Anna ist richtig wichtig

von Susanne Porzelt, Barbara Breen (Illustration)
Rezension von Katrin Hof | 19. April 2016

Anna ist richtig wichtig

Gewalt hat viele Gesichter und wenn sie in unser menschliches Blickfeld rückt, wird sie oftmals tabuisiert. Wir fühlen uns buchstäblich überwältigt von der starken, beherrschenden Wirkung, die von ihr ausgeht und uns zum Wegschauen und Schweigen zwingt. Handelt es sich um sexuelle Gewalt, empfinden die Betroffenen oft Scham, Schuld sowie Hilflosigkeit. Sie breiten einen Mantel des Schweigens über ihr belastendes Geheimnis aus. Frauen und Mädchen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Opfer von sexueller Gewalt zu werden. Wie sie sich selbst vor sexuellen Übergriffen schützen und Bezugspersonen sie dabei unterstützen können, wird in dem Buch „Anna ist richtig wichtig“ von der Autorin Susanne Porzelt aufgezeigt.

Anna ist ein junges, selbstbewusstes Mädchen, das gerne mit ihrer besten Freundin schwimmen geht. Die Anwesenheit ihrer Freundin macht ihr Mut. Doch Anna erlebt im Schwimmbad Situationen, die nicht nur schöne, sondern auch unangenehme Gefühle auslösen. Zum Glück kennt sie ihre Gefühle und weiß, was ihr gut tut und was ihr nicht gefällt. Anna hat gelernt Nein zu sagen und sich zu wehren. Genau das macht sie auch, als ein Junge ihr einen Klaps auf den Po gibt. Anna weiß auch, dass es nicht in Ordnung ist, wenn sie mit seltsamen Blicken und verletzenden Sprüchen beschämt wird. Deshalb holt sie sich Hilfe und erzählt es ihrer Mutter, die sie in solchen Situationen unterstützt. Es gibt auch Situationen, in denen Berührungen schöne Gefühle bewirken. Die hat Anna vor allem bei ihrem Freund Peter, in den sie sehr verliebt ist. Anna hat aber auch ein Geheimnis, das sie sehr belastet und ihr große Angst macht. Ihr Onkel Otto berührt sie gegen ihren Willen. Er verlangt von ihr Dinge, die sie nicht tun möchte und macht ihr dafür Geschenke. Anna erkennt, dass sie Hilfe braucht und wendet sich an ihre Lehrerin. Dadurch, dass sie Menschen hat, die sie unterstützen und denen sie vertrauen kann, wird sie in ihrem Tun / ihren Entscheidungen bestärkt. Anna ist stolz, denn sie weiß nun darüber Bescheid, in welchen Situationen sie sich wehren kann und vor allem wie.

Frauen und Mädchen mit Lernschwierigkeiten haben wie alle anderen auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Durch einen Mangel an Sexualaufklärung werden sie nicht nur in ihrer Sexualität eingeschränkt, sondern wissen auch nicht, wie sie sich in kritischen, bedrohlichen Situationen verhalten sollen. Um sich bei sexuellen Übergriffen wehren zu können, müssen Frauen ihren eigenen Körper verstehen und ihre persönlichen Gefühle, Bedürfnisse und Ängste wahrnehmen und mitteilen können. Sie sollen die Befähigung erhalten ihre Grenzen zu kennen und dementsprechend Handlungen zu setzen. Damit dies gelingen kann, benötigen sie Unterstützung und Anleitung von Bezugspersonen wie Eltern oder pädagogischem Fachpersonal.
Das Arbeitsbuch „Anna ist richtig wichtig“, das sich an junge Mädchen und Frauen ab dem 12. Lebensjahr richtet, vermittelt anhand einer Bildergeschichte, wie sich Frauen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung gegen sexuelle Grenzüberschreitungen schützen können. Das Buch ist in leicht verständlicher Sprache formuliert und die begleitenden Illustrationen von Barbara Breen fügen sich aussagekräftig in den Text ein. Die große Schrift ermöglicht auch Frauen mit Sehschwierigkeiten die Inhalte problemlos zu lesen. Auf einigen Seiten werden Aussagen hervorgehoben, die die sexuelle Selbstbestimmung untermauern sowie Fragen gestellt, die den Aufbau eines Gespräches erleichtern. Das Begleitmaterial ist ein wichtiger Leitfaden zur Anwendung des Bilderbuches und beinhaltet darüber hinaus weiterführende und ergänzende Übungen. Neben wesentlichen Informationen zum Thema sexuelle Gewalt werden unterschiedliche Gesprächsthemen und deren Ziele detailliert behandelt, wie beispielsweise „Gute Geheimnisse – schlechte Geheimnisse“. Eine besondere Bedeutung verleihen diesem Buch die unzähligen Übungen zu jedem einzelnen Themengebiet, die spielerisch in Einzel- oder Gruppenarbeit durchgeführt werden können. Zusätzlich werden Hilfestellungen geliefert, wie sich der Umgang mit Betroffenen bei Verdacht auf sexuelle Gewalt gestaltet und was man als Familienangehöriger oder Fachkraft tun kann, wenn sich ein Mädchen ihnen anvertraut.

Das Bilderbuch „Anna ist richtig wichtig“ ermutigt Eltern und professionelles Fachpersonal, sich näher mit dem Thema sexuelle Gewalt auseinanderzusetzen. Mit ergänzenden Übungen und Hilfestellungen widmet sich dieser praxisnahe Leitfaden sehr ausführlich und sorgfältig der Prävention von sexueller Gewalt. Die Geschichte bestärkt Frauen und Mädchen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung darin, sich bei sexuellen Grenzerfahrungen zu wehren und Hilfe zu suchen.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Anspruch:
  • Gefühl:
  • Illustration:

Könnte Ihnen auch gefallen: