Oma Henni erzählt

Vom Zebra, das nicht bis drei zählen konnte

Antolin Quiz
von Christine Beigel, Hervé Le Goff
Rezension von Janett Cernohuby | 08. Mai 2015

Vom Zebra, das nicht bis drei zählen konnte

Mit ungefähr zwei Jahren beginnen Kinder sich für Zahlen und vor allem das Zählen zu interessieren. Lustig ist dabei ein Verhalten, das es scheinbar in allen Familien unseres Sprachraums gibt: Kleinkinder haben ein Problem mit den Ziffern zwei und drei. Eine von beiden wird beim Zählen schlichtweg ausgelassen. Vielleicht klingen sie zu ähnlich? Auf jeden Fall können viele Eltern etwas Ähnliches erzählen. Oma Henni, das schlaue Huhn aus einer Bilderbuchreihe des Magellan Verlags, kennt sogar die Geschichte "Vom Zebra, das nicht bis drei zählen konnte".

Dabei glaubt das Zebra immer, ziemlich schlau zu sein. So schlau sogar, dass es Schule für völlig überflüssig hält und diese auch nicht besucht. Viel lieber geht es stattdessen in der Gegend spazieren. Alleine und ohne aufzupassen. So kommt es, wie es kommen musst: Das Zebra begegnet einem Panther! Dieser öffnet sein großes Maul - und stellt dem Zebra eine Frage. Wenn es diese richtig beantworten könne, so würde der Panther es laufen lassen. Tatsächlich ist diese Frage sehr, sehr einfach, doch Zebra beantwortet sie falsch! Und es soll noch schlimmer kommen. Der Panther stellt noch weitere leichtere Fragen, die das Zebra alle nicht beantworten kann. Die schwarze Raubkatze ist so entsetzt darüber, dass sie völlig vergisst das Zebra zu fressen, sondern es kurzerhand in die Schule schickt.

Stehen Sie jetzt ebenfalls etwas ratlos da? Überlegen Sie auch gerade, was nun der Titel "Vom Zebra, das nicht bis drei zählen konnte" mit dem Inhalt zu tun hat? Wir wollen Ihnen helfen. Natürlich geht es in dem Buch nicht darum, Kindern die Zahlen beizubringen. Auch soll ihnen kein tierischer Hauptcharakter zeigen, dass er Probleme mit dem auseinanderhalten von zwei und drei hat oder vielleicht auch einfach nicht weiß, wie die ersten drei Zahlen aufeinander folgen. Nein, der Titel ist schlicht und ergreifend metaphorisch gemeint. Das Zebra, Mittelpunkt der Geschichte, "kann nicht bis drei zählen" - ist nicht sonderlich klug.
An dieser Stelle lohnt sich auch ein Blick auf den Originaltitel des Buchs, welches aus dem Französischen stammt: "Le Zébre qui ne voulait pas aller á lécole". Was so viel bedeutet wie "Das Zebra, das nicht zur Schule gehen wollte". Alles klar?
Zugegeben, das klingt nicht so spannend wie die deutsche Übersetzung, würde aber beim Leser keine falschen Erwartungen wecken.
Und wie sind das Buch und die eigentliche Geschichte nun inhaltlich?
Es gibt die witzige Erzählung über ein vorlautes Zebra, das glaubt schlauer zu sein als alle anderen. Daher ist es auch der Meinung, nicht zur Schule gehen zu müssen. Wie sehr es sich irrt, soll es schon bald am eigenen Leib erfahren. Humorvoll und mit einer Prise Sarkasmus erzählen Christine Beigel und Hervé Le Goff die Geschichte über einen kleinen Schlaumeier und wie ihm die Augen geöffnet werden. So lustig die Geschichte auch ist, so klar ist die Botschaft, welche die Autorinnen zwischen den Zeilen vermitteln wollen. Zu glauben, man sei der Beste, Schlauste, Tollste und hat die anderen gar nicht nötig, kann sehr gefährlich werden. Das Zebra aus der Geschichte hatte Glück und ist im wahrsten Sinne des Wortes mit heiler Haut davongekommen.
Wenngleich der Verlag eine Altersempfehlung von zwei Jahren vorgibt, können wir dieser nicht zustimmen. Aus mehreren Gründen. Zum einen sind die Seiten des Buches aus Papier. Kleinkinderhänden fehlt es noch an Übung, um mit dieser Bindung umgehen zu können. Schnell würde also das Papier reißen und der Bilderbuchspaß ein trauriges Ende nehmen. Zudem ist aber auch die Geschichte, insbesondere der geschriebene Text, zu umfangreich, als dass sich so junge Leser wirklich darauf konzentrieren können. Erschwerend kommt dann noch hinzu, dass sie den Humor in Form sarkastischer Äußerungen noch gar nicht verstehen können. Selbst für drei und vierjährige Kinder könnte das schwierig werden. Hier ist das Können des Vorlesers entscheidend, ob den Kindern das Buch gefällt oder nicht. Daher können wir es nicht für Kinder unter drei Jahren empfehlen.

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Zusammengefasst ist "Oma Henni erzählt: Vom Zebra, das nicht bis drei zählen konnte" eine witzige Geschichte über einen kleinen Schlaumeier, der glaubt es besser zu wissen als der Rest der Welt. Welche Folgen eine solche Selbstüberschätzung haben kann, erfahren Kinder in diesem Buch auf humorvolle Art und Weise. Das Buch ist unterhaltsam, jedoch sollte man sich von dem Titel nicht in die Irre führen lassen. Denn hier geht es nicht um Ziffern und Zählen, sondern um Angeber und Schlaumeier.

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Bewertung

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