Später, sagt Peter

von Yvonne Hergane, Christiane Pieper (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 23. September 2020

Später, sagt Peter

Unser Alltag wird bestimmt von Zeit und Zeitdruck. Wir eilen hierhin und dahin, wir müssen dieses und jenes erledigen. Hinter uns schleifen wir unsere Kinder her, hetzen und treiben sie zur Eile. Zeit ist ein kostbares Gut. Doch manchmal müssen wir uns einfach ein großes Stück dieser Zeit nehmen, um sie schlichtweg zu Vertrödeln. Denn im Trödeln sehen und erleben wir mehr. Genau das ist die Botschaft von Yvonne Herganes Pappbilderbuch „Später, sagt Peter.“

Vom Eilen und Trödeln

Ein hektischer Blick auf die Uhr, ein drängelndes „Beeil dich“, von der Mutter. Die Zeit drängt und sie mahnt Peter, sich zu beeilen. Immer wieder und in jeder Situation. Doch Peter will sich nicht beeilen. Er will nicht durch die Straßen hetzen, sondern in Ruhe seinen Blick durch die Welt schweifen lassen. Gibt es in ihr doch so viel zu sehen: den Marienkäfer auf der Treppe, die Regentropfen, die vom Himmel fallen, die duftenden Blumen, Nachbars lieben Hund, Pusteblumen, die durch den Wind fliegen. Doch die Mutter hat keine Zeit, sie kennt nur Eile. Da schenkt Peter ihr Zeit und plötzlich wird ihr klar: Wer sich Zeit lässt und die Welt in Ruhe betrachtet, der kann so viel Spaß haben.

Später, sagt Peter

Eile mit Weile

Unser Alltag ist vollgestopft mit Terminen, Pflichten und Aufgaben. Alles das nimmt uns gefangen und treibt uns an. Wir hetzten durch den Tag und ziehen dabei unsere Kinder hinterher.
Ist das nicht schade?
Wäre es nicht viel schöner, wir würden uns einfach mal Zeit nehmen? Zeit für mehr Ruhe, Zeit für unsere Kinder, Zeit mit ihnen die Welt zu entdecken? Peters Mutter erkennt das. Auch sie hetzt durch den Tag, treibt ihren ihren Sohn immer wieder zur Eile an. Der wiederum trödelt, lässt sich von der Hektik nicht anstecken, sondern geht mit offenen und staunenden Augen durch die Welt. Natürlich spürt er den Druck sehr wohl und fragt sich, warum Mama nie Zeit hat. Er hat viel Zeit. Es ist einfach rührend, wie der kleine Junge mit kindlicher Unschuld seiner Mama Zeit schenkt. Und was macht sie? Sie hält inne, sie denkt über das Geschenk nach. Und sie versteht, was Peter ihr sagen will. Also tritt sie einen Schritt zurück, nimmt ihren Peter in den Arm und macht es ihm gleich: Sie trödelt und entdeckt die Welt noch einmal neu.
Mit einer klaren, einfachen Sprache und kurzen Reimen erzählt Yvonne Hergane ihre Trödelgeschichte. Sie zeigt uns immer wieder, wie viel mehr wir sehen, wenn wir langsam machen. Christiane Pieper zeichnete dazu die Bilder, ebenfalls entschleunigt, plakativ und mit klaren Formen. Sie zeigt uns die Welt aus Peters Perspektive. Durch ihre Bilder sehen wir was Peter alles erlebt und was er wahrnimmt. Wir bekommen sein Zeitgefühl gezeigt und können nicht anders, als uns mit ihm an den vielen kleinen Dingen zu freuen. Diese Bilder lassen die Hektik und Eile im Hintergrund verschwinden und holen die Ruhe und das Trödeln in den Vordergrund. So unterstreichen sie den Text und gehen mit ihm eine perfekte Symbiose ein.

Später, sagt Peter

„Später, sagt Peter“ ist ein liebenswertes Pappbilderbuch, dass uns daran erinnert, wie schön Trödeln sein kann. Zeit ist etwas Kostbares, das man genießen und auskosten soll. Am besten so, wie es Peter tut. Denn dann erst können wir auch Zeit zurückgewinnen, die verloren schien.

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