Als Oma immer kleiner wurde

von Inka Pabst, Mehrdad Zaeri (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 24. August 2017

Als Oma immer kleiner wurde

Im Leben von Kindern haben die Großeltern eine ganz besondere Rolle. Sie sind nach den Eltern die nächsten Bezugspersonen. Viele Kinder verbringen viel Zeit bei ihnen, fahren mit ihnen in den Urlaub und übernachten immer wieder dort. Die Großeltern verwöhnen sie und erzählen viele lustige Geschichten aus jener Zeit, als die Eltern selbst noch Kinder waren. Doch Großeltern bleiben nicht immer so aktiv und fit. Je älter die Enkel werden, desto älter und vor allem gebrechlicher werden die Großeltern. Langsam müssen die Kinder von ihnen Abschied nehmen - manchmal aber auch sehr schnell. Um genau diese Veränderung, diesen Abschied, geht es in dem Bilderbuch "Als Oma immer kleiner wurde".

Kleiner und kleiner und kleiner

Peppi ist ein fröhliches Mädchen, das am liebsten mit seiner Oma zusammen ist. Gemeinsam gehen sie einkaufen, spielen Gummihüpfen, schauen abends Ratesendungen im Fernsehen an und trinken dazu Traubensaft. Oma kocht die besten Kartoffelpuffer und fürchtet sich auch nicht davor, die Kohlen aus dem Keller zu hohlen. Doch irgendwann bemerkt Peppi etwas Seltsames. Ihre Oma wird mit einem Mal immer kleiner und schwächer. Nun muss das Mädchen ihr helfen, die schweren Einkäufe nach Hause zu tragen, Essen zu kochen und die Kohlen aus dem Keller zu holen. Bis Peppi eines Tages Oma nur noch leise flüstern hört und es Zeit wird, von ihr Abschied zu nehmen. Doch Oma ist nicht weg, sie lebt in Peppi weiter.

Als Oma immer kleiner wurde
Als Oma immer kleiner wurde
Als Oma immer kleiner wurde

Eine ganz besondere Geschichte über das Abschiednehmen und Loslassen

"Als Oma immer kleiner wurde" ist ein ganz besonderes Bilderbuch, das einmal völlig anders und völlig neu an das Thema Abschied, Tod und Trauer herangeht. Ungewöhnlich ist hierbei vor allem, dass das Wort "Tod" niemals erwähnt wird. Auch Sterben kommt nicht direkt zur Sprache, obwohl es gegenwärtig ist. Oft wird genau das kritisiert, dass Tod und Sterben tabuisiert und vor allem Kindern gegenüber nicht angesprochen werden. Doch ganz so ist es im Buch nicht. Denn hier werden die Veränderungen sehr wohl gezeigt. Zunächst ist es die Oma, die schwere Einkäufe trägt, die Peppi umsorgt und für sie da ist. Schleichend, wie im wahren Leben, wird Oma jedoch immer älter und schwächer, während Peppi größer wird. Plötzlich ist es die Oma, die Hilfe beim Tragen braucht. Der es schwer fällt, irgendwohin zu gehen und jeden Spaß mitzumachen. Sie kann nicht mehr für sich selbst kochen und die Kohlen aus dem Keller holen. All diese Dinge übernimmt nun Peppi, die sich selbst stärker und erwachsener fühlt. In dieser Entwicklung wird der Prozess des Lebens und der Veränderungen treffend beschrieben. Aus der Oma, die uns umsorgte, wird plötzlich jemand, den wir nun umsorgen müssen. Lediglich das Ende ist sehr fantasievoll beschrieben. Hier wären ein paar deutlichere und direktere Worte besser gewesen. Die Oma wird am Ende so klein, dass sie in Peppis Ohr passt und von nun an dort lebt. Auch das ist eine Metapher, denn geliebte Menschen leben nach ihrem Tod in unseren Herzen weiter. Vermutlich will die Autorin genau das zum Ausdruck bringen, doch gelingt es ihr nicht ganz so überzeugend.
Begleitet wird die gefühlvolle und außergewöhnliche Geschichte von ebensolchen Illustrationen. Auf vergilbt wirkendem Papier zeichnete der Illustrator mit Bleistift seine Zeichnungen. Sie sind sehr schlicht und einfach; zeigen nur das wesentliche, bekommen aber genau dadurch unglaublich viel Tiefe. Die Verbundenheit zwischen Enkeltochter und Großmutter, die Veränderungen und den Abschied am Ende hätte man kaum besser einfangen können, als Mehrdad Zaeri es mit seinen minimalistischen, aber kraftvollen Bildern tat.

"Als Oma immer kleiner wurde" ist ein außergewöhnliches und anderes Bilderbuch rund um die Themen Abschied, Tod und Trauer. Kraftvoll und gefühlvoll beschreibt es die Veränderungen zwischen Enkel und Großmutter, erzählt, wie die eine heranwächst und größer wird, während die andere älter und schwächer wird, bis sie schließlich Abschied voneinander nehmen müssen. Es ist ein ganz besonderes Buch, welches das traurige Thema zwar nicht direkt anspricht, aber auch nicht tabuisiert. Vielmehr hilft es auf sanfte Weise, Kinder an das Thema Tod heranzuführen.

Details

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