I Can See U

von Matthias Morgenroth
Rezension von Janett Cernohuby | 15. Februar 2019

I Can See U

Seit seiner Erfindung umgibt das Internet eine düstere Aura. Böse Menschen lauern dort, um uns Schaden zuzufügen. Natürlich ist es eine Verallgemeinerung, dennoch sollte man gewisse Regeln beachten, wenn man im Netz unterwegs ist. Medienkompetenz ist das Schlagwort. Doch wie kompetent sind wir wirklich? In Zeiten von WhatsApp, Instagram, YouTube und anderen Sozialen Netzwerken gehen wir doch oftmals zu leicht mit unseren persönlichen Daten um. Was soll schon passieren, lautet so manche Antwort, man habe ja nichts zu verbergen. Matthias Morgenroth, Reporter und Redakteur beim Bayerischen Rundfunkt hat die Themen Daten, Vernetzung und damit einhergehende Gefahren in einem topaktuellen Jugendroman zu einer packenden Geschichte verwoben: „I Can See U“.

Smarte Technologie und clevere Auswertung

Marie ist fasziniert von Ben, dem Neuen in ihrer Klasse. Er sieht gut aus, ist freundlich, zuvorkommend und auch ein guter Zuhörer. Er hat immer die besten Tipps für Freizeitaktivitäten auf Lager und scheint sich auch bei angesagten Trends bestens auszukennen. Während Marie versucht Ben näherzukommen, geschehen merkwürdige Dinge in der Klasse. Schüler bekommen Produkte zugeschickt, die sie in Gesprächen untereinander erwähnten. Bald schon tauchen gefakte Bilder im Klassenchat auf, die Mitschüler in sehr eindeutigen und intimen Situationen zeigen. Geheimnisse, die nur wenige kennen, werden öffentlich gemacht. Das führt zu Beschuldigungen und Verdächtigungen untereinander und die Stimmung in Maries Klasse wird immer schlechter. Als Marie zufällig einen Gesprächsfetzen zwischen Ben und dem Direktor auffängt, in dem es um einen Auftrag geht, gerät eine Lawine ins Rollen, deren Folgen fatal sind.

Topaktuell und hochbrisant

Matthias Morgenroth erzählt in seinem Jugendroman „I Can See U“ eine hochbrisante und aktuelle Geschichte. Dabei greift er große Themen wie Big Data, Datenauswertung, aber vor allem auch Datenpreisgabe und Leichtsinnigkeit im Umgang damit sowie smarter Technologie auf. KI, Künstliche Intelligenz, ist ein Thema im Buch.
Alles Quatsch, zu weit hergeholt? Vielleicht die Sache mit Ben, die technisch (noch) nicht möglich ist, die man aber als schriftstellerischen Kunstgriff sofort akzeptiert, der auch verdammt gut gelungen ist. Er bringt die nötige Dramatik und den Nervenkitzel in die Geschichte ein. Er lässt uns Fingernägel kauend weiterlesen, manchmal hochschrecken und einen prüfenden Blick um uns werfend, bis wir am Ende das Buch zuklappen und mit ganz vielen Fragen dastehen. Das sind nicht nur Fragen, wie es mit Marie, ihren Mitschülern, Ben, den Lehrern und vor allem dem Direktor weitergeht. Nein, es sind vor allem Fragen über den Umgang mit den eigenen persönlichen Daten, mit smarten Geräten und mit sozialen Kanälen. Man beginnt sein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu hinterfragen.
Mit einer sehr einfachen Handlung, ganz normalen Teenagern und vor allem gut bekannten Geräten sowie Apps schuf Matthias Morgenroth eine Handlung, die den Leser sofort fesselt. Wer ist dieser Ben? Woher kommt er und was hat er wirklich vor? Zumal diese Frage am Ende noch viel interessanter wird.
Für die Zielgruppe, also jugendliche Leser ab zwölf Jahren, ist das Thema nicht nur spannend und packend, sondern vor allem auch verständlich und gut greifbar umgesetzt. Es wird gezeigt, wie wir Menschen auf KIs reagieren und wie eine KI auf uns reagieren könnte. Es wird die Bedeutung von unseren persönlichen Daten - zu denen nicht nur Name, Hobbys, Adresse sondern auch Fotos gehören - und der Umgang damit ins Zentrum gerückt. Wer Daten und Informationen über Menschen hat, hat Macht und diese Personen in der Hand. In der heutigen Zeit ist es so leicht, ein Foto zu fälschen, zu verändern oder Gesichter in ein anderes Bild einzufügen. Plötzlich kommt man in Verruf, wird in eine Schublade gesteckt, aus der man nicht mehr herauskommt. Fake-Informationen zu verteilen, ist einfach,  sie richtigzustellen, fast unmöglich. Das geht auch den Figuren im Buch so - Marie, ihren Freunde, Ben, dem Direktor der Schule. Sie alle werden in einen Strudel gezogen, der sie immer weiter hinabzieht, ihre Leben werden zerstört oder sich auf diese wenigstens negativ auswirkt. Ein Happy End gibt es nicht, aber ein offenes Ende, das den Leser mit vielen Fragen zurück lässt. Es ist ein Buch, das wir alle - Jugendliche, Eltern, Lehrer - brauchen. Es ist ein Buch, das uns daran erinnert, was es bedeuten kann, leichtfertig seine Daten preiszugeben. Es ist aber kein Buch, das smarte Technologie, Geräte oder das Internet verdammen will. Das tut der Autor keineswegs. Er mahnt lediglich zu einem bewussten Umgang damit.

Matthias Morgenroth zeichnet in seinem Jugendroman „I Can See U“ ein Szenario, dem man als Leser zunächst mit Spannung folgt, das aber bald schon eine Gänsehaut verursacht. Der Autor führt uns die Folgen von einem leichtfertigen Umgang mit unseren Daten und mit smarten Geräten vor Augen. Er will uns aber keine Angst machen, sondern zum Nachdenken und zur Selbstreflektieren anregen.

Details

  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2019
  • Umfang:
    299 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    12 Jahre
  • ISBN 13:
    9783649631903
  • Preis:
    16,00 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch: