Neun

von Zach Hines
Rezension von Emilia Engel | 04. November 2019

Neun

Wenn du neun Leben hättest, wie würdest du mit diesen Leben umgehen? Achtsam, weil dir jedes Leben etwas Wert wäre? Oder eher unachtsam weil es ohnehin egal ist, wenn man mehrere Leben hat? In dem Debütroman von Zach Hines bekommen wir Einblicke in eine alternative Welt und sehen wie leichtfertig die Teenager mit ihren Leben umgehen. Eine erschreckende Geschichte, in der es zum Glück auch einige vernünftige Menschen gibt.

Julian lebt in einer Welt, in der die Menschen durch eine Laune der Natur neun Leben haben. Neun Leben zu haben bringt natürlich auch einige Probleme mit sich - Überbevölkerung, Hungersnöte und mehr. Um dem Einhalt zu gebieten wird von den Bürgern verlangt, sich in speziellen Einrichtungen, den Tilgungskliniken, immer wieder ein Leben nehmen zu lassen. Das geht sogar soweit, dass in Julians Schule alle bereits ihr zweites oder drittes Leben leben. Julian war gemeinsam mit seiner besten Freundin Molly lange Zeit die einzige Eins in der Schule, und sie waren stolz darauf. Eine hohe Lebenszahl zu haben ist für die meisten Teenager ein Coolnessfaktor. Sich selbst möglichst spektakulär “auszulöschen” wie sie es nennen und als höhere Lebenszahl zu erwachen, ist für den nicht ganz legalen Schulclub “Die Auslöscher” ein selbstmörderisches Vergnügen. 

Dass Molly sich letztlich doch dem Gruppenzwang hingibt und sich ebenfalls beginnt auszulöschen, ist für Julian nur schwer erträglich. Wo doch seine Mutter - eine Wissenschaftlerin der Wiederbelebungsbehörde - sich durch das wiederholte Nehmen ihrer Leben psychisch so stark verändert hat und schließlich den Permatod erlitten hat. Denn das ständige Wiedergeboren werden birgt eine immer größer werdende Gefahr - die Wiedergeburtsfehler, die sowohl körperlich als auch psychisch auftreten können. Doch dem System kann man sich nicht entziehen, denn mit jedem neuen Leben steigt man in der gesellschaftlichen Hierachie auf. Julian steht bald vor einer schweren Entscheidung, die er zum Wohle seiner Familie treffen muss. Er gerät in einen Strudel, aus dem es schwer ist wieder herauszukommen. Dabei entdeckt er Unfassbares und stößt auf eine Verschwörung, die nicht nur Julians Leben und das seiner Familie in Gefahr bringt, sondern die jeden betrifft, der wiedergeboren wird…

“Neun” ist der Debütroman des amerikanischen Autors Zach Hines. Mit diesem Jugendroman hat er einen Roman geliefert, der nichts für sanfte Gemüter ist. So toll es auch klingen mag neun Leben zu haben,  als so furchtbar entpuppt sich das Ganze. Dass schon von Jugendlichen erwartet wird sich in den Tilgungskliniken eines ihrer Leben nehmen zu lassen, um die Lebensbilanzen der Familie zu verbessern, ist erschreckend. Doch wenn man erst liest wie die Jugendlichen teilweise ihren eigenen Tod herbeiführen und dabei filmen, kann man schon eine Gänsehaut bekommen.
Zum Glück ist der Protagonist des Buches, Julian, kein klassischer Teenager, der verschwenderisch mit seinen Leben umgeht. Seine Leben tilgen zu lassen oder selbst zu beenden, kommt für ihn nicht in Frage. Dafür hat er auch gute Gründe. Aber das macht ihn natürlich zum Außenseiter. Julian ist ein sympathischer Charakter, der sich mit Liebe um seinen Bruder kümmert, während der Vater versucht, die Familie halbwegs über Wasser zu halten. Seiner Familie zu Liebe hat Julian aber auch Entscheidungen zu treffen, die ihm nicht gefallen. Das zeugt davon, wie erwachsen Julian sich für sein Alter verhält.

Weitere wichtige Charakteren sind Cody, eine Jugendliche, die Julian auf der Straße kennenlernt und immer wieder trifft. Ein seltsames Mädchen, das ihm von ihrer Verschwörungstheorie erzählt und ihren Forschungen dazu und Julian noch mehr dazu anregt, das ganze System der neun Leben zu hinterfragen.
Nicholas, der Anführer der  “Auslöscher”, ist auch ein interessanter Charakter. Als Sohn des Direktors der Wiederbelebungsbehörde will er sich der Welt natürlich beweisen. Seine Ideen sind spektakulär, aber grausam. Aber auch hinter Nicholas steht ein großes Geheimnis.
“Neun” ist ein spannender, aber auch düsterer Jugendroman, der sich rasant liest. Es bietet einiges an Gewalt wenn es darum geht, wie sich die Jugendlichen in dem Buch selbst umbringen. Das ist nichts für zartbesaitete Jugendliche und das sollte man natürlich beim Kauf auch beachten. Für einen Debütroman ist dieses Werk gut gelungen.
Abzüge gibt es dafür, dass es nur wenige Informationen über diese Welt gibt, die der unseren in vielem so ähnlich ist. Zu Beginn des Buches gibt es eine halbe Seite, die nur dürftig erklärt, wie es zu den neun Leben kam. Leser, die es gerne genau wissen wollen, könnten hier etwas enttäuscht werden. Lediglich eine Sonneneruption und Stürme dafür verantwortlich zu machen, stellt eben nicht wirklich zufrieden.

Wer sich einen schnellen Zeitvertreib sucht und nicht vor Brutalität zurückschreckt, macht mit “Neun” keinen schlechten Griff. Es ist ein düsteres Buch für dunkle Herbsttage, das einem vielleicht ins Bewusstsein rückt, dass wir Menschen sorgsamer mit unserem Leben umgehen sollten. Ein gelungener Debütroman!

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gewalt:

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