Wie man den Wind aufhält

von Lynda Mullaly Hunt
Rezension von Emilia Engel | 14. Oktober 2020

Wie man den Wind aufhält

Delsie ist im Grunde ein glückliches Mädchen. Als ihre Freundin sie danach fragt,  wie es sich anfühlt eine Waise zu sein, gerät jedoch Delsies Gedankenkarussell in Fahrt und sie stellt sich viele Fragen. Warum hat ihre Mutter sie verlassen? Doch nicht nur Fragen zu ihrer Familie kreisen in ihrem Kopf. Auch Freundschaft ist ein großes Thema, das das Mädchen beschäftigt. Es ist eine Zeit des Umbruchs und viele Dinge verändern sich.

Delsie lebt bei ihrer Großmutter auf Cape Cod. Ihr Großvater ist erst vor wenigen Monaten gestorben und sowohl Delsie als auch ihre Grammy vermissen ihn sehr. Dennoch sind die beiden nicht alleine, denn die kleine Siedlung mit den wenigen Häusern in denen sie leben, ist wie eine kleine Familiengemeinschaft. Ihre Nachbarn Esme und Henry, die eine kleine Tochter haben, sind wie Eltern für Delsie. Auch ihre immer mürrisch dreinblickende Nachbarin Olive ist immer für sie da, auch wenn sie es so nie zugeben würde.
Delsies Leben ist bescheiden und dennoch hat sie alles, was sie braucht. Ihr großes Hobby ist es, das Wetter zu beobachten. Dafür hat sie ein großes Talent. Sie liebt Wind und Unwetter, überhaupt liebt sie das Leben am Strand.
Erst ihre Freundin Aimee bringt sie dazu, mehr über ihre Mutter nachzudenken. Über das Loch, das ihr Fehlen in ihr hinterlassen hat und von dem sie nicht sicher ist, dass ihre Grammy dieses füllen kann. Wie viel Glück doch andere Kinder mit Eltern haben!
Doch es kommt noch dicker, denn ihre Freundin Brandy, die jeden Sommer auf Cape Cod verbringt, hat sich verändert. Plötzlich sind Brandys Interessen andere. Zu allem Übel taucht  noch Tressa auf, die Delsies Freundin für sich beansprucht und anfängt Delsie zu mobben. Wie soll es mit dieser Freundschaft nur weitergehen? Wie konnte es so weit kommen?
Zum Glück gibt es da auch noch einen Jungen, der neu in ihre Gegend gezogen ist - Ronan. Er trägt sein eigenes Päckchen mit Familientragödien. Während er von vielen schräg angeschaut wird, freundet sich Delsie sofort mit ihm an. Beide genießen es, zusammen den Strand zu erkunden. Gemeinsam finden sie viel über das Thema Familie und Freundschaft heraus. Ebenso finden sie Kraft, das Leben so anzunehmen, wie es ist und sich allen Widrigkeiten zu stellen.

Lynda Mullay Hunt hat mit “Wie man den Wind aufhält” einen wunderbaren Jugendroman für Kinder ab ca. elf Jahren geschrieben. Es ist ein liebevoll geschriebenes Buch über die Themen Freundschaft und Familie und letztlich auch darüber, was Glück ist.
Delsie ist eine ganz besondere Protagonistin. Sie macht im Laufe des Buches eine große Entwicklung durch - sie wird stark und selbstsicher. Ihr einfaches Leben bei ihrer liebevollen Großmutter hat sie für die Schönheit der Natur und vieler Kleinigkeiten empfänglich gemacht, während ihre langjährige Freundin Brandy dem Glitzer der Konsumwelt und ihrer manipulativen neuen Freundin zu verfallen scheint. Es verletzt Delsie sehr, dass Brandy sich von ihr abwendet und sie gemeinsam mit Tressa schlecht behandelt. Doch Delsie muss erst lernen, das zu verarbeiten und damit umzugehen. Dabei hilft ihr die neue Freundschaft mit Ronan. Sie sind Freunde, die wunderbar zusammenpassen. Jeder bringt seine Portion an Wut und Trauer mit. Doch sie verstehen einander.
Auch die kleine Siedlung hat die Autorin ganz wunderbar beschrieben, sodass sich der Leser und die Leserin wünschen auch Teil von so einer Gemeinschaft zu sein. Delsie mag zwar keine Eltern haben, doch sie hat um sich herum viele Menschen, die sie lieben und sich wie eine Familie um sie kümmern. Genau das ist es, was im Leben zählt. Familie muss nichts mit Blutsverwandtschaft zu tun haben. Familie kann so viel mehr sein als das. Das macht diesen Roman zu so einem gute Buch, denn es ist vollgepackt mit vielen kleinen Weisheiten, Liebe und Wertschätzung.
Es ist gut, dass es hier nicht darum geht, Delsies Mutter zu finden,  sondern einfach darum zu erkennen, wie viel Glück jemand eigentlich haben kann, obwohl es auf den ersten Blick vielleicht anders aussieht. Wie zum Beispiel ein Mädchen, das Waise ist und  bei ihrer Großmutter aufwächst.

“Wie man den Wind aufhält” ist ein sehr empfehlenswertes Buch für junge Leser. Sensibel, feinfühlig und kindgerecht geht die Autorin auf die Themen Verlust, Familie und Freundschaft ein. Die junge Leserschaft kann sich daraus ein positives Gefühl für Freundschaft und Familie mitnehmen und gewinnt einen neuen Blickwinkel über die Familie. Das Buch bietet sich gut an, um nach der Lektüre über verschiedene Themen zu diskutieren. “Was bedeutet Familie für dich? Und was bedeutet sie für deine Freunde? Wie unterscheiden sich die Freundschaften von Delsie zu Brandy und der zu Ronan?”

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    Shouting at the rain
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    09/2020
  • Umfang:
    320 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    10 Jahre
  • ISBN 13:
    9783570165843
  • Preis:
    15 €

Bewertung

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