Pardon Bonbons

Antolin Quiz
von Marjaleena Lembcke, Malin Neumann (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 19. Januar 2018

Pardon Bonbons

Entschuldigung.
Ein einfaches Wort, das dennoch schwer auszusprechen ist. Wir haben Angst vor unserem Gegenüber das Gesicht zu verlieren oder dass er die Entschuldigung nicht annimmt. Doch für eine Entschuldigung ist es nie zu spät, ganz egal wie viel Zeit vergeht. Davon erzählt auch Marjaleena Lembecke in "Pardon Bobons".

Mit Bonbons zur Entschuldigung

Seit vielen Jahren betreibt Herr Hoi einen kleinen Laden in Deutschland. Dort verkauft er Bonbons und andere kleine Süßigkeiten. Die Leute kommen gerne zu ihm, denn Herr Hoi ist immer freundlich und höflich zu ihnen. Überhaupt hat er ein sehr sonniges Gemüt und kann sich nicht vorstellen, dass andere von sich aus Böses tun. Eines Tages kommt eine Gruppe Kinder in seinen Laden. Sie gibt vor, jemanden zu suchen. Herr Hoi kann ihnen zwar nicht helfen, gibt ihnen aber zum Abschied eines seiner Bonbons mit auf den Weg. So geht das eine Zeitlang weiter. Sein Sohn schimpft mit ihm, hat er doch schon lange mitbekommen, was die Kinder wirklich im Sinn haben. Doch auch Herr Hoi ist sich dessen bewusst. Aber er gibt seine Bonbons nicht ohne Grund, denn es sind ganz besondere Bonbons. Pardon Bonbons.

Eine Geschichte voller Lebensweisheiten

Marjaleena Lembckes Bilderbuch enthält nicht einfach nur eine Erzählung, die unterhalten will. Nein, die Autorin will ihren jungen Lesern auch kleine Lebensweisheiten mit auf den Weg geben. Es ist eine leise, sanfte Geschichte. Wir lernen Herrn Hoi kennen, einen sehr freundlichen und gutmütigen Herrn, dem der Verkauf von Süßigkeiten große Freude bereitet. Seine Kunden schätzen ihn aufgrund seiner Höflichkeit, halten ihn aber gleichzeitig für weltfremd und naiv. Doch das ist Herr Hoi keineswegs. Er kann sein Gegenüber sehr gut einschätzen und weiß, woran er ist. Vor allem versucht er nicht lautstark auf Unrecht aufmerksam zu machen, sondern macht es leise und mit freundlichen Gesten. Darum begegnet er auch den vier Kindern, die nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind, mit Höflichkeit. Geduldig beantwortet er ihnen immer wieder ihre Fragen und hofft darauf, dass sie ihre Fehler einsehen. Er wartet auf den richtigen Moment, um ihnen zu zeigen, dass sie zu weit gegangen sind. Freundlich, ruhig und still, ganz so wie es Herrn Hois Art ist. Doch seine Botschaft kommt an. Es dauert etwas und viele Jahre gehen ins Land.
Die Geschichte wirft Fragen über Moral und Verhalten auf. Sie regt zum Nachdenken an und man fragt sich unweigerlich, wie man wohl selbst reagieren würde, wenn man an Herrn Hois Stelle wäre. Hätte man so lange und geduldig ausgeharrt? Oder hätte man womöglich viel früher, viel aufgeregter die Kinder in die Schranken gewiesen? Hätte Herr Hoi dann vielleicht früher eine Entschuldigung erhalten? Wäre diese Entschuldigung überhaupt ernst gemeint gewesen? Käme sie ebenso von Herzen, wie die, die ihn Jahre später erreicht? Hat Herr Hoi am Ende gar mehr bewirkt, als es im ersten Moment erscheint? Neben den Fragen nach richtigem und falschem Verhalten zeigt uns die Geschichte auch, dass es niemals zu spät für eine Entschuldigung ist. Dabei bedarf es nicht einmal vieler Worte und selbst eine schlichte Geste kann viel bewirken.

"Pardon Bonbons" ist eine stille und süße Geschichte. Sie löst ins uns Fragen nach Moral und angemessenem Verhalten aus. Sie regt zum Nachdenken und miteinander sprechen an und wirkt auch nach dem Zuklappen des Buchs noch in uns nach. Ein wunderschönes Bilderbuch, das wir wärmstens empfehlen.

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