Dunkel war's, der Mond schien helle

von Christa Unzner (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 22. Dezember 2017

Dunkel war's, der Mond schien helle

Ein jeder kennt wohl den Anfang dieses Gedichts: "Dunkel war's, der Mond schien helle…". So mancher bekommt vielleicht noch die eine oder andere Zeile zusammen. Wo genau das Scherzgedicht seinen Ursprung hatte, ist zwar nicht geklärt, dafür weiß man aber, dass 1987 ein Bilderbuch mit diesen Versen erschien. Der leiv Verlag hat dieses wieder aufgelegt und so kann man sich noch heute an den herrlich skurrilen Illustrationen von Christa Unzner erfreuen.

Eine einmalige Lügengeschichte

"Dunkel war's, der Mond schien helle,
Schnee lag auf der grünen Flur…"
So beginnt die alte Volksweise, deren Ursprung im Dunkeln liegt. Freilich gibt es viele Vermutungen. Fakt ist, dass aus der ursprünglichen Form zahlreiche andere Varianten hervorgegangen sind. Sie erzählen von toten Hasen, die Schlittschuh laufen, von blonden Jünglingen mit schwarzen Haaren, ollen Schrullen, die mit Schmalz bestrichene Butterstullen essen, von Apfelbäumen mit süßen Birnen und manch anderem aberwitzigen Oxymoron. Genau das ist es, was diese Lügenverse so zeitlos, ansprechend und humorvoll macht. Die Gegensätze, die es eigentlich nicht gibt, die Widersprüche und die völlig verqueren Begebenheiten. Das alles beflügelt die Fantasie, vor allem die der Kinder. Sie lachen, sie analysieren und sie spinnen eigene Gedankenketten.

Zeitloser Kinderbuchklassiker

Die hier abgedruckte Form besteht aus fünf Strophen, eine pro Doppelseite. Dabei lebt das Buch vor allem von seinen brillanten Illustrationen. Geschaffen in den 1980igern von Christa Unzner greifen diese die Oxymora und die Paradoxe grandios auf. Sie sind skurril, abstrakt und vor allem voller Widersprüche. Eben genauso, wie das Gedicht. Surrealistisch bewegen sich die Figuren aus den den Versen durch die Szenen. Diese sind wimmelbuchähnlich aufgebaut, zeigen zahlreiche, für sich stehende Motive, die als Ganzes betrachtet ein humorvolles und witziges Gesamtbild ergeben. Sie fangen den Blick des Betrachters ein, zeigen ihm Widersprüchliches, Unmögliches und Gegensätzliches. Dabei sind die Darstellungen so überzogen, dass man genau deswegen das Bild bedeutend länger und intensiver ansieht. Nicht nur Erwachsene, sondern vor allem Kinder. Für sie ist diese Nonsensgeschichte einfach perfekt. Sie bedient ihre kindliche Fantasie, sie regt diese an und ruft ihnen zu "leb sie auf diesen Seiten aus". Kinder werden das Buch lieben. Sie werden es mit Begeisterung betrachten, anfangs vielleicht noch etwas skeptisch, doch bald schon wächst die Freude und sie blättern mit leuchtenden Augen von einer Seite zur nächsten.
Es ist verblüffend, wie dieses alte, alberne und völlig überzeichnete Gedicht mit den richtigen Bildern zu etwas ganz Neuem wird. Wie es ein Eigenleben entwickelt, uns anregt und unsere Fantasie beflügelt. Fantasie, die vor allem Kinder brauchen. Mit diesem Buch dürfen sie sie voll und ganz ausleben und sogar weiterspinnen.

"Dunkel war's, der Mond schien helle" ist ein faszinierendes Bilderbuch, das mit seinem komischen Nonsensgedicht zum Schmunzeln und Lachen einlädt. Seine fantasievollen Illustrationen beflügeln unsere Fantasie und begeistern ebenfalls durch ihre paradoxen Szenen. Ein großartiges Bilderbuch, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

Details

Bewertung

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