Glück gehabt, Mistkäfer!

von Bettina Gundermann, Dorota Wünsch (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 20. Februar 2019

Glück gehabt, Mistkäfer!

Sie sind klein, dunkel, schimmern häufig metallisch und man kann sie dabei beobachten, wie sie kleine Kugeln vor sich herrollen. Richtig, die Rede ist vom Mistkäfer. Der wird bei Bettina Gundermann nämlich zum Star eines Bilderbuchs, wenn er versucht, mit seiner schönen, runden Mistkugel in den Bus einzusteigen. „Glück gehabt, Mistkäfer!“ lautet der Titel und von welchem Glück da die Rede ist, wollten wir genau wissen.

Eine Mistkugel im Bus

Dieser Montagmorgen wird für Busfahrer Ben Brause wohl unvergesslich bleiben. Denn gerade, als er seinen Bus starten will, kommt ein kleiner Mistkäfer angerannt. Er müsse dringend noch mit, sagt er, weil er es ganz eilig hat. Ebenfalls mit muss die riesige, runde Mistkugel. Denn die hat der Mistkäfer extra für seine Frau gerollt, zu der er jetzt ganz schnell fahren muss. Die beiden hatten sich nämlich am Vortag schrecklich gestritten und wenn er jetzt zu spät käme, wäre seine Frau für immer weg.
Nur leider sehen das die Fahrgäste etwas anders, besonders die miesepetrige Frau Brummel. Die findet nämlich, dass der Mistkäfer mit seiner stinkenden Mistkugel gefälligst draußen bleiben soll.

Glück gehabt, Mistkäfer!

Herrlich lustige und verrückte Geschichte

Tja, so kann es gehen. Ein ganz normaler Montagmorgen und dann geschehen Ereignisse, die es eigentlich nicht geben kann. Etwa ein Mistkäfer, der mit dem Bus fahren will. Doch was dieser Mistkäfer damit ins Rollen bringt, das ahnt zu Beginn niemand. Denn durch seine Beharrlichkeit und den gleichzeitigen Protest von Frau Brummel werden eine Reihe skurriler und aberwitziger Ereignisse ausgelöst.
Die Geschichte beginnt zunächst recht unscheinbar, doch schnell merkt man, dass sie eine urkomische und aberwitzige Wendung nimmt. Allein die Tatsache, dass ein Mistkäfer mit einem Busfahrer und dessen Fahrgästen eine rege Diskussion startet, ist schon aberwitzig genug. Künstlerisch ist das Buch kongenial erzählt. Der Bus fährt keinen Millimeter, die Fahrgäste kommen nicht vorwärts und die Diskussion steckt fest. Alles dreht sich darum, dass der Mistkäfer dringend weg müsste und Frau Brummel es nicht will. Offenbar hat der arme Mistkäfer einfach kein Glück. Mit jeder Sekunde die verstreicht, droht er von seiner Frau für immer verlassen zu werden. Oder irren wir uns, und der Mistkäfer hat doch ganz viel Glück? Glück, dass in diesem Fall von einer schicksalshaften Fügung kommt? Findet der Mistkäfer sein Glück vielleicht genau dort, wo er im Augenblick eher Pech sieht? Denn während diese Hauptszene festgefahren scheint, herrscht an einer anderen Stelle viel Bewegung.

Glück gehabt, Mistkäfer!

Dorota Wünsch nahm sich den Illustrationen des Buchs an und setzte sie einfach brillant um. Charmant und witzig illustrierte sie die Szenerie, die sich plakativ und ins Auge springend auf der rechten Buchhälfte präsentiert. Fast unter gehen die kleineren, in Sepia gehaltenen Bilder des linken Buchrands. Zunächst schenkt man ihnen nicht allzu viel Beachtung, , dabei spielt sich genau hier  eine zweite Geschichte ab. Eine, die der Text nicht erzählt und die der Betrachter ganz alleine erfassen soll.. Einmal darauf gestoßen, sind Kinder absolut begeistert und es sprudelt nur so aus ihnen heraus, was dort in den kleinen, fast unscheinbaren Bildern passiert.

Glück gehabt, Mistkäfer!

„Glück gehabt, Mistkäfer!“ ist ein großartiges Bilderbuch. Es ist urkomisch und tiefsinnig zugleich. Es erzählt von Ehekrach und von Versöhnung, es erzählt von mürrischen Menschen und dem zarten Verliebtsein. Und irgendwo dazwischen zeigt es, dass man in der allergrößten Eile vielleicht doch innehalten und das Glück einfach geschehen lassen sollte.
Ein herrliches Buch - für alle Kleinen und Großen.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
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  • Anspruch:
  • Humor:
  • Illustration:

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