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Christoph Dittert im Interview auf der Buchmesse Leipzig 2019

"Kinder nehmen die Geschichten in der Regel ganz anders wahr."

Beitrag von Stefan Cernohuby | 03. April 2019

Für Autoren ist es nicht immer einfach, in verschiedenen Welten zu existieren. Einer, der diese schwierige Aufgabe mit Bravour meistert, ist Christoph Dittert alias Christian Montillon. Sowohl im Bereich Kinderbuch, wo er vor allem für die Reihe „Die drei ???“ aktiv ist, als auch im Genre der Science Fiction, wo er in der Reihe „Perry Rhodan“ in vielerlei Hinsicht federführend ist. Wir hatten die Chance, ihm auf der Leipziger Buchmesse 2019 im Rahmen eines Interviews einige Fragen zu stellen.

Christoph Dittert im Interview auf der Buchmesse Leipzig

In „Die Legende der Gaukler“ aus der Reihe „Die drei ???“ bekommen es die Detektive mit einer Legende zu tun, über die keiner reden will. Eine Information, die erst häppchenweise mit eingebracht wird. Wollten Sie so eine andere Art Abenteuer als sonst starten?

Ja, das wollte ich. Das war der Sinn der Sache, die drei ??? wissen ja auch nicht, was sie von ihrem Auftraggeber halten sollen. Ihr Auftraggeber kommt mit einem sehr seltsamen Auftrag: Dass er ein Spieler sei und dass die drei ??? ihm helfen sollen, etwas zu finden. Das ist zunächst so gar kein Detektivfall. Da wollte ich ganz anders starten. Die Legende kommt später dazu, also es geht relativ schnell auf echten Detektivboden, sozusagen. Üblicher wäre jetzt gewesen, der Auftraggeber kommt und sagt, „oh, bei uns im Wanderzirkus gibt’s diese schreckliche Spukgestalt“.

Sie haben seit 2011 zahlreiche Werke für „Die drei ???“ beigesteuert. War es schwierig, sich im Bereich Kinder- und Jugendbuch zu etablieren?

Sagen wir mal so, es hat sehr gut geklappt. Was mich sehr gefreut hat. Ich war bei „Perry Rhodan“ etablierter Autor, „Die drei ???“ kenne ich schon immer - seit Grundschulzeit, vielleicht auch schon vorher, von Hörspielkassetten. Auf jeden Fall sehr früh. Und als ich meinem ältesten Sohn ein „Die drei ??? Kids“-Buch vorgelesen habe, kam mir der Gedanke, das könnte ich auch mal versuchen. Dann habe ich mich einfach beworben und ein Konzept eingereicht. Das hat dem Verlag gefallen und seitdem bin ich mit dabei.

Neben Ihrer Arbeit an den „Die drei ???“ schreiben Sie für verschiedene Reihen, unter anderem für Perry Rhodan. Dort waren Sie auch für den Jubiläumsband Nummer 3000 verantwortlich. Was ist das für ein Gefühl?

Ein traumhaftes Gefühl, ganz ehrlich. Es ist unwirklich für mich - immer noch. Die Arbeit am 3000. Band war sehr intensiv. Das wurde intensiv in der Presse begleitet, es gab Interviews für Zeitung, Fernsehen und so weiter. Das war ein Rummel, der sich langsam legt, und ich schaue ein bisschen zurück. Es ist total unwirklich. Band 1000 ist von Wiliam Voltz, Band 2000 von Robert Feldhoff und Ernst Vlcek: das sind die Meilensteine. Und in 10 oder 20 Jahren wird man dann Band 3000 auch mit aufzählen und da stehe ich mit drauf. Ich find’s toll.

Wie kritisch sind Stimmen im Bereich Kinderliteratur, wie im Bereich Science-Fiction? Welche Leser sind die härteren Kritiker?

Die härteren Kritiker ordne ich nicht nach Genre, nicht nach Kinderliteratur und Science Fiction. Die härtesten Kritiker sind die erwachsenen „Superfans“. Die Leute, die mit der Serie aufgewachsen sind, die sehr in dem Kosmos leben und die sehr starke eigene Vorstellungen haben. Das ist sowohl bei Perry Rhodan als auch bei „Die drei ???“ so. Deren Vorstellungen sind nicht falsch oder richtig, aber eben eigen. Wenn man davon abweicht, kann eine sehr harte Kritik herauskommen.

Christoph Dittert im Interview auf der Buchmesse Leipzig

So wie bei „Die Legende der Gaukler“, wo Sie einen Fall haben, den es gar nicht gibt? Das ist ja nicht üblich. Und man fragt sich immer, wann übergeben die drei ??? ihre Visitenkarte?

Genau. Da habe ich für die Gaukler auch starke Kritik geerntet, von erwachsenen Lesern. Vielleicht zu Recht, vielleicht auch übertrieben. Das mag jeder selbst beurteilen. Kinder nehmen die Geschichten in der Regel ganz anders wahr. Diese unterschiedliche öffentliche Wahrnehmung ist spannend. Richtig und falsch würde ich hier gar nicht ansetzen, nur unterschiedliche Wahrnehmung.

Sie sind Autor, der gleichzeitig in den Bereichen Science-Fiction und Kinderbuch schreibt. Wie viel Schreibzeit investieren Sie pro Jahr in welches Genre? Oder in welchem Verhältnis?

Ich würde sagen, ich schreibe mehr Stunden an Perry Rhodan. Wobei ich für „Die drei ???“ sehr viel mit Lesungen unterwegs bin, die ja keine Schreibzeit sind. Somit gleicht es sich ungefähr aus.

Auch für die Umsetzung des StoryCard-Konzepts für „Die drei ???“ waren Sie textlich verantwortlich. War es schwierig, Textstellen zu schreiben, die nur lose zusammenhängen?

Das ist unglaublich schwer, vor allem weil der Text, der auf den StoryCards steht, extrem kurz ist. Jede Karte hat – ich weiß es nicht mehr ganz genau – 200 Anschläge. Und soll minimal die Geschichte weitererzählen und zu Entscheidungen führen. Das erschwert es, eine Atmosphäre aufzubauen. Das ist ganz anders, als bei längeren Geschichten. Es sind Minihäppchen, die sich immer weiter verzweigen und wieder zusammenführen. Das Schwierige an der Sache ist nicht, den Text zu schreiben, das ist minimal. Das Schwierige ist, sich vorher einen Plan auf Papier zu malen, welche Verknüpfungen es gibt und welche Wege ich gehen will. Das ist eine unfassbare Denkarbeit. Bei der ersten StoryCard-Konzeption saß ich im Urlaub im Strandhotel, und habe aufs Meer geschaut. Das hat geholfen, um diese Denkarbeit zu leisten. Mittlerweile habe ich weitere StoryCards geschrieben: „Die drei ??? Kids – Fußball-Stars“, die werden in Kürze erscheinen. Und ich sitze an einem weiteren Konzept.

Christoph Dittert im Interview auf der Buchmesse Leipzig

Wie geht man als Autor an Serien heran, die jeweils schon über 50 Jahre laufen? Muss man viel in Recherche investieren? Oder macht man so etwas ohnehin nur, wenn man die Reihen schon kennt?

Die allermeisten Leute waren vorher schon Fans. In meinem Fall war es auch so. Sowohl bei Perry Rhodan als auch bei „Die drei ???“. Von Perry Rhodan habe ich vermutlich 1000 Bände gelesen, bevor ich selbst Autor wurde. Bei „Die drei ???“ ebenfalls – also keine 1000 Bände, soviel gibt es noch nicht ... aber ich habe sehr viele Hörspiele gehört und Bücher gelesen. Dass man auf die Idee kommt, einen Perry Rhodan oder einen „Die drei ???“-Roman zu schreiben, ohne die Welt zu kennen, das dürfte nur sehr selten vorkommen.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus, beziehungsweise was wird als nächstes erscheinen?

Bei Perry Rhodan gönne ich mir im Moment eine Schreibpause. Für einige Zeit, das heißt, ein paar Monate. Aber ich arbeite ja an jedem Exposé mit, bin also trotzdem jede Woche mit Perry Rhodan am Kiosk, wenn man so will – unsichtbar als Exposéautor. Bei den „Die drei ???“ habe ich einen neuen Roman fertiggestellt, der erscheint jetzt im Herbst. Er wird „Die drei ??? und der Mottenmann“ heißen. Und dann wird ein weiterer Band im nächsten Jahr kommen, den plane ich gerade. Es läuft immer etwas und das ist auch sehr schön so.

Vielen Dank für Ihre Zeit hier auf der Leipziger Buchmesse und für das Interview. Wir sind schon sehr gespannt auf die nächsten Neuerscheinungen!

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