Ohne mich!

Antolin Quiz
von Moni Port, Philip Waechter (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 31. Mai 2021

Ohne mich!

Nicht alle Kinder wachsen in einem glücklichen und freundlichen Umfeld auf. Manch ein Kind hat herrische, tobende Eltern um sich. Das bedrückt sie, macht sie traurig. Um Kindern zu zeigen, dass sie dies nicht ertragen müssen, sondern „Stopp“ sagen dürfen, haben Moni Port und Philip Waechter vor ein paar Jahren ein Bilderbuch verfasst, dass nun unter dem Titel „Ohne mich!“ neu aufgelegt wurde.

Helene hat genug

Eigentlich könnte Helene glücklich sein: Sie lebt in einem gemütlichen Haus in einer ruhigen Gegend. Ihre Mutter hat Humor, der kleine Bruder ist geduldig und sie hat musikalisches Talent. Nur der Vater passt nicht in dieses Bild. Der kann nämlich nicht normal reden, sondern brüllt immer nur rum. Egal zu welcher Tageszeit, egal worum es geht. Alles gibt er laut tobend von sich. Als Helene ihre Mutter fragt, warum der Vater nur schreit, antwortet sie ihr, dass schon seine Eltern Krakeeler waren und es einfach in den Genen liegt. Und sie sagt, dass Helene sich später einmal entscheiden kann, selbst ein Krakeeler zu werden. Helene entscheidet sich, aber nicht für das Brüllen, sondern für das Weggehen. Ruhig und entlassen packt sie ihren Koffer, dreht dem Elternhaus den Rücken zu und geht einfach. Fort in die Welt, um dort ihr musikalisches Talent weiter zu entwickeln.
Und der Vater? Der beginnt, über sein Verhalten nachzudenken, seine Fehler zu erkennen und macht sich dann auf die Suche nach Helene.

Ohne mich

Schweres Thema, leicht verpackt

Was wie eine leichte Erzählung klingt, ist in Wahrheit ein großes und schweres Thema. Es geht um häusliche Gewalt, wenn auch nicht auf körperlicher Ebene, dann zumindest auf psychischer Ebene. Keiner fühlt sich in einer Umgebung wohl, in der immer jemand brüllt. In der man Angst hat, mit seinem nächsten Griff, mit seiner nächsten Bewegung einen Wutausbruch hervorzurufen.
Doch genau in diesem Umfeld lebt Helene. Sie ist eine ruhige Persönlichkeit, die trotz der Situation mit dem Vater ihren Mut und ihr Selbstbewusstsein behalten hat. Sie hinterfragt das Verhalten des Vaters und beschließt für sich, dass sie so nicht leben möchte, sondern einen anderen Weg gehen will. Ohne viele Worte packt sie ihren Koffer und geht einfach. Sie sucht sich ihren eigenen Weg, sie nutzt ihr Talent, baut es aus und hat Erfolg. Diese Ruhe, die Helena ausstrahlt, das Selbstbewusstsein beeindruckt die Leserschaft. Helena hadert nicht, sie verzweifelt nicht, sondern sie blickt einfach mutig nach vorne. An den Eltern und vor allem dem Vater geht diese Aktion nicht spurlos vorbei. Er beginnt umzudenken, sein Verhalten in Frage zu stellen und tatsächlich ruhiger zu werden.
Nun mag man kritisieren, dass das Buch an vielen Stellen zu einfach gestrickt ist und an bestimmten Stellen zu wenig in die Tiefe geht. Man mag anmerken, dass ein Krakeeler nicht einfach und vor allem ohne professionelle Hilfe sein Verhalten ändert. Doch man darf nicht vergessen, dass es sich hier um ein Bilderbuch handelt. Dieses will in erster Linie Kinder erreichen. Dafür muss es sich einer klaren und einfach aufgebauten Handlung bedienen. Das Ziel soll hier keine allgemeingültige Lösung sein, sondern Kindern Hoffnung und Mut zu machen. Die Geschichte soll ein erster Impuls sein, Vertrauen zu finden und einen ersten Schritt aus dieser düsteren Umgebung zu machen. Vielleicht indem sie sich jemandem anvertrauen. Einer Pädagogin, einer Lehrerin. Dieses Buch erhebt nicht den Anspruch, therapeutisch die Lösung zu bringen, doch es öffnet eine Tür für Veränderungen.

Ohne mich

Kein Kind sollte in einem Umfeld aufwachsen, wo es nur angebrüllt wird. Wo jeder Morgen mit Wutanfällen beginnt und jeder Abend auf die gleiche Art endet. Leider können sich Kinder nicht so einfach daraus befreien. Hier will „Ohne mich!“ eine Hilfe sein. Die Geschichte macht Mut und gibt Kraft, indem sie eine Tür für Gespräche öffnet.

Details

Bewertung

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