Mission Kolomoro

Antolin Quiz

oder: Opa in der Plastiktüte
von Julia Blesken, Barbara Jung (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 26. November 2021

Mission Kolomoro

Es ist schön zu sehen, dass in Kinderbücher immer mehr Diversität und eine bunte Gesellschaft einfließt. Hierbei handelt es sich aber nicht nur um Kinder, die zwei Mütter oder zwei Väter haben, sondern auch um Kinder aus verschiedenen sozialen, gesellschaftlichen und ethnischen Schichten. Julia Blesken hat das in einem Kinderbuch auf sehr abenteuerliche und unterhaltsame Weise miteinander verbunden.

Auf nach Kolomoro

Weil sie sich von ihrem Vater ungerecht behandelt fühlt, stürmt Katja wütend aus der Wohnung. Unten vor dem Haus trifft sie eher zufällig auf Zeck, Fridi, Mustafa und Jennifer mit Hund Püpi, die eine Plastiktüte fest umklammert. Nach einer Weile verrät sie, dass sie darin die eine Schüssel mit der Asche ihres Opas hat. Die will sie nach Kolomoro bringen, so wie es Opa sich gewünscht hat. Da Mustafa meint, man bräuchte dringend ein echtes Abenteuer, beschließen die Kinder, Jennifer dabei zu helfen. Doch wo liegt dieses Kolomoro eigentlich? Zunächst haben sie keine Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, denn eine kleine Gaunerei von Mustafa zwingt die Freunde zum Weglaufen. Dabei läuft ihnen die eingebildete Polina über den Weg, die sie kurzerhand mitnehmen. Bei einer kurzen Verschnaufpause in der S-Bahn überlegen sie, wie sie Kolomoro finden können. Doch schon wieder heißt es Fersengeld geben und weglaufen. Dabei vergisst Jennifer doch glatt die Plastiktüte.
Es liegt noch ein sehr aufregender Tag vor den Kindern, bevor sie Kolomoro finden und Opa zur letzten Ruhe betten können. Doch am Ende können sie auf ein Abenteuer zurückblicken, das selbst Mustafas Lieblingsserie in den Schatten stellt.

Mission Kolomoro oder Opa in der Plastiktüte

Buntes Ferienabenteuer

Julia Blesken erzählt in ihrem Kinderbuch eine abenteuerliche Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und Diversität. Dafür schuf sie sechs unterschiedliche Charaktere, die sich zusammenfinden, die ein Abenteuer erleben und die darüber zu Freunden werden. Als erstes lernt die Leserschaft Katja kennen, die mit ihren beiden Vätern lebt, sich manchmal ungerecht behandelt fühlt und gerne zu Stiften greift, um ihren Gefühlen Luft zu machen. Egal wo sie ist, egal welche Unterlage ihr zur Verfügung steht. Da muss schon mal die Wand im Treppenhaus oder in der S-Bahn herhalten. Dieser Gabe kommt im Verlauf der Geschichte noch eine besondere Bedeutung zu.
Neben Katja haben wir Fridi, der eigentlich Fridolin heißt, aber so nicht genannt werden möchte, und die eingebildete Polina. Beide sind sehr behütet aufgewachsen und lernen in diesem Abenteuer, Grenzen zu überschreiten. Jennifer ist oft alleine, denn ihre Mutter muss viel arbeiten. Mustafa verwechselt seine Lieblingsserie oft mit dem realen Leben. Zeck ist ziemlich abgebrüht, sehr überlegt für sein Alter und der unerschütterliche, ruhende Punkt in der Gruppe.
Diese Kinder aus ganz verschiedenen Gesellschaftsschichten finden sich also eher zufällig an einem Ferientag zusammen. Ähnlich verhält es sich mit dem Abenteuer. Es war nicht geplant, es passiert einfach so. Und das verlieht der Geschichte eine natürliche, echte Atmosphäre. Es ist eine Geschichte vom Abhauen, Wegrennen, Finden, Ankommen und Zurückkommen. Die Kinder treffen auf Armut, Obdachlosigkeit und leider auch auf unangenehme Menschen. Doch an diesem einen Tag lernen sie sehr viel, lernen eine bunte Gesellschaft kennen, kommen mit vielen Problemen unserer Zeit in Berührung und kehren am Abend gestärkt und auch ein bisschen reifer nach Hause zurück.

Mission Kolomoro oder Opa in der Plastiktüte

„Mission Kolomoro oder Opa in der Plastiktüte“ ist eine abenteuerliche Geschichte von Freundschaft und Zusammenhalt, die gleichzeitig von einer bunten Gesellschaft und von Diversität erzählt. Schräg und realistisch erzählt, fesselt es die junge Leserschaft von der ersten bis zur letzten Seite.

Details

Bewertung

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