Ben und die Wale


Eine wunderbare Reise
von Ingrid Mennen, Irene Berg (Illustration)
Rezension von Katrin Hof | 29. August 2016

Ben und die Wale

Die Beziehung zwischen Großeltern und ihren Enkeln ist oft besonders innig. Großeltern nehmen sich ausreichend Zeit, sind der Ruhepol im stürmischen Familienalltag und stärken die Wurzeln ihrer Enkelkinder. Der Tod der Großeltern ist für Kinder schwer zu ertragen, da er mit viel Schmerz und Trauer verbunden ist. Wie der schmerzhafte Verlust des Großvaters bewältigt werden kann, damit befassen sich Ingrid Mennen und Irene Berg in ihrem eindrucksvollen Bilderbuch „Ben und die Wale. Eine wunderbare Reise“, das im kunstanst!fter Verlag erschienen ist.

Das Beobachten der Wale ist eine besondere Leidenschaft, die Ben und seinen Großvater verbindet. Gemeinsam auf einer Klippe stehend, erzählt der Großvater seinem Enkel spannende Geschichten über die Meeresgiganten. Doch eines Tages verstummt das Singen der Wale. Der Großvater stirbt und Ben muss Abschied nehmen. Bens Vater geht mit ihm an jenen Ort, an dem er dem verstorbenen Großvater nah sein kann. Die Schwere des Verlustes und die Stille, die die beiden überkommt, weichen von ihnen, als der Vater Ben eine Geschichte erzählt. Diese lehrt ihn, dass man sich durch den Wellengang des Lebens auf eine wunderbare Reise machen kann, wenn man den Schmerz loslässt.

Genauso sanft wie die „fliegenden Giganten“ durch das Meer gleiten, schildert Ingrid Mennen in ihrem bewegenden Bilderbuch „Ben und die Wale. Eine wunderbare Reise“ den Verlust und die Trauer eines geliebten Menschen. Still, aber sehr berührend und nachvollziehbar erzählt sie von der tief verwurzelten Verbundenheit zwischen Ben und seinem Großvater, die durch den Tod des Großvaters erlischt. Ähnlich wie bei Walen scheint diese feste Bindung über den Tod hinaus zu bestehen, denn diese Geschichte handelt nicht nur von Schmerz, sondern auch von schönen Erinnerungen, dem Loslassen und den „Flügeln“, die Kinder benötigen, um sich auf ihre eigene Reise zu begeben. Melancholisch widmet sich die Autorin dem Trauerprozess, der vom Vater begleitet wird. Dieser führt über „Opas Weg“ hin zu gemeinsamen Schauplätzen, an denen der Verlust gemeinsam verarbeitet wird. Auch wenn das Abschied nehmen schwer fällt, zeigt sich, dass Ben seinen Weg kennt und sich Schritt für Schritt entfalten kann, denn er besitzt nun Wurzeln und Flügel.
Die Besonderheit dieses Bilderbuches ergibt sich einerseits aus der beeindruckenden Illustration und andererseits aus der Umsetzung dieser schwierigen Thematik. Die stimmungsvollen Bilder von Irene Berg umrahmen die gefühlvolle Geschichte und bringen die Trauerphasen zum Ausdruck. Darüber hinaus taucht der Leser in die Welt der Wale ein. Die Vorsatzseite enthält Auszüge aus dem Sammelalbum, das der Großvater gemeinsam mit Ben gebastelt hat. Darin finden sich liebevoll bebilderte Skizzen, Notizen sowie spannendes Hintergrundwissen über die Meeressäuger. Die Geschichte wird nicht in der Ich-Form erzählt, ist jedoch gut verständlich und in einfachen Worten formuliert und richtet sich an Kinder ab drei Jahren. Durch die einfache Sprache und die mitfühlende Handlung können sich Kinder gut in Bens Gefühlswelt hineinversetzen.

„Ben und die Wale. Eine wunderbare Reise“ von Ingrid Mennen und Irene Berg ist ein gefühlsbetontes, sanftes Bilderbuch über den Verlust eines Großvaters. Es erzählt vom Abschied nehmen, dem Trauerprozess und den Wurzeln und Flügeln, die ein Kind von Großeltern erhalten kann. Die einfühlsame Geschichte eignet sich für Kinder ab drei Jahren. Sie hilft Kindern den Tod eines Großvaters besser zu bewältigen und vermittelt darüber hinaus die Botschaft, dass man sich durch das Loslassen entfalten kann.

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