Virals

Tote können nicht mehr reden

von Kathy Reichs
Rezension von Janett Cernohuby | 26. Mai 2011

Tote können nicht mehr reden

Die amerikanische Autorin und forensische Anthropologin Kathy Reichs erfreut sich schon lange eines großen Lesepublikums. Ihre Romane sind Bestseller und deren Protagonistin die Grundlage für die nicht minder erfolgreiche Fernsehserie "Bones". Dies ist für Kathy Reichs jedoch kein Grund um sich auf den Früchten ihrer Arbeit auszuruhen. Im Frühjahr 2011 erschien ihr erster Jugendroman unter dem Titel "Virals - Tote können nicht mehr reden", der ebenfalls Auftakt zu einer Thrillerserie darstellt. Natürlich konnten wir uns dies nicht entgehen lassen.

Mit dem plötzlichen Tod von Tory Brennans Mutter änderte sich das Leben der vierzehnjährigen dramatisch. So lernte sie ihren Vater zum ersten Mal und erfuhr gleichzeitig, dass sie die Großnichte der berühmten forensischen Anthropologin Tempe Brennan ist. Seither lebt Tory bei ihrem Vater auf Morris Island, einer kleinen Insel nahe Charleston. Als Tory auf Loggerhead Island eine Erkennungsmarke aus dem Vietnamkrieg findet, ahnt sie noch nicht, welches Abenteuer auf sie wartet. Denn die Erkennungsmarke gehört dem Vater eines Mädchens, welches seit 40 Jahren spurlos verschwunden ist. Tory und ihre Freunde beginnen Nachforschungen anzustellen, die sie schon bald nicht nur zu den Knochen des Mädchens führen, sondern auch eine Gruppe skrupelloser Verbrecher an ihre Fersen heften lässt. Als wäre dies nicht genug, finden die vier Teenager heraus, dass auf Loggerhead geheime Experimente mit einem gefährlichen Virus vorgenommen werden. Einem Virus, der Hunde befällt, aber nicht auf Menschen übertragbar ist. Doch warum fühlen sich die vier plötzlich so unwohl? Und welchen Streich spielen ihnen plötzlich ihre Sinne?

Kathy Reichs gelingt es einmal mehr, einen packenden und spannenden Thriller zu schreiben, der mehr als nur einen Mord bietet. Denn in ihrer Jugendbuchreihe bringt sie noch eine Prise Phantastik ein. Denn die vier Helden des Buches infizieren sich mit einem Virus, der ihnen - nun, vielleicht keine Superkräfte verleiht, aber dennoch ihre Wahrnehmung besser werden lässt, als es bei Menschen möglich ist. Dies hilft ihnen nicht nur, den aktuellen Mordfall aufzuklären und sich aus so mancher Gefahrensituation zu befreien, sondern verspricht auch viele Folgeromane. Doch noch müssen die vier Virals, wie sich die Freunde selbst nennen, ihre Kräfte erst kennen und vor allem beherrschen lernen.
Über Kathy Reichs Schreibstil muss man nicht viel sagen. Wer ihre Bücher kennt weiß, dass sie spannend und fesselnd zu schreiben vermag. So ist es auch im Fall ihres ersten Jugendromans. Wer die Romane von Tempe Brennan kennt, wird in "Virals" auch viele Gemeinsamkeiten feststellen. Gemeinsamkeiten, die ein wenig den faden Beigeschmack "wirklich was Neues ist es eigentlich nicht" aufkommen lassen. Erzählt werden die Ereignisse ebenfalls aus der Ich-Perspektive, in diesem Fall von Tory Brennen. Sie weist in ihrem flapsigen, frechen Erzählton starke Ähnlichkeit zu ihrer Tante Tempe auf. Ähnlich sarkastische Kommentare, ähnliche Herangehensweisen und ähnliche Träume mit versteckten Botschaften des Unterbewusstseins verstärken das Gefühl. Sicherlich muss auch nicht erwähnt werden, dass man als Großnichte einer berühmten forensischen Anthropologin ebenfalls über ein fundiertes Wissen verfügt - besonders wenn es um menschliche Knochen geht. Doch ganz ehrlich gesagt, ist jene Stelle, an der Tory Geschlecht und Alter der gefundenen Knochen bestimmt, etwas zu weit hergeholt. Tory wirkt in dieser Situation keineswegs wie eine normale 14jährige, ein Mädchen, mit dem man sich als Leserin identifizieren kann. Apropos 14jährige. Welche Altersgruppe spricht der Roman eigentlich an? Zweifellos jene, deren Alter auch die Hauptpersonen haben. Doch hier bekommt man seine Bedenken. Denn die Handlung ist sehr komplex und beinhaltet auch zwei eigenständige Stränge, die sich letztendlich zu einem verbinden. Wer als 14jähriger natürlich schon Erwachsenenromane liest, wird mit damit kein Problem haben. Für wen es jedoch der erste Roman ist, dem könnte das Weiterlesen sehr schwer fallen. Hinzu kommt, dass Kathy Reichs - wie auch in ihrer Tempe-Brennan-Reihe - gerne in die Geschichte der Stadt oder des jeweiligen Ortes eintaucht und aus vergangen Zeiten erzählt. Durchaus sehr informativ und spannend zu lesen, jedoch könnte dies für Jugendliche schnell zu langweiligen und langatmigen Passage ausarten und somit die Lesebegeisterung bremsen. Somit kann man den Roman also fast nur Jugendlichen empfehlen, die vor einer komplexeren Handlung nicht zurückschrecken und auch kein Problem haben, Textstellen zu lesen, in denen Dinge erläutert oder näher betrachtet werden.

Trotzdem ist "Virals - Tote können nicht mehr reden" ein gelungener Auftakt zu einer neuen Reihe. Spannend, fesselnd, nicht vorhersehbar und mit zwei ineinander übergehenden Handlungssträngen präsentiert sich Kathy Reichs erster Jugendroman. Nicht jedem Teenager wird das Buch gefallen, denn so manchem könnte die Handlung zu komplex erscheinen. Trotzdem kann man es - besonders Kathy Reichs Fans - empfehlen. Für packende Lesestunden ist auf jeden Fall gesorgt.

Details

  • Autor/-in:
  • Serie:
  • Band:
    1
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    03/2011
  • Umfang:
    480 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    14 Jahre
  • ISBN 13:
    9783570152881
  • Preis:
    18,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gefühl:
    Keine Bewertung

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