Die wilde Lilly

Schule, Zoff und blonde Zicken

von Franziska Gehm
Rezension von Janett Cernohuby | 24. Januar 2009

Schule, Zoff und blonde Zicken

Ein Umzug ist nicht nur mit viel Arbeit und Stress verbunden, sondern auch mit der kompletten Veränderung seiner bisher gewohnten Lebensweisen. Besonders für Kinder und Jugendliche ist dies sehr schwer. Sie verlieren nicht nur ihr vertrautes Umfeld und ihre Freunde, sondern müssen in einer ganz neuen Schule mit ganz neuen Klassenkameraden anfangen. So ergeht es auch dem Mädchen Lilly, der Hauptperson in "Schule, Zoff und blonde Zicken".

Lilly ist mit ihrer Familie mittlerweile zum dritten Mal umgezogen. Wegen ihrem Vater, weil er ständig an anderen Orten arbeitet. Nun heißt es für Lilly wieder eine neue Schule mit neuen Klassenkameraden. Wie die wohl sein werden? Aber Lilly hat sich schon eine Strategie zurechtgelegt. Sie wird einfach gaaaaaaanz nett zu ihren neuen Klassenkameradinnen sein, dann kann doch gar nichts mehr schief gehen. Irrtum, schon auf dem Gang tritt Lilly in das erste Fettnäpfchen, oder besser gesagt einer Mitschülerin auf die schönen neuen Lackschuhe. Diese Mitschülerin war niemand anderes als Evelyn Augsblatt, die blonde Schönheit aus Lillys neuer Klasse. Doch das ist noch nicht schlimm genug. Ihre Klassenlehrerin möchte, dass jeder Schüler einen Aufsatz aus der Sicht eines Mitschülers schreibt und wie es der Zufall will, soll Lilly über Evelyn und Evelyn über Lilly schreiben. Von nun an geht der Zickenterror erst richtig los.

"Schule, Zoff und blonde Zicken" ist nicht nur ein Buch über ein Mädchen, das in eine neue Stadt und Schule zieht, sondern auch ein lustiges, unterhaltsames Jungmädchenbuch mit einer unterschwelligen Botschaft. Denn zwischen den Zeilen versucht die Autorin Franziska Gehm zu vermitteln, dass man andere nicht wegen seines Aussehens und Charakters verurteilen soll. Denn mit diesem Verhalten könnte man versuchen, eine traurige Lebenssituation oder ein Familienschicksal zu verbergen. Und ähnlich verhält es sich letztendlich auch bei Evelyn. Durch die Hausaufgabe der Deutschlehrerin angestachelt, möchte Lilly mehr über die arrogante Mitschülerin herausfinden, wenn auch nicht immer über nette Wege. Und am Ende scheinen die beiden doch noch beste Freundinnen werden zu können.
Die beiden zentralen Charaktere der Geschichte könnten nicht unterschiedlicher sein. Lilly ist ein kleiner Wildfang, der bunte und ungewöhnliche Kleidung trägt, sich aber nicht am Mainstream orientiert. Ganz anders ist da Evelyn. Sie trägt topmodische Sachen, ist stets aufgestylt und weiß sich als Dame zu benehmen. Lillys Familie ist nicht minder kunterbunt und chaotisch wie sie selbst. Ihr Vater scheint einen außergewöhnlichen Beruf zu haben, der die Familie oft zwingt, den Wohnort zu wechseln. Ihre Mutter läuft immer Arien trällernd durchs Haus und nimmt an den unterschiedlichsten Volkshochschulkursen teil. Lillys großer Bruder Carlos ist derzeit auf einem Schüleraustausch in New York, während der andere, Leo, gerne Schlagzeug spielt und ständig auf der Suche nach seiner Vogelspinne Tarantula ist. Und zu guter Letzt gibt es dann noch die Großmutter, die ständig irgendwelche ameriakanischen Soaps guckt und auch nur noch als <i>Grandma Betty</i> gerufen werden möchte. Ganz anders ist da Evelyns Familie. Ihr Vater ist ein hohes Tier, ihre Mutter sehr auf ihr Äußeres bedacht. Geschwister hat Evelyn keine und Zuhause herrscht immer eine Ordnung wie im Möbelhauskatalog. Das diese gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Mädchen zu ständigen Reibereien führen, ist eigentlich schon gar nicht verwunderlich.

Zusammengefasst macht "Schule, Zoff und blonde Zicken" einfach nur Spaß beim Lesen. Lockere Dialoge, eine rasch voranschreitende Handlung und jede Menge Spaß bietet dieses Buch seinen jungen Leserinnen. Da bleibt zu hoffen, dass dies nicht das einzige Buch über Lilly ist und dass wir noch sehr viel von dem kleinen Wildfang lesen werden.

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