Mama und das schwarze Loch

von Leonora Leitl
Rezension von Janett Cernohuby | 28. Februar 2015

Mama und das schwarze Loch

Manche bezeichnen "Burn-out" als eine Modekrankheit, für andere hingegen ist es eine ernstzunehmende Erkrankung. Ganz gleich wie man selbst darüber denkt, eines kann man nicht bestreiten: Immer mehr Menschen brechen unter dem Druck zusammen, den ihre Umwelt auf sie ausübt. Doch was ist mit den Kindern? Wo bleiben sie, wenn ein Elternteil ein "Burn-out" erleidet? Wie nehmen sie diese Erkrankung wahr und wie gehen sie damit um? "Mama & das schwarze Loch" von Leonora Leitl greift genau dieses Thema auf.

Das Bilderbuch erzählt von Lotti und ihrer Mama Adele, die in einem kleinen Haus mit Garten leben - gelegentlich besucht von Oma Mizzi. Lottis Papa hat sich schon vor vielen Jahren mit einer anderen Frau aus dem Staub gemacht. Seither muss Mama sich um alles kümmern. Sie geht ihrer Arbeit in einer Werbeagentur nach, kommt dann nach Hause, um dort die Wäsche zu machen, den Haushalt zu schmeißen und natürlich mit Lotti die Hausaufgaben zu erledigen. Am Abend ist Adele dann oft so müde, dass sie noch während der Nachrichten einschläft. So geht es tagein, tagaus. Adele saust zwischen Arbeit, Haushalt und Schule hin und her, kümmert sich um alles - nur nicht um sich. Das geht so lange gut, bis sich eines Tages, Adele kocht gerade, ein großes Loch in der Küche auftut und sie verschlingt. Entsetzt stehen Lotti und Mizzi vor dem Loch. Nun ist guter Rat teuer. Denn es gilt nicht nur, Mama aus dem Loch herauszuholen, ihr inneres Feuer wieder zu entfachen, sondern auch an der Situation insgesamt etwas zu ändern.

Es ist kein leichtes Thema, dass sich Autorin und Illustratorin Leonora Leitl da für ihr Kinderbuch "Mama & das schwarze Loch" ausgesucht hat. Doch es ist ein aktuelles Thema, vor dem viele die Augen verschließen. Es ist egal, ob man "Burn-out" nun als Krankheit oder Modeerscheinung ansieht. Fakt ist, dass unsere heutige, stressige Zeit immer mehr von Eltern und Kindern abverlangt, als sie oftmals geben können. Noch schwieriger wird es dann, wenn - wie im Bilderbuch beschrieben - nur ein Elternteil da ist, das sich um alles kümmern muss.
Realistisch, wenngleich an einigen Stellen stark überzeichnet, erzählt die Autorin eine Geschichte, wie sie so oder ähnlich sicherlich schon zugetragen hat. Da ist die Mutter, die unter der Last der Verantwortung zusammenbricht und buchstäblich erst wie ein Streichholz abbrennt und dann auch noch in einem schwarzen Loch verschwindet. Da ist die Großmutter, die mit ihrem Branntwein und ihrer Salbe auch nicht helfen kann. Erst Lotti, die Tochter, erkennt, dass sich nicht jedes Problem mit alten Hausmitteln lösen lässt. Es braucht Hilfe von außen, die das innere Feuer der Mutter wieder entfacht, aber auch zeigt, wo die Grenzen der Belastbarkeit sind.
Das alles erzählt die Autorin mit einfachen Worten, bildlichen Metaphern und originellen Vergleichen. Der bewusste Einsatz des Vornamens der Mutter, anstatt wie sonst in Bilderbüchern üblich den Titel "Mama" zu verwenden, zeigt deutlich ihre Rolle. Sie ist nicht die reizende "Mama", die man aus Kinderbüchern kennt, die in einer heilen Welt spielen. Nein, sie ist einerseits die Mama, aber größtenteils die Frau, die den Haushalt zu führen hat und für den Lebensunterhalt sorgen muss. Auf Kinder wirkt dieses Stilmittel abweisend. Adele ist die Frau, die putzt, kocht und arbeitet. Aber sie ist nicht Mama, die spielt, lacht und fröhlich ist. Auch eher untypisch für ein Kinderbuch ist der Kommentar über den Vater. Der sich schon vor langer Zeit mit einer anderen Frau aus dem Staub gemacht hat und das Geld mitgenommen hat. Mit diesen Mitteln zeigt die Autorin deutlich die Missstände auf, die in Lottis Familie und Alltag vorherrschen. Ebenso die fehlende Liebe füreinander.
Dadurch verliert das Bilderbuch aber auch seine Fröhlichkeit, seine ungezwungene Art. Es ist kein Buch, das Kinder unterhält, ihnen eine schöne Geschichte erzählt. Vielmehr ist es ein Buch, das Kindern erklärt, warum die eigene Mutter oder der Vater zusammengebrochen sind, worin mögliche Ursachen liegen. Doch es ist kein Bilderbuch das anklagt, sondern das hilft, eine solche Situation zu verstehen und aus ihr herauszukommen.

"Mama & das schwarze Loch" mag mit zwei Kinderbuchpreisen ausgezeichnet worden sein, jedoch nicht für seine fröhliche, ungezwungene Art. Ausgezeichnet wurden die Illustrationen. Das Thema selbst ist von ernsthafter Natur, will Familien in ähnlichen Situationen begleiten und Kindern helfen, diese besser zu verstehen. Daher ist es kein Buch für jede Familie. Auch sollte man Kinder beim Lesen des Buches begleiten, um so aufkommende Fragen sofort zu beantworten.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    01/2015
  • Umfang:
    26 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    4 Jahre
  • ISBN 13:
    9783702234362
  • Preis:
    14,95 €

Bewertung

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