonas‘ Spuren und werden von einem gewaltigen Fisch verschlungen, in dem sich nicht ganz so freundliche Zeitgenossen angesiedelt haben. Und das dicke Ende kommt zum Schluss...

Drive-In ist, wie schon in der Einleitung erwähnt, ein Frühwerk von Joe R. Lansdale. Es ist ein gewagtes Werk, das lange Zeit an der Grenze des guten Geschmacks entlangtaumelt, um sich dann weit jenseits derselben auszutoben. Obwohl die Hauptcharaktere trotz aller Entbehrungen immer einen dunkel-satirischen Blick auf die Handlung haben, ist diese teilweise ziemlich gruslig. Natürlich, wenn in einem Gefängnis irgendwann Nahrungsmittel und Wasser zur Neige gehen, ist aufkeimender Kannibalismus nachvollziehbar. Doch Details, die beschrieben werden, die völlige Abkehr vom Menschsein in Notsituationen und Grausamkeit von eigentlich freundlichen Personen sind wirklich schwer zu lesen. Zwar wird die Härte zumeist in der nächsten Situation dadurch gemindert, dass wieder klar gemacht wird, dass hier starke satirische Elemente eingewoben wurden, und auch die Schlusspointe des Buchs vermag ein wenig der düsteren Stimmung aufzulösen, „Drive-In“ ist jedoch keineswegs Literatur für jedermann. Und auch wenn der Erzählstil des Autors fesselnd ist wie nur wenige andere Stile, wünscht man sich mitunter, er würde es mit anderen Elementen tun. Das Buch ist definitiv gelungen, man sollte es jedoch von Jugendlichen fernhalten und auch bereits ein wenig abgehärtet sein.

„Drive-In“ enthält drei frühe aufeinander aufbauende Romane von Joe R. Lansdale zwischen zwei Buchdeckeln. Allerdings handelt es sich um keine Lektüre zum Genießen, außer man bevorzugt unterhaltsame Werke, in denen Gefängnis, Kannibalismus, Mord und Übernatürliches die Hauptbestandteile sind. Trotzdem ist der wilde Trip durch Trashfilme, grausame Realität und irrationale Fantasie gelungen, wenngleich nicht für jugendliche Leser geeignet.

Details

Bewertung

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