Zufallsopfer

von Margit Kröll
Rezension von Stefan Cernohuby | 28. April 2015

Zufallsopfer

Es gibt viele Geschichten, die davon erzählen, wie die Polizei oder geniale Detektive Menschen retten, aus einer Gefangenschaft befreien oder Geiselnehmer überwältigen. Dagegen ist es sehr selten, dass eine solche Geschichte aus der Sicht eines Opfers erzählt wird oder gar noch aus der Sicht mehrerer Opfer. Die Tiroler Autorin Margit Kröll hat bei einem solchen Thema versucht, einem Jugendroman zu schreiben, der ab 12 Jahren geeignet ist. Ob ihr das gelungen ist, wollten wir uns näher ansehen.

Antonia, Karin und Willi wollten mit dem Bus nach Hause fahren, verpassen diesen aber knapp. Als ein umgebauter Lieferwagen als Ersatzbus für den offenbar defekten zweiten Bus in die Haltestelle einfährt, denken sie sich nicht viel dabei und fahren mit. Keine gute Idee, denn im Bus sitzt nicht nur Robert, der dazu gezwungen wird selbigen zu lenken, sondern auch eine maskierte Gestalt mit einer Pistole, der sie dazu zwingt im Bus zu bleiben, während dieser mit unbekanntem Ziel weiterfährt. Die unterschiedlichen Kapitel des Buches werden nun aus der Sicht der unterschiedlichen Personen verfasst. Nicht nur aus jener der Entführten, sondern auch der anderen Opfer, ihrer Familienmitglieder und der involvierten Polizisten. Es werden Tricks ausprobiert, um die Entführer zu täuschen und um Nachrichten zu hinterlassen, Anstrengungen unternommen, die Entführer zu finden - obwohl vorher eher in Richtung von ausgerissenen Jugendlichen ermittelt wird - und es gibt auch Dinge, die nie wieder so werden können wie zuvor.

Es ist sicher nicht einfach, einen Jugendroman zum Thema Entführung zu schreiben, der packend genug ist für Jugendliche, ohne aber gleichzeitig zu gewalttätig zu werden. Dieser Balanceakt ist Margit Kröll über weite Strecken geglückt, auch wenn das eigentliche Grundthema ein ziemlich gewalttätiges ist, an dieser Stelle aber nicht verraten werden soll. Auch die Idee, die Handlung aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist keine schlechte. Der entführte Fahrer, die Jugendlichen, deren Familien, die leitende Ermittlerin... grundsätzlich ist das Rezept ein gutes. Leider macht ein anderes Detail des Buches wieder sehr viel von den guten Ideen zunichte. Die Zeitformen, in denen die Kapitel erzählt werden, springen oft unvermittelt vom Präteritum ins Präsens und wieder zurück. Besonders bei generalisierten Aussagen aus der Sicht der Charaktere. Das ist auf lange Sicht ziemlich anstrengend, besonders da das Buch über 450 Seiten hat. Positiv zu bemerken ist, dass es sich um kein Werk mit einem reinen Happy End für alle Beteiligten handelt. Es gibt auch negative Folgen unterschiedlicher Schweregrade für die Entführten. Trotzdem hätte das Lektorat im Hinblick auf die Konsistenz des Textes deutlicher eingreifen müssen. Denn so wird aus ein Jugendroman mit spannender Geschichte und eigentlich auch gutem Ansatz deutlich gebremst. Insgesamt könnten wir dem Endergebnis daher nur ein durchschnittliches Zeugnis ausstellen. Schade, aus diesem Romandebüt hätte man mehr herausholen können.

"Zufallsopfer" ist das Romandebüt der Tiroler Autorin Margit Kröll. Ein Jugendroman, der für Leser ab zwölf Jahren ausgelegt ist. Trotz guter Idee und interessantem Perspektivenwechsel mangelt es dem Werk leider an Konsistenz, was die Wahl der Zeitform innerhalb der Kapitel angeht. Etwas, das den Lesefluss bremst und den Lesegenuss mindert. Leider wurde hier einiges an Potenzial verschenkt. Aus diesem Grund vermag es das Buch nicht, sich über den Durchschnitt zu erheben. Berücksichtigt man dann den Preis des Werks, könnten die 15 Euro auch etwas hoch sein.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    04/2014
  • Umfang:
    470 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • Altersempfehlung:
    12 Jahre
  • ASIN:
    3940036242
  • ISBN 13:
    9783940036247
  • Preis:
    15 €

Bewertung

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