Bäume

von Piotr Socha, Wojciech Grajkowski (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 10. Juli 2018

Bäume

Auch wenn sich die Menschheit dessen nicht immer bewusst ist, gibt es viele Dinge auf dieser Welt, die weit älter sind als der Homo Sapiens. Schon als die ersten Saurier über das Land stapften gab es sie. Die ersten Menschen nutzten sie als Werkzeuge und auch heute sind sie nicht von unserem Planeten wegzudenken: Bäume. Kein Wunder also, dass im Gerstenberg Verlag unter diesem Titel eine Art Liebeserklärung an unsere Jahrmillionen alten Nachbarn erschienen ist.

Der Baum und seine vielen Gestalten

Gerade weil Bäume schon lange gemeinsam mit der Menschheit existieren, haben diese sich in viele Aspekte aller Kulturen eingeschmuggelt. Aber nicht alles was nach einem Baum aussieht ist wirklich ein Baum. Man muss also genau hinschauen. Genauso wie bei der großen Vielfalt an Blättern. Denn es gibt ganz unterschiedliche Strategien der Energiegewinnung. Hier kommt man gleich zum Thema Wurzeln, denn Bäume nutzen diese manchmal nicht nur zur Verankerung im Boden und zum Transport von Nährstoffen. Einige der Gewächse haben ganz andere Taktiken entwickelt. Auch Bäume haben sich den Jahreszeiten angepasst und dabei ihre Methoden zur Arterhaltung, also Fortpflanzung, immer weiter verfeinert. Dabei sind oft – aber nicht immer – auch Tiere involviert.
Bäume gibt es in verschiedensten Farben und Formen. Ob dick oder dünn, riesig oder winzig, alt oder jung, es gibt jegliche Art Rekord. Und Bäume sind Lebensräume für unzählige andere Lebewesen – auch für Tiere. Um einen Baum zu fällen bedarf es spezieller Ausrüstung. Diese wird ebenso vorgestellt wie all jene Zeitalter, die uralte Bäume bereits gesehen haben und verschiedenste Gebäude, Fortbewegungsmittel, Masken, Musikinstrumente und Behausungen, die ganz aus Holz bestehen. Von Menschen gezüchtete Sonderformen werden durch kreative Einsätze des Konzepts Baum gefolgt – beispielsweise in welchen Religionen Bäume eine Rolle spielen, in welchen Geschichten Wälder wichtig sind, wie sich Tiere im Wald tarnen und wer die Hüter des Waldes sind.

Überbordende Bilder

Beeindruckend an dem vorliegenden Buch ist die Art und Weise der Gestaltung. Denn hier wird eine Doppelseite in einem gewaltigen überformatigen Buch durch jeweils eine dünne Spalte Text ergänzt. Dieser ist dennoch sehr informativ, da er sich jeweils auf einen Teilaspekt von Bäumen bezieht. Die gezeichneten Bilder sind vermutlich aussagekräftiger als wenn es sich um Fotos handeln würde. Denn so konnte Illustrator Wojciech Grajkowski den Fokus dorthin lenken, wo man ihn braucht. Teilaspekte, die man sonst aus den Augen verloren hätte, werden betont, Menschen im Kontrast dazu dargestellt. Lediglich die etwas zu runden Augen mancher Tiere könnten ein wenig verwirrend wirken, das geht aber in der Menge der gelungenen Illustrationen völlig unter. Die Kombination aus Darstellung und Wissen ist so gelungen, dass man das Werk allen Eltern, die einmal ein etwas anderes Buch über die Natur suchen, nur empfehlen kann.

„Bäume“ ist mehr als nur ein Naturbuch. Piotr Socha und Wojciech Grajkowski haben Text und Bild auf eine Art vereint, die man insgesamt als Gesamtkunstwerk betrachten muss. Bäume werden aus allen möglichen und unmöglichen Blickwinkeln betrachtet. Und so ist das Werk nicht nur eines, das man unbedingt einmal durchgeblättert haben, sondern auch eines, das im Kinderzimmer nicht fehlen sollte.

Details

Bewertung

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