Der Mensch


oder: Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner
von Jan Paul Schutten, Floor Rieder (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 18. Oktober 2016

Der Mensch

Auch wenn wir selbst nur selten darüber nachdenken, ist der menschliche Organismus ein Wunder. Andere würden sagen, er ist eine unglaublich komplexe Maschine, mit einer Vielzahl an verschiedenen Mechanismen. Um all dies an junge Leser zu vermitteln bedarf es Literatur abseits jener, die man im Biologieunterricht vorgesetzt bekommt. Denn trocken und mit möglicherweise zu detaillierten Fotos versehen, sollte ein solches Buch nicht sein. Unter dieser Prämisse ist wohl „Der Mensch – oder: Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner“ entstanden.


Eingeleitet wird das Buch mit einer Begründung, warum der Leser – ein Mensch – ein Buch über sich verdient, und auch warum Wissenschaftler Wichtigtuer sind. So verspricht das Werk, vieles einfacher auszudrücken als gängige Fachbücher. Daher beginnt man gleich mit amüsanten Illustrationen, die das erste Rennen des menschlichen Lebens darstellen. Mit einigen weiteren Empfehlungen geht es dann ins Detail.
Beziehungsweise ins Innere der menschlichen Zellen, die ja unterschiedliche Funktionen besitzen aber trotzdem aus den gleichen Bausteinen gemacht sind. Hier wird sowohl auf erstere, als auch auf zweitere eingegangen, ohne jedoch den humorvollen Erzählton zu verlieren oder tatsächlich so sehr ins Detail zu gehen, dass man das Interesse verliert. So geht es unter anderem auch um Ninja-Roboter-Zombies.
Der menschliche Körper besteht aus ganz unterschiedlichen Teilen, darunter Muskeln, Knochen, Haut und vielem mehr. Allerdings hat es eine ganze Weile gedauert, das herauszufinden. Wie die Teile interagieren, wie man das erforscht hat und was welche graue Zelle wirklich tut, wird ebenfalls näher besprochen und (witzig) illustriert.
Dem Altern, Lügen und Schlaf wird genauso Raum eingeräumt wie unterschiedlichen Organen, ihren Funktionen und ihrem (teils) kreativen Einsatz. Wer ein ganzes Flugzeug essen kann, verdient Erwähnung, genauso wie die vielen Bakterien in uns, mit denen wir gut zusammenarbeiten. Auch Sinnesorgane, Fortpflanzung, Schwangerschaft und warum es gar nicht so übel ist, tot zu sein, findet hier seinen Platz.

Der Verfasser dieses Buchs stellt in der Danksagung fest, weder Biologe noch Mediziner zu sein. Vermutlich ist es das, was dem Buch besonders gutgetan hat. Denn die Herangehensweise an die verschiedenen Kapitel und Themen ist zwar strukturiert, geht jedoch stets von der Intention aus, über Körperteile und -funktionen mehr zu wissen. Das ist ein anderer Ansatzpunkt als ein streng analytischer, bei dem man alles in kleine Bestandteile zerlegt und diese dann in irgendeiner (wie auch immer gearteten) Reihenfolge abzuarbeiten. Hier wird punktuell näher betrachtet, weniger Interessantes weggelassen und alles mit großartigen Scherzen und Anspielungen garniert. Kommentare darüber, dass der Leser ruhig einen Ratgeber zum Abnehmen schreiben könne, auch ohne Ahnung zu haben, geht Hand in Hand mit der Information, wie man deutsche Spione in Holland enttarnt. Die Illustrationen schwanken von groben schematischen Aufbauten bis hin zu amüsanten Umschreibungen der eigentlichen Thematik. So gefällt das Werk bestimmt schon optisch. Das Buch selbst wird ab zehn Jahren angegeben, obwohl das möglicherweise etwas früh ist, um alle vorkommenden Anspielungen und Scherze zu verstehen. Aber in jedem Fall kann man festhalten, es ist schlicht und einfach genial.

„Der Mensch – oder: Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner“ ist mehr als nur ein Buch. Das vom Niederländer Jan Paul Schutten verfasste und von Floor Rieder illustrierte Werk stellt nicht nur eine Exkursion in und eine Huldigung an den menschlichen Körper dar. Es ist auch eine Ansammlung an Anekdoten, Witzen und umschreibenden Illustrationen, dass man so viel zu lachen hat, wie in kaum einem Sachbuch. Auch wenn die Altersgruppe ab 10 vielleicht etwas niedrig gegriffen ist, können wir das Werk nur empfehlen.

Details

Bewertung

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