Glas-Trilogie

Das hungrige Glas

von Heiko Hentschel
Rezension von Stefan Cernohuby | 04. Dezember 2019

Das hungrige Glas

Längst sind es nicht nur mehr englischsprachige Autoren, die junge Leser in düstere, ein wenig bedrohliche Welten entführen. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es Menge entsprechender Literatur. Darunter befindet sich „Das hungrige Glas“ von Heiko Hentschel, in dem es um Waisenkinder, Monster und Monsterjäger geht. Aber ist das auch genug?

Moritz und Konstanze haben es im Waisenhaus ohnehin nicht leicht. Als dann nach einem Streit mit seiner jüngeren Schwester diese von einem greifenartigen Monster entführt wird, scheint ein Albtraum wahr zu werden, zumal ihm natürlich niemand glaubt. Tatsächlich wird von den Betreuern behauptet, seine Schwester wäre davongelaufen. Also sieht Moritz keine andere Möglichkeit als sich selbst auf die Suche zu machen und dem Monster aufzulauern. Tatsächlich gelingt ihm das, doch die Bestie schüttelt ihn ab. Und dabei macht er Bekanntschaft mit dem seltsamen Monster- und Dämonenjäger Edgar, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Dieser lebt gemeinsam mit seiner Schwester Helene zurückgezogen und hält alle möglichen Monster in Gefangenschaft. Nach langem Zureden verspricht er, Moritz bei der Befreiung seiner Schwester zu helfen. Doch zuerst will er Moritz etwas Training und einen Crashkurs darüber angedeihen lassen, was es heißt, sich mit den Mächten der Finsternis anzulegen. Und Moritz stellt so fest, dass längst nicht seltsamen Wesen böse sind. Manche, wie zum Beispiel Boogelbies sind zum Beispiel hilfreich, wenn es dunkel wird. Doch dann steht die Konfrontation mit einem Unbekannten Widersacher auf dem Weg. Und einem uralten kleinen Mädchen, das offenbar unter einer Freundin etwas ganz anderes versteht als Menschen.

„Das hungrige Glas“ macht vieles sehr gut. Es vereint Ansätze skandinavischer Legenden mit einem kauzigen Nebencharakter und ansprechend nebulöser Hintergrundgeschichte. Auch die vorkommenden Monster bieten eine Mischung aus tatsächlicher Bedrohung und amüsanten Anekdotenlieferanten. Erst im letzten Drittel des Buchs wird es dann wirklich dramatisch – besonders als die Antagonisten immer mehr zu Wort kommen. Und dieser Spagat gelingt nicht völlig. Denn man erhält als Leser plötzlich mehrere Charaktere vorgesetzt, deren Zeit abläuft. Das kommt relativ unvermittelt und wirkt beinahe so, als hätte das der Autor erst im Verlauf der Handlung so entschieden, um den Spannungsbogen nochmals nachzuschärfen. Etwas unglücklich gewählt ist auch der Name der Trilogie, in welcher „Das hungrige Glas“ den ersten Teil bildet. Denn „Glas-Trilogie“ suggeriert schon, dass gewisse Dinge nicht zu Ende sind. Wie dem auch sei – die positiven Aspekte überwiegen und das Buch ist für die Zielgruppe ab zwölf Jahren sehr gut abgestimmt. Die Handlung ist nicht übertrieben komplex aufgebaut und die Anzahl der Charaktere überschaubar. Wer also auf der Suche nach einem teils grusligen, teils lustigen und etwas magischen Jugendabenteuer im frühen 19. Jahrhundert ist, liegt mit dem vorliegenden Buch sicher nicht falsch.

„Das hungrige Glas“ von Heiko Hentschel ist nicht nur der erste Band der „Glas-Trilogie“, es ist auch ein magisch-monströses Abenteuer eines jungen Protagonisten im frühen 19. Jahrhundert. Das Buch entnimmt einige Ansätze aus verschiedenen Monster-Pantheons, verbindet düstere Elemente mit amüsanten und abenteuerlichen Situationen. Das macht das Werk für Leser ab 12 Jahren zu einem Geheimtipp, auch wenn es einige kleinere Kritikpunkte gibt. Doch letztendlich kann das Abenteuer überzeugen.

Details

Bewertung

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