Liebe Schwester

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Briefe an meine kleine Nervensäge
von Alison McGhee, Joe Bluhm (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 31. März 2020

Liebe Schwester

Keine Liebe ist so voller Zuneigung und Hass, Interesse und Gleichgültigkeit, wie die von Geschwistern. Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel und nur einen Augenblick später streiten sie bis aufs Blut miteinander. Alison McChee hat eine ganz besondere Hommage an die Geschwisterliebe geschrieben, die von Joe Bluhm illustriert wurde.

Eine besondere Briefesammlung

Wenn ein Baby kommt, freuen sich alle. Babyalben werden geführt, in denen wichtige Ereignisse dokumentiert werden. Natürlich gehören auch die älteren Geschwister fest zu diesen Ritualen und so wurde jener ältere Bruder dieses Buchs dazu verdonnert, ein Bild für das Babyalbum seiner Schwester zu malen.
Dieses Bild (das den Eltern jedoch nicht wirklich gefallen hat) ist der Startschuss für eine ganze Reihe Briefe, die eben jener ältere Bruder zehn Jahre lang für seine kleine Schwester schreibt. Darin hält er alles fest, was ihn in dieser Zeit bewegt - und das ist eine Menge. Jeder der eine kleine Schwester hat, weiß, wie nervig diese sein können. Ständig rennen sie einem nach, wollen ihren Willen haben, immer wieder das gleiche Buch vorgelesen bekommen, mitspielen wenn Freunde zu Besuch sind… Die Liste der Dinge, die den großen Bruder stören, ist lang. Gleichzeitig liest man aber auch noch etwas anderes heraus, selbst wenn er es zunächst nicht zugeben würde: Seine Liebe zu der kleinen Nervensäge und seine Fürsorge. Doch es dauert bis zu seinem Auszug, dass ihm diese tiefe Zuneigung bewusst wird.

Liebe Schwester. Briefe an meine kleine Nervensäge

Voller Humor und Herzenswärme

Wie eingangs erwähnt, ist Geschwisterliebe etwas ganz besonderes. Das wird auch beim Lesen dieses Buchs, bzw. dieser Briefesammlung deutlich. Was zunächst als Zwang begann, später zu einer Methode, um Frust abzulassen wurde, ist gleichzeitig ein äußerst humorvolles und herzerwärmendes Zeitzeugnis. Es beschreibt die Geschwisterliebe auf eine Art, wie es keine Geschichte jemals könnte. Durch die einseitigen, fragmentarischen Episoden entsteht bei der Leserschaft ein Bild im Kopf. Ein lückenhaftes Bild, das man mit den eigenen Erinnerungen und Erlebnissen komplettiert. Immer wieder kommen Passagen, über die man schmunzelt, bei denen man verstehend den Kopf nickt. Ja, man kann sich zu gut in den Protagonisten hineinversetzen, der mit den Tücken und Hürden des großen Bruder-seins kämpft, wohl wissend, dass die sogenannten Wärter im Hintergrund stehen und alles beobachten.
Doch auch die Leserinnen und Leser beobachten die Entwicklung zwischen den beiden. Wir erleben alltägliche Kindersorgen, Streitereien und der Wunsch nach Freiraum. Wir beobachten wie sich aus Abneigung unterschwellig Liebe entwickelt, deren sich der Briefeschreiber jedoch erst bei seinem Auszug bewusst wird. Die kleine Schwester hingegen himmelt ihren großen Bruder immer an - ganz gleich, was er tut. Das sieht man sehr deutlich in den Illustrationen, die das Buch ergänzen. Sie sind grandios gelungen, im Comicstil gehalten und verleihen sie dem Buch den Charme eines Comicromans. Dadurch ist es schnell gelesen, aber auch weil die Briefe kurz gehalten sind, mitunter nur wenige Zeilen umfassen. Diese so gelungene Kombination aus Illustration und Text lässt das Buch nicht nur schnell lesen, sondern macht auch es ideal für Lesemuffel.

Liebe Schwester. Briefe an meine kleine Nervensäge

„Liebe Schwester“ ist ein herzerwärmender und auch sehr witziger Kinderroman. Ungewöhnlich erzählt, da in Briefform geschrieben, zaubert er seiner Leserschaft nicht nur ein Lächeln ins Gesicht, sondern lässt sie wohlwissend immer wieder den Kopf zustimmend nicken. Begleitet von humorvollen Illustrationen wird das Buch zu einem grandiosen Lesegenuss für alle - mit oder ohne nervigen Geschwistern.

Details

Bewertung

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