Im Land der weißen Schokolade

Antolin Quiz
von Martin Dolejš
Rezension von Janett Cernohuby | 04. Mai 2021

Im Land der weißen Schokolade

Anlässlich des 30. Jahrestag des Mauerfalls sind zahlreiche Jugendbücher zum Thema DDR und Flucht erschienen. Doch die DDR war nicht das einzige kommunistische Land, aus dem Menschen flüchteten. Auch in der Tschechoslowakei gab es Menschen, die dem erdrückenden Alltag entkommen wollten. „Im Land der weißen Schokolade“ erzählt von solch einer Familie und zeigt uns eine ähnliche und zugleich andere kommunistische Geschichte.

Auf in den Westen

Martin verbringt seine Kindheit zwischen Matchboxautos und Pionierorganisation. Dort hat er sich in seine Pionierleiterin Ivanka verliebt. Obwohl der Junge selbst nicht viel für die Ideale der kommunistischen Jugendorganisation übrig hat, hilft er eifrig mit. Mahnwache, Altstoffe sammeln, Handgranatenweitwurf, Spartakiade - wann immer er seiner Ivanka näher sein kann, ist er dabei und packt mit an. Währenddessen planen seine Eltern jedoch die Flucht aus der Tschechoslowakei. Sie kommen mit dem erdrückenden Leben in dem kommunistischen Staat nicht mehr zurecht, sie wollen Freiheit und den süßen Geruch des Westens. Darum planen sie die Flucht, die unter dem Vorwand von Sommerferien in Jugoslawien beginnt. Doch kurz vor der Grenze nach Westdeutschland werden Martins Eltern von der Polizei angesprochen. In einer Schnellschussaktion flüchtet der Junge mit einem Freund der Eltern kurzerhand über die Grenze in die BRD. Doch was nun? Was ist mit seinen Eltern geschehen? Was wird aus ihm werden?

Historischer Roman für junge Leser und Leserinnen

Martin Dolejš erzählt nicht einfach nur eine fiktive Geschichte über die Flucht aus der Tschechoslowakei nach Westdeutschland, er erzählt seine Geschichte. Dabei beginnt das Buch beginnt eigentlich mit dem Ende: Wir finden uns an einem Rastplatz kurz vor der Grenze in die BRD. Martin wartet dort mit seinen Eltern auf einen Schleuser, der die Familie nach Deutschland bringen soll. Doch es kommt anders und Martin flüchtet alleine mit dem Schleuser über die Grenze.
An dieser doch sehr dramatischen Stelle bricht der Autor erst einmal ab und macht einen Zeitsprung. Er geht ein Jahr zurück, als Martins Familie begann, ihre Fluchtpläne zu schmieden. Nun hat die Leserschaft die Möglichkeit, die Personen kennenzulernen, sie zu verstehen und vor allem ihre Beweggründe für die Flucht zu erfahren. Anders als in Jugendromanen über die Flucht aus der DDR, sind es jedoch nicht allzu viele Gründe, die man erfährt. Lediglich, dass Martins Eltern aus der Tschechei raus und in den Westen wollen. Für Martin ist dieser Ort „Westen“ ein Versprechen von unbegrenzten Möglichkeiten und Freiheit. Noch überlegt die Familie, wohin sie flüchten soll. USA, Kanada, Italien? Auf keinen Fall nach Deutschland, denkt Martin, wo die Nazis herkommen. Doch der Junge lässt sich von den bunten Schilderungen seines Vaters überzeugen, nach denen es auch in München ein Kalifornien gibt. Während die Eltern also ihre Fluchtpläne verfolgen, geht Martin in der Pionierarbeit auf - und die Leserschaft ist immer mit dabei. Natürlich tut Martin nur so, als würden ihm etwas daran liegen, ihm geht es letztendlich nur darum, seiner Angebeteten nahe zu sein. So entfaltet sich allmählich das Bild eines Elfjährigen, der in der Tschechoslowakei zwischen Pionierarbeit und Fluchtgedanken aufwächst. Nachdem man sich mit dem Protagonisten bekannt gemacht hat, liest sich das Buch ganz interessant. Die Ereignisse plätschern dahin und man wartet auf den großen Tag, wenn es dann endlich Richtung Westen geht. Dann wird auch aufgelöst, wie es mit Martin nach der Flucht weitergeht, was aus seinen Eltern wird und ob es für ihn ein Wiedersehen mit ihnen geben wird. Hier bekommt das Buch noch einmal etwas Spannung und klingt dann allmählich aus.

„Im Land der weißen Schokolade“ erzählt von einem elfjährigen Jungen, der zusammen mit seiner Familie aus der Tschechoslowakei in die BRD flüchtet. Zwischen Pionierarbeit und Fluchtplänen bekommen wir einen Einblick in den Alltag tschechischer Kinder, der von Pionierarbeit, Russischunterricht und kommunistischer Erziehung geprägt war. In manchen Dingen war es ähnlich, wie in der DDR, und dann doch wieder ganz anders.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Genre:
  • Erschienen:
    01/2021
  • Umfang:
    256 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    11 Jahre
  • ISBN 13:
    9783734850547
  • Preis:
    15,00 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:

Könnte Ihnen auch gefallen: