The Book of Dust

Über den wilden Fluss

von Philip Pullman, Rufus Beck (Sprecher)
Rezension von Stefan Cernohuby | 12. Januar 2018

Über den wilden Fluss

Das Leben verläuft selten in ruhigen Bahnen. Manchmal ist es dazu geeignet, einen mitzureißen, ohne eine Chance ihm zu entkommen. Das kann sowohl im Rahmen von Ereignissen als auch buchstäblich passieren. Philip Pullman hat mit „Über den Wilden Fluss“ ein Prequel für seine preisgekrönte Reihe „His Dark Materials“ verfasst, in dem nicht nur die Charaktere kaum eine Möglichkeit haben, der Handlung zu entfliehen.

Malcolm ist ein elfjähriger Junge, der sich beinahe mit allen Menschen gut versteht. Im Gasthaus seiner Eltern hilft er aus, er unterstützt die Nonnen im nahen Kloster und hat auch in der Schule zahlreiche Freunde. Nur mit der Küchenhilfe Alice versteht er sich nicht. Er ist wissbegierig und neugierig, dabei jedoch immer höflich. Doch dann brechen verschiedene Ereignisse über ihn herein. Zuerst kommen seltsame und prominente Fremde in sein Gasthaus, dann wird ein Baby in die Obhut der Nonnen gegeben und dann beginnt plötzlich ein Teil der Kirchenorganisation in Malcolms Schule zu spionieren. Alles hat irgendwie mit Lyra zu tun, dem Kind, auf das die Schwestern aufpassen. Denn sie ist die Tochter eines berühmten Wissenschaftlers namens Lord Asriel, der sich offensichtlich mit gefährlicher Materie beschäftigt – und auch die Mutter scheint mysteriös zu sein. Dann sagt ein Gypter eine große Flut voraus, ein Mann mit einem dreibeinigen Hyänen-Dämon versucht Lyra zu entführen und tatsächlich tritt die Themse in nie geahntem Ausmaß über die Ufer. Kurz entschlossen rettet er Lyra, nimmt Küchenhilfe Alice mit und beschließt mit seinem Kanu „La Belle Sauvage“ zu fliehen. Eine gefährliche Reise nimmt ihren Anfang – und verschiedene Verfolger nehmen ihre Spur auf.

Was sofort funktioniert ist die Rückkehr in die Welt von „His Dark Materials“. Menschen, ihre Dämonen und das Magisterium sind Begriffe, an die man sich schnell wieder erinnert. Interessant ist auch mitzuverfolgen, wie sich viele relevante Bestandteile der späteren Romane erst zu entwickeln beginnen – und damit ist nicht zwangläufig Lyra als Baby gemeint. Die Gesellschaft in „Über den wilden Fluss“ ist im Umbruch, das Magisterium, der Bund des Alexander und die GD verändern ihre Ausrichtung und gewinnen immer mehr an Macht – durch Spitzel und Denunziantentum. In gefährlichen gesellschaftlichen und politischen Gewässern versucht Malcolm immer das richtige zu tun. Etwas, das zu Entbehrungen und tödlichen Gefahren führt. Gefahren, die man allesamt mit den beiden Hauptcharakteren erlebt und sie kaum einmal eine Minute alleinlässt. Ihre verzweifelte Flucht ist jedoch ein Abschnitt, der immer wieder von sehr langatmigen Passagen durchzogen ist. Es geht hierhin und dahin und zwischendurch wird es dabei auch ein wenig mythisch und mythologisch. Zum Glück, denn ansonsten würde man dabei etwas an Lust verlieren.
Das vorliegende und ungekürzte Hörbuch wurde gelesen von Rufus Beck, der verschiedenen Charakteren, inklusive der kleinen Dämonen der Kinder, gelungen eigene Stimmen verleiht. Als erster Band einer neuen Reihe namens „The Book of Dust“, die vor den Ereignissen aus „His Dark Materials“ angesiedelt sind, vermag „Über den wilden Fluss“ über weite Strecken zu überzeugen und zu fesseln. Lediglich einige Leerläufe hätte man durchaus verkürzen können, denn der Umfang des Werks ist ohnehin beträchtlich genug. Kenner können hier ohne Bedenken zugreifen.

„Über den wilden Fluss“ ist der Titel des neuesten Romans von Philip Pullman, der mit diesem in die Welt von „His Dark Materials“ zurückkehrt. Mit einigen bekannten und einigen neuen Charakteren und einer immer bedrohlicheren Stimmung schafft es der Autor den Leser in Atem zu halten. Bis auf einige etwas zu langatmige Passagen ist das Buch sehr gut gelungen und man kann sich auf ein Widersehen mit einigen bekannten Charakteren freuen. Als Fan darf man auch durchaus gespannt sein, wie die weiteren Bände angelegt sein werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass auch Quereinsteiger hier einen guten Ansatzpunkt haben.

Details

Bewertung

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