Der Vogelschorsch

von Hannes Wirlinger, Ulrike Möltgen (Illustration)
Rezension von Emilia Engel | 16. Dezember 2019

Der Vogelschorsch

Für die vierzehnjährige Lena beginnen die Sommerferien wie ganz normale Ferien. In dem abgelegenen Dorf gibt es nicht viel, was man tun kann. Zum Glück kommen jeden Tag ihre beiden Freunde, der Mühltaler Max und der Lederer Lukas, vorbei um mit dem Mädchen abzuhängen. Es ist eine Zeit des Umbruchs, denn vieles ist im Begriff sich zu verändern. Mit dem Auftauchen des Vogelschorschs in Lenas Leben scheint alles seinen Anfang zu nehmen.

Schon vom ersten Moment an weiß Lena, dass der Vogelschorsch anders ist. Zuallererst fällt natürlich die sonderbare Kleidung des siebzehnjährigen Schorschs auf, aber auch sein Verhalten und was er erzählt, ist eindeutig anders als man es von anderen seines Alters erwartet. Dazu kommt noch, dass sich Vögel in seiner Nähe merkwürdig verhalten. Der Schorsch scheint sie beinahe magisch anzuziehen.
Zuerst ist Lena nicht sonderlich begeistert als jemand in das schäbige Haus nebenan einzieht, doch es dauert nicht lange und es entwickelt sich eine ganze besondere Freundschaft zwischen den beiden. Von Anfang an ist klar, dass Lena ihren neuen Freund nicht gemeinsam mit den anderen beiden Freunden sehen kann. Denn schnell ist der Vogelschorsch Ziel deren Spotts geworden. Der Vogelschorsch ist sehr feinfühlig, außerdem hat er es Zuhause mit seinen Eltern nicht leicht. Also macht sie mit ihren beiden alten Freunden die Vereinbarung, sich nur an jedem zweiten Tag zu sehen. Das scheint Max und Lukas nur Recht zu sein, denn neuerdings besuchen sie oft ein anderes Mädchen. Aber das ist Lena auch ein Dorn im Auge.
So vieles verändert sich in diesem Sommer. Lena macht erste Erfahrungen mit der Liebe, ihre Eltern streiten sich nur noch und der Vogelschorsch verwirrt sie immer wieder mit seinem Verhalten. Es ist sowohl eine schöne, aber auch eine schwierige Zeit. Denn das Erwachsen werden ist schon an sich eine komplizierte Sache, wenn dann noch andere Schwierigkeiten dazu kommen, kann man nur hoffen, dass man immer einen guten Freund an der Seite hat…

Hannes Wirlinger ist ein freier österreichischer Drehbuchautor. Der Jugendroman “Der Vogelschorsch” ist sein Debütroman. Sprachlich gesehen ist der Roman eine Besonderheit, denn er ist nicht im klassischen Hochdeutsch geschrieben, sondern in der Sprache, die ein vierzehnjähriges Mädchen in der Gegend um Linz sprechen würde - einfach, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, nachdenklich aber auch lustig. Immer wieder liest man Worte aus der Umgangssprache, die sich so nie in Büchern finden. Das birgt einen ganz eigenen und persönlichen Charme. Es lässt die Geschichte von Lena, aus deren Sicht das Buch erzählt ist, umso authentischer wirken.
Die Protagonistin durchlebt in ein wahres Gefühlschaos - verursacht durch verschiedene Erlebnisse. Aber auch ihr Freund der Vogelschorsch erlebt so einiges. Die Freundschaft und Empathie, die sich zwischen den beiden entwickelt, die Lena diesem außergewöhnlichen Jungen, der so anders ist, entgegenbringt, berühren den Leser sehr.
Die großen Themen des Buches sind Freundschaft und Liebe. Aber auch der Tod und Trennungen werden angesprochen. Sie machen aus diesem Roman nicht einfach nur einen Jugendroman, der das Teenagerdasein und erste Gefühle behandelt, sondern ein ganz besonderes Buch, das den Ernst und die Traurigkeit des Lebens wiedergibt. Es ist kein Heile-Welt-Roman und der Leser sollte darauf gefasst sein, dass beim Lesen auch immer wieder mal das Herz schwer wird und man voller Mitgefühl und Traurigkeit auf die Protagonisten blickt.
Hervorheben muss man auch die besonders schönen und stimmungsvoll passenden Illustrationen von Ulrike Möntgen, die jedem Kapitel vorangestellt sind.

“Der Vogelschorsch” ist ein außergewöhnliches Buch - und das nicht nur sprachlich. Es ist ein sehr empfehlenswerter Roman, der auch für erwachsene Leser interessant sein könnte. Es versetzt einen in die eigene Jugend zurück und lässt einen auch immer wieder schmunzeln. Auch wenn es ein tolles Buch ist, sollte man bedenken, dass es keine einfache Kost ist. Bei besonders feinfühligen Jugendlichen sollten die Eltern es zuerst vielleicht selbst lesen, bevor sie es ihren Kindern weitergeben.

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