Minitou

Minitou: Der große Indianer

Antolin Quiz
von Sandra Grimm, Susanne Szesny
Rezension von Janett Cernohuby | 23. April 2014

Minitou: Der große Indianer

Piratengeschichten, Rittergeschichten, Drachengeschichten - diese und weitere sind in zahlreichen Kinder- und Vorlesebüchern anzutreffen. Es sind zeitlose Themen die Kinder seit Jahrzehnten faszinieren und es auch zukünftig tun werden. Doch ein Genre scheint ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Nur noch selten trifft man auf Indianer- und Cowboygeschichten. Sandra Grimm und Susanne Szesny haben dieses Thema jedoch nicht vergessen und veröffentlichten im Carlsen Verlag ihr Kinderbuch "Minitou, der große Indianer".

Minitou ist ein kleiner Indianerjunge und der Sohn eines großen Häuptlings. Minitou hat einen großen Traum: er möchte so gerne sein eigenes Pferd einfangen und zähmen. Doch dafür muss er erst eine ganze Menge lernen. Pfeile schnitzen, sich lautlos anschleichen, das Lasso werfen und natürlich Spuren lesen. Der weise Shaman, der Medizinmann des Stamms, lehrt ihn all diese Fertigkeiten. Nach dem Unterricht schleicht Minitou weg von den Tipis seines Stamms und hin zu seinem Lieblingsplatz. Hier lernt er Anila kennen, ein Indianermädchen aus einem anderen Stamm. Zusammen durchstreifen sie die Prärie, als sie plötzlich das ängstliche Wiehern eines Pferdes hören. Inmitten von stacheligen Sträuchern entdecken sie plötzlich das junge Tier, das sich in einem Dornenbusch verfangen hat. Verschreckt mustert das Pferd die Kinder und als sie versuchen wollen, es zu befreien, wird es plötzlich unruhig. Da hat Anila eine Idee, wie sie gemeinsam das Tier beruhigen und befreien können.
Am Abend kehrt Minitou glücklich zu seiner Familie zurück. Er hat nicht nur jede Menge erlebt, sondern auch eine neue Freundin getroffen.

Indianergeschichten sind keine neue Erfindung, allerdings eher selten auf dem Kinderbuchmarkt anzutreffen. Daher ist "Minitou: Der große Indianer" eine willkommene Abwechslung, die gleichzeitig ein wenig frischen Wind bringt. Lustig an dem Bilderbuch ist schon die zumindest namentliche Ähnlichkeit mit einem großen, berühmten Indianer aus Film und Literatur.
Und inhaltlich? In ihrem Bilderbuch erzählt Sandra Grimm eine wunderschöne, magische Geschichte von Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Angesiedelt ist diese in der Welt der Indianer, jenem Volk, das im Einklang mit den Tieren und sich selbst lebt. Indianergeschichten erzählen von Abenteuern, die in den Weiten der Prärie darauf warten, erlebt zu werden. Die Indianer sind ein hilfsbereites, freundliches und vor allem jedem Lebewesen wohlgesonnenes Volk. Ihre bunten Gewänder mit dem üppigen Kopfschmuck begeistern Kinder ebenso, wie ihre Heimstätten, die Tipis. Dieses - zugegebenermaßen verklärte und nicht unbedingt der Realität entsprechende - Bild wurde wunderbar eingefangen und in der Geschichte wiedergegeben. Nicht nur durch die Erzählung selbst, sondern auch durch die farbenfrohen, detaillierten und großflächigen Illustrationen von Susanne Szesny.
Die Geschichte unterhält in erster Linie, stellt Kindern einen neuen kleinen Helden vor und lässt diesen auch sein erstes Abenteuer erleben (zumindest hoffen wir, auch zukünftig mehr von Minitou zu lesen). Aber die Erzählung vermittelt auch Werte, wenngleich dies eher versteckt und unterschwellig geschieht. Kindern wird die Bedeutung von Hilfsbereitschaft und Freundschaft gezeigt. Sie erfahren, dass man auch befreundet sein kann, wenn man nicht vom gleichen Stamm oder Volk ist. Um sich auch ohne Sprache untereinander zu verständigen, benutzen Indianer eine Zeichensprache, die alle Stämme kannten. Diese Zeichensprache findet sich auch auf den Innenseiten des Einbands. Und noch ein weiteres Extra liegt diesem Bilderbuch bei: ein geflochtenes Freundschaftsarmband, ähnlich dem, welches Minitou von Shaman geschenkt bekommt.

Vielleicht ist der Name gar nicht so zufällig gewählt und Minitou in der Tat die kindliche Variante des auch heute noch bekannten Winnetous. Auf jeden Fall erlebt auch er ein spannendes Abenteuer und hält Werte wie Freundschaft und Hilfsbereitschaft in Ehren. Davon erzählt dieses gelungene Bilderbuch und es bleibt zu hoffen, dass es nicht das letzte Abenteuer von Minitou und seiner Freundin Anila war.


Rezension ermöglicht durch unsere Partnerschaft mit dem Carlsen Verlag

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